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Die „Costa Concordia“ richtet sich auf

Rom Die „Costa Concordia“ richtet sich auf

Experten begannen gestern mit der Bergung des 2012 spektakulär gekenterten Kreuzfahrtschiffs. Danach soll es verschrottet werden.

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„Schwierige Aufgabe“

Rom. Gut 20 Monate nach dem Kentern der „Costa Concordia“ vor der italienischen Insel Giglio hat gestern die spektakuläre Bergung des Kreuzfahrtriesen begonnen. Die Bergungsexperten hatten das havarierte Schiff bis zum Mittag bereits aus seiner in Felsen eingekeilten Lage befreit. Das Schiff war am Nachmittag um etwa zehn Grad aus dem Wasser herausgehoben und ganz von den Felsen gelöst worden, sagte Sergio Girotto vom Bergungsteam. Bis es aufrecht steht, muss das Wrack um insgesamt 65 Grad gedreht werden.

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Gegen sechs Uhr beginnt das Aufrichtemanöver (oben). Container an der Seite sollen das Schiff stabilisieren. Um 11 Uhr ist ein Meter geschafft (Mitte).

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Das internationale Bergungsteam dürfte dafür allerdings mehr als die rund zwölf Stunden brauchen, die zunächst veranschlagt waren. „Auch wenn wir dafür dann 15 oder 18 Stunden benötigen, so ist es wichtig für uns, es gut zu machen“, erläuterte Franco Porcellacchia von der Reederei Costa Crociere. Die Wetterlage und die Dunkelheit in der Nacht würden den Fortgang der Aktion nicht beeinträchtigen, sagte Girotto. Die heikle Bergung verlaufe problemlos.

Bergung kostet rund

600 Millionen Euro

Ein etwa ein Meter breiter Streifen des Wracks, der sich zuvor noch unter Wasser befunden hatte, war bereits zwei Stunden nach Beginn der Aktion am Morgen wieder sichtbar, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Das Schiff lag auf der Seite auf zwei Felsen, in die es teilweise verkeilt war. Mit Hydraulik gelang es am Vormittag, das Wrack vom felsigen Untergrund zu lösen. „Dies waren die Stunden der größten Unsicherheit, da wir nicht genau wussten, wie eingeklemmt das Schiff war“, erläuterte Girotto von dem internationalen Bergungsteam Titan-Micoperi.

Ziel ist es, das riesige Schiffswrack mit Stahlseilen aufzurichten und wieder behelfsmäßig schwimmfähig zu machen. Dass die unter Wasser liegende Steuerbordseite stark demoliert ist, könnte das Verfahren erschweren.

Schlechtes Wetter mit Gewitter in der Nacht zu gestern hatte den Bergungsbeginn frühmorgens um drei Stunden verzögert und Schaulustige sowie Medienvertreter lange warten lassen. „Um Punkt neun Uhr hatten wir alle Kontrollen erledigt und die Bergungsoperation gestartet“, teilte das internationale Expertenteam auf der Insel mit. In dieser kompliziertesten Phase der einzigartigen Bergungsaktion gingen die Bergungsexperten daran, den Kreuzfahrtkoloss mit Stahlseilen und aufwendiger Technik um 65 Grad zurück in seine aufrechte Lage ziehen.

Die Bergung, an der unter Leitung des südafrikanischen Experten Nick Sloane 500 Menschen aus 30 Ländern beteiligt sind, kostet nach Angaben der Reederei Costa Crociere insgesamt mindestens 600 Millionen Euro. Das 290 Meter lange, 57 Meter hohe und 114 500 Tonnen schwere Schiff ist so groß wie ein elfstöckiges Hochhaus. Zwölf Mitarbeiter steuerten die Aufrichtung von einem Kontrollraum aus. Das Bergungsteam muss ausgesprochen vorsichtig vorgehen, damit das Wrack nicht weiter beschädigt wird. Die größte Angst der Experten ist, dass das Schiff zerbrechen könnte. Letztlich soll es mit Schwimmtanks an beiden Seiten flottgemacht werden, um es abtransportieren zu können.

Die „Costa Concordia“ war im Januar 2012 vor der Insel auf einen Felsen gefahren und gekentert, 32 Menschen starben bei dem Unglück. Zwei Tote, ein indischer Kellner und eine italienische Passagierin, wurden noch nicht geborgen und auch gestern zunächst nicht gefunden.

An Bord waren mehr als 4000 Menschen. Bei der Evakuierung gab es chaotische Szenen sowie zahlreiche Probleme und Verzögerungen. Vor Gericht in Grosseto steht deshalb Kapitän Francesco Schettino.

Nach dem Schiffbruch wurde das Schiff zunächst stabilisiert. Treibstoff und Abwasser wurden abgepumpt. Während der Bergung wird auch kontrolliert, ob das Wasser rund um das Wrack verschmutzt wird.

Barrieren sollen eindämmen, was noch aus dem Schiff fließt. Eine Verunreinigung des Wassers wurde gestern nicht registriert. Eine Umweltkatastrophe in dem Meeresschutzgebiet wird auch nicht erwartet.

„Die Konzentrationen werden begrenzt sein“, sagte der Meeresbiologe Giandomenico Ardizzone. Er geht allerdings von 29 000 Tonnen Müll aus, die ins Meer gelangen.

Der Kreuzfahrtkoloss soll nach der Aufrichtung auf mehreren im Meeresboden verankerten Plattformen liegen und im ersten Halbjahr 2014 abgeschleppt werden.

Die Rolle des Kapitäns
Francesco Schettino (53) Jahre alt stammt aus dem kampanischen Ort Meta di Sorrento bei Neapel. Er ist der Spross einer süditalienischen Seefahrer-Familie. Bewohner seines Heimatortes haben ihn als „ängstliches Kind“ in Erinnerung, das nicht gerne ein Risiko einging.


Zehn Jahre lang arbeitete Schettino für die Reederei Costa Crociere, zunächst als verantwortlicher Offizier für die Sicherheit. 2006 wurde er zum Kommandanten befördert. Mit der Havarie der „Costa Concordia“ scheint seine Karriere auf See jedoch beendet.


Bis zu dem Unglück präsentierte sich Schettino gerne in weißer Kapitänskleidung, braun gebrannt und mit Sonnenbrille. Er stritt jede Schuld an dem Unglück ab: Er fiel in ein Rettungsboot, der Steuermann verstand seine Anweisungen nicht und der Felsen war auf keiner Karte verzeichnet.

Schwierige Bergungen
2013: Experten bergen ein US-Kriegsschiff, das auf ein geschütztes philippinisches Korallenriff aufgelaufen war.


2011: Vor Neuseeland läuft das Containerschiff „Rena“ auf ein Riff. Hunderte Container rutschen ins Meer, das Wrack bricht auseinander und versinkt. Die Bergung dauert bis heute an.


2001: Das in der Barentssee gesunkene russische Atom-U-Boot „Kursk“ wird aus 108 Metern Tiefe gehoben.

Hanns-Jochen Kaffsack

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