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Die Göttin feiert Geburtstag

Lübeck Die Göttin feiert Geburtstag

Der Citroën DS, Kultauto über Jahrzehnte, ist 60 geworden. Vielen Designern gilt seine futuristische Form bis heute als unerreicht. Auch wenn BMW und VW Ähnliches versuchen.

Lübeck. Eigentlich war Christian Evers (46) immer mit seinem VW-Käfer-Cabriolet zufrieden gewesen. Bis der Marketinggestalter, der in der Nähe von Bad Schwartau lebt, vor einigen Jahren in Lübeck einen Citroën DS von 1973 sah. „Der stand da so an der Straße, zu verkaufen. Ich dachte: Was für ein tolles Auto.“ Er stieg aus, sah sich den Wagen näher an — und seine Begeisterung wuchs. „Ein Meisterwerk. Technisch und optisch“, schwärmt der Oldtimer-Liebhaber bis heute. Er kaufte den Wagen. Und hat es nie bereut.

Die klassische Schönheit dieses Citroën-Modells, das 1955 — vor 60 Jahren — auf dem Pariser Autosalon vorgestellt wurde, ist für viele Auto-Liebhaber und Experten bis heute unübertroffen. „Es war damals der Sprung in die Moderne“, konstatiert Design-Professor Lutz Fügener von der Hochschule Pforzheim. „Die gesamte Autoindustrie produzierte technisch und optisch praktisch noch auf Vorkriegsstand. Aber Citroën hatte eine Vision. Und die kam zum richtigen Zeitpunkt.“

Der futuristisch anmutende Wagen schlug ein wie eine Bombe. Bei der Premiere sollen Menschen vor dem neuen Gefährt niedergekniet sein. Der französische Philosoph Roland Barthes nannte das Auto 1957 in einem Essay einen „neuen Nautilus“. Und es wurde gekauft. Schon am ersten Tag gab es 12000 Kaufverträge für die DS 19.

Revolutionäres Konzept

Fast 30 Jahre gehörten die markanten Citroëns fortan zum Straßenbild. „Ein Auto der Oberklasse, das jedoch erschwinglich war“, urteilt Fügener. Von Oktober 1955 bis April 1975 wurden insgesamt 1,4 Millionen Fahrzeuge der D-Reihe gebaut. So lange, dass die DS zum Mythos werden konnte. Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle fuhr DS, ebenso Film-Bösewicht „Fantomas“, außerdem viele Künstler und Intellektuelle.

Die Göttin — von französisch Déesse, wie das Modell DS bald im Volksmund hieß — hatte einen völlig neuartigen Rahmen, eine hydropneumatische Federung und Vorderradantrieb. Die Hydropneumatik ermöglicht es, die Bodenfreiheit des Wagens zu variieren. Hinzu kamen halbautomatische Schaltung und Servolenkung.

„Mutig und erfolgreich“ nennt Paolo Tumminelli, Design-Professor in Köln, das Konzept der DS. „Leider bleibt sie ein Einzelfall.“ Ähnlich revolutionär, aber bei weitem nicht so erfolgreich, sei Ende der 60er Jahre nur der NSU Ro 80 mit Wankelmotor gewesen.

Und heute? „Die Automobilindustrie unserer Tage ist nicht mehr so risikobereit“, meint Tumminelli. „Es sind sehr große Unternehmen, die mit Rücksicht auf den Aktienmarkt agieren müssen und eine möglichst risikolose und gewinnorientierte Fortsetzung ihrer Modellpalette betreiben.“

Der tropfenförmige Toyota Prius mit Hybrid-Motor beispielsweise schlug 1997 nicht annähernd so ein wie der DS zu seiner Zeit, sagt Tumminelli. Das liege auch an der Kurzlebigkeit der Modellpalette:

„Vom Prius gibt es inzwischen die vierte Version innerhalb von zehn Jahren.“

Dagegen sei der 2009 vorgestellte BMW i8 „ein Auto, das man nicht wegdiskutieren kann“, so Fügener. Der mit Flügeltüren ausgestattete Oberklassewagen mit Hybridmotor komme in seinem Erscheinungsbild der DS nahe — das Konzept sei „durchaus revolutionär“. Das Problem aber sei der Preis: Allein die Basisversion kostet knapp 130000 Euro.

Der seit 2014 in geringer Stückzahl produzierte VW XL 1 ähnelt dem BMW in gewisser Weise, wirkt vielleicht sogar noch zukunftsweisender. Der Diesel-Hybrid soll nur einen Liter Sprit auf 100 Kilometer verbrauchen. Auch er indes dürfte für rund 100000 Euro den meisten potentiellen Abnehmern zu teuer sein. Ein stolzer Preis. Und genau das gilt wohl auch für das US-Startup-Mobil Tesla, ein reines Elektroauto, das nicht unter 70000 Euro zu haben ist.

Luxus-Version SM

Bis heute seien die Citroëns von damals vergleichsweise günstig, findet Sammler Christian Evers, auch auf dem Oldtimermarkt. Er hat sich zu seiner DS noch ein Exemplar der Kombi-Version ID 19 Break, Baujahr 1966, zugelegt, mit dem er im Sommer sogar in den Urlaub fährt. Den Verbrauch von 10 Litern auf 100 Kilometern findet er auch nach modernen Maßstäben okay. „Und er fährt sich so unglaublich weich und komfortabel, als säße man zu Hause auf dem Sofa.“

In der Halle steht außerdem ein goldener Citroën SM mit Maserati-Motor. Die sportliche Limousine im Raumgleiter-Look gab es seit 1970. „Sie basiert technisch auf der DS“, weiß Evers. Im Gegensatz zur „Göttin“ war der SM jedoch ein Misserfolg. Sportlich orientierten Autofahrern war er zu luxuriös, auf Luxus bedachten Kunden zu sportlich. Hinzu kamen technische Probleme. Auch Evers will sich nun von seinem SM trennen. „Ich habe einfach zu viele Autos.“ Er hat ja noch seine beiden DS — und mehr Auto braucht er eigentlich nicht.

Marcus Stöcklin

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