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Seite Drei Die Schätze tauen langsam auf
Nachrichten Seite Drei Die Schätze tauen langsam auf
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23:21 06.11.2013
Zahlreiche Forschungsschiffe tummeln sich nahe dem Nordpol. Quelle: dpa
Lübeck

Eine Studie der US-Behörde Geological Survey vermutet etwa ein Drittel der bisher nicht entdeckten Gas- und ein Siebtel der Ölreserven der Erde in der Arktis — und zwar größtenteils auf den Festlandsockeln der Anrainer und damit in deren Hoheitsgebiet. Es winkt ein Milliardengeschäft, aber die Probleme sind gewaltig.

Bei Erdöl und Erdgas zählt die Arktis zu den wichtigsten Gebieten der Welt, sagt auch Harald Elsner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Unter den Arktis-Anrainern Russland, Kanada, USA und Nordskandinavien sei Grönland — in Bezug auf Rohstoffe schon unabhängig von Dänemark — so etwas wie der Shootingstar. Es bestünden Hoffnungen, dass aufgrund neuer Erkundungen enorme Lagerstätten gefunden werden.

Allerdings finde auf der größten Insel der Welt derzeit überhaupt kein Abbau statt, so der Wirtschaftsgeologe. Es fehle an Elektrizität, Häfen, Arbeitskräften. Erst müsse eine teure Infrastruktur geschaffen werden, dann lasse sich sehen, ob sich ein Abbau rechne. Kurzfristig jedenfalls sei in Grönland nichts zu erwarten. Mittelfristig aber sei es „interessant“ und langfristig „hochinteressant“. Die Chinesen hätten sich schon Rechte gesichert.

Insgesamt verfüge Russland über die größten arktischen Rohstoffvorkommen, etwa an Seltenen Erden, Nickel, Platin, Palladium und Phosphaten. In Kanada gebe es u. a. einen etablierten Abbau von Diamanten, in Schweden von Gold und Kupfer. Eisenerz aus den schwedischen Lagerstätten bei Kiruna gehe zum erheblichen Teil nach Deutschland. Aus Russland und Norwegen kamen 2011 nach BGR-Angaben etwa zwei Drittel des deutschen Erdgases und fast die Hälfte des deutschen Erdöls.

Die größten Chancen liegen laut Elsner in der Ausweitung der bekannten (und förderbaren) Vorräte an Erdöl und Erdgas im OffshoreBereich vor Russland und rund um Grönland. Die größten Risiken beträfen die Verschmutzung der Umwelt, speziell der reichen Meeresfauna in den grönländischen Fjorden. So sei die Genehmigung des Uranabbaus auf Grönland mit zwiespältigen Gefühlen zu sehen. Achim Steiner, Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, beschrieb denn auch bei der Vorlage des Jahresreports im Februar eine bizarre Lage: „Das Schmelzen des Eises verursacht einen Ansturm auf genau die fossilen Brennstoffe, die das Schmelzen überhaupt erst angetrieben haben.“

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