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Der Apfel-Zar von Sörup

Sörup Der Apfel-Zar von Sörup

Meinolf Hammerschmidt (69) sammelt seit 1987 alte Obstsorten — heute besitzt er eine einzigartige Museumsplantage.

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Herbstzeit, Apfelzeit: Meinolf Hammerschmidt begutachtet einen prachtvollen roten Weihnachtsapfel.

Quelle: Fotos: Lutz Roeßler, dpa

Sörup. Man möchte dichten: „Es grünt so grün, wenn Sörups Apfelbäume blühn“. Zum Beispiel. Dabei ist das längst nicht alles: Von zartrosa bis knallrot schimmert es überall aus dem Laub, kugelrund und knackig locken die Äpfel. Mit einem leisen „plopp“ fällt ab und an einer aus dem Baum. Fallobst.

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Herbstzeit, Apfelzeit: Meinolf Hammerschmidt begutachtet einen prachtvollen roten Weihnachtsapfel.

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„Schauen Sie, der purpurrote Cousino“, kommentiert Meinolf Hammerschmidt begeistert den Bodenfund. „Ein typischer Weihnachtsapfel. Wurde früher mit Speck poliert.“

Hammerschmidt, Gärtnermeister und Biologielehrer für Sekundarstufe Eins in einer Person, hat sich hier, im nördlich-ländlich abgelegen Sörup (Kreis Schleswig-Flensburg) seinen Paradiesgarten geschaffen. 1987 kam er an, auf dem elterlichen Hof seiner Frau Karin (65). Und begann, eine einzigartige Sammlung seltener Obstbäume anzulegen.

Über 750 Apfel- und 180 Birnensorten hat er bis heute in seinem „Obstmuseum Pomarium Anglicum“ zusammengetragen. Die älteste Apfelrarität im Hort ist der „Zwiebel-Borsdorfer“, der schon 1140 urkundlich erwähnt wird. „Leider noch nicht reif“, bedauert Hammerschmidt.

Das Bäumchen mit den verlockenden Früchten steht im „Burggarten“, einem von sechs Themengärten auf den insgesamt zwei Hektar abwechslungsreich gestalteter Plantagenfläche. „Innerhalb der Burgmauern war der Apfelgarten ein sehr beliebter Ort“, schwärmt der Kenner. „Er galt auch als Liebes- oder Paradiesgarten. Verliebte trafen sich unter dem Apfelbaum. Liebe Verstorbene wurden darunter beerdigt.“ Die Maler der Vor-Reformationszeit hätten Mariä Verkündigung oft im Apfelgarten dargestellt. „Und der Engel reicht ihr einen Apfel.“

Im Barockgarten verweist Hammerschmidt auf die orientalischen Formen der niedrigen Buchsbaumhecke, die in zierlichen Voluten ausläuft. „Der Apfelbaum wurde erstmals geformt“, weiß der Meister. Die Äste des kleinen Baums sind angebunden — Spalierobst. „Auch griechische und römische Elemente flossen ein. Etwa in Form von Statuen. Dazu dann wieder arabische Wasserspiele.“ Dies alles ist in Sörup nachempfunden, inspiriert vom Gottorfer Schlossgarten.

„Probieren Sie mal diesen hier“, rät Hammerschmidt und präsentiert einen köstlichen „Orangenglasapfel“. „Das Reis dazu hat mir jemand aus einem Bauerngarten in Südschweden mitgebracht.“ Doch auch der „Dithmarscher Paradiesapfel“ kann sich schmecken lassen. Ob „Jakob Lebel“, „Maunzenapfel“, „Gravensteiner“ oder der „Wohlschmecker aus Vierlanden“ — Hammerschmidt hat sie alle.

„Den Griebsch einfach hinter die Hecke werfen“, bedeutet er. Auch die abgenagten Reste der stolzen Frucht haben dem Apfelkundler zu denken gegeben. „Griebsch sagt man im Norden“, doziert er. „In Bayern sagt man Butzen, im Rheinland Appelkitsch und im Sauerland Nüsel.“ Letzteres sei übrigens seine alte Heimat. „Ich hab‘ diese Worte mal versucht zu sammeln.“

In seinem Schatzgarten empfängt Hammerschmidt mit seiner Frau Reisegruppen. Teilnehmer können lehrreiche Führungen genießen, deren Höhepunkt Duft- und Geschmacksproben verschiedener Sorten sind.

Welche präsentiert werden, hängt stark vom Reifegrad ab. „Die ersten Äpfel sind schon im August so weit — die letzten erst im Winter essbar.“

Besucher des Apfelgartens können die Äpfel tütenweise erwerben, meist gemischt, auch Pflaumen und Birnen gibt es ab und zu. Im Regal des kleinen Verkaufshäuschens stehen selbstgekochte und -kreierte Apfelmarmeladen, es gibt sogar Cidre aus eigener Produktion. „Aber der schmeckt leider noch nicht so gut wie der aus Nordfrankreich“, übt Meinolf Hammerschmidt Selbstkritik. Deshalb habe er diesen Herbst einen Fachmann aus der Normandie zu einem Cidre-Seminar eingeladen. Ausstellungen und Seminare runden das Programm des Museumsgartens ab, der übrigens ein reiner Bio-Betrieb ist. Gespritzt wird nicht: „Niemals.“

Drei, manchmal vier Mitarbeiter sind ständig in der Plantage beschäftigt, mähen Gras, sammeln Obst. Hinten am Haus, wo es privat wird, ist der Apfeltraum noch lange nicht zu Ende. An einer Wand reift Wein, es gibt noch die uralten Apfel- und Pflaumenbäume des ehemaligen Bauernhofes und die Gänse Lorenz und Konrad. Sie fressen Fallobst. „Vorsicht“, rät Hammerschmidt angesichts des zeternden Federviehs. Die Gänse seien sehr auf ihn geprägt und Fremden gegenüber leicht eifersüchtig.

Der Garten ist die reinste Pracht. Besonders jetzt. Denn nach den ersten Frostnächten, so Meinolf Hammerschmidt, seien die zuvor recht blassen Äpfel erst richtig rot geworden. Da heißt es zubeißen.

Das Obstmuseum
Öffnungszeiten: Vom 7. Juli bis 29. September jeden Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 Uhr bis 17 Uhr. Vom 3. Oktober bis zum 20. Oktober von 11 Uhr bis 16 Uhr. An diesen Tagen finden keine Führungen statt und es gibt auch kein Obstbuffet. Eintritt: 5 Euro pro Person, Kinder haben freien Eintritt.


Apfeltag: 29. September 11-17 Uhr. Mit Sortenbestimmung für mitgebrachtes Obst. Eintritt: 2,50 Euro.

www.alte-obstsorten.de

Marcus Stöcklin

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