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Seite Drei Der Abschied von Europa kostet 300 Milliarden Euro
Nachrichten Seite Drei Der Abschied von Europa kostet 300 Milliarden Euro
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22:20 25.06.2016

Nach dem Brexit erwarten Ökonomen gravierende wirtschaftliche Einbußen in Europa. Am schmerzhaftesten werde es die Briten selbst treffen, urteilte die Bertelsmann-Stiftung. „Es ist eine Situation, in der alle verlieren, die EU-Mitgliedsländer und besonders dramatisch Großbritannien“, sagte Andreas Esche, Leiter des Wirtschaftsbereichs der Stiftung.

Schlachtfest? England drohen jetzt enorme Kosten. Quelle: imago

Blieben die EU-Länder bei ihrem angekündigten harten Kurs gegen die Briten, zeichne sich eine Abschottung ab, die die britische Wirtschaft bis ins Jahr 2030 mehr als 300 Milliarden Euro kosten könnte. Isoliere sich Großbritannien in Handelsfragen komplett, könnte auch Deutschlands Wirtschaft Verluste von insgesamt mehr als 55 Milliarden Euro einstecken müssen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sprach sich trotz aller Befürchtungen für einen klaren Schnitt aus. „Ich glaube nicht, dass es im Interesse der Europäer ist, den Briten einen guten Deal zu geben“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Jedes Entgegenkommen würde Nachahmereffekte provozieren. In Ländern wie Italien, Frankreich und den Niederlanden könnte es ähnliche Bewegungen geben. Wirtschaftlich gebe es nur Verlierer durch den Brexit. Auch in Deutschland werde sich das Wachstum abschwächen. Das DIW senkte seine Konjunkturprognose für Deutschland für 2017 bereits klar um 0,5 Prozentpunkte.

Die US-Ratingagentur Moody's senkte ihren Ausblick für die nächste Einstufung von „stabil“ auf „negativ“. Damit droht dem Land eine Herabstufung seiner Bonität. Das würde es tendenziell teurer machen, sich am Finanzmarkt Geld zu besorgen.

Laut Bertelsmann-Stiftung werde die nun herrschende Unsicherheit Konsum und Investitionsfreude auf der Insel bremsen und die wirtschaftliche Leistung in den kommenden Monaten und Jahren reduzieren.

Die Ökonomen erwarten einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um bis zu 14 Prozent bis zum Jahr 2030.

Mehr als 50 Prozent des britischen Import- und Exportgeschäfts wickelte England zuletzt mit EU- Mitgliedstaaten ab. Fallen die durch die EU garantierten Handelsprivilegien weg, verteuern Zölle und andere Effekte den Austausch von Waren und Dienstleistungen. Zu den Sektoren, die es den Experten zufolge besonders hart treffen wird, zählen die Maschinenbau- und Automobilbranche, aber auch die Pharma- und Chemieindustrie.

Besonders treffe die Abschottung die Briten aber auf dem so wichtigen Finanzdienstleistungssektor. Investoren könnten sich zurückziehen. Denn es fehle ihnen ein wichtiger Grund, nach England zu kommen: der Zugang zum europäischen Binnenmarkt. So könnten Städte wie Frankfurt, Paris oder andere Finanzzentren profitieren.

Spekuliert wird in der Londoner City über 50 000 bis 70 000 Finanzjobs, die ins Ausland verlagert werden könnten. Es würden bereits Büroräume in Frankfurt oder Madrid angemietet. Auch Dublin stehe als Ausweichstandort ganz oben auf der Liste. Jamie Dimon, Chef der US-Großbank JP Morgan, hatte bereits vor dem Referendum betont, er sehe allein in seinem Unternehmen bei einem Brexit 3000 bis 4000 Jobs in London in Gefahr.

LN

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