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Die Welt der Reichen baut neue Mauern

Brüssel Die Welt der Reichen baut neue Mauern

Vor 54 Jahren baute die DDR die Mauer. Die fiel 1989, doch mittlerweile entstehen neue Barrieren, um Menschen aufzuhalten. Besonders EU und USA versuchen, ihre Gesellschaften abzuschotten.

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Aussitzen hilft nicht: Grenzer in Melilla warten, bis diese Flüchtlinge aus Subsahara-Afrika hinunterklettern.

Quelle: F. G. Guerrero/dpa

Brüssel. Tausende Fluchtwillige lauerten vor der Grenze, in Zelten oder ohne. Keiner wollte zurück. Bei Sopron kamen sie schließlich durch, und „Bild“ meldete: „Wie ein Mann drückte die Menge, Männer, Frauen, kleine Kinder — bis das Balkentor offen stand.“

Das geschah ebenfalls in einem August: 1989 war das Jahr, und alle waren des Lobes voll. Denn die Flüchtlinge, die damals aus Ungarn via Österreich nach Deutschland-West kamen, stammten aus Deutschland-Ost. „Was hätten wir denn tun sollen? Mit fünf Grenzern wären wir weggeweht worden wie dürres Laub“, erinnerte sich später der ungarische Grenzoffizier Arpad Bella, der damals für seine Vorgesetzten „unerreichbar“ war.

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1961: Mauerbau am Potsdamer Platz.

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„Unerreichbar“ ist heute wieder ein Stichwort an Ungarns Grenze. Unerreichbar soll das Land werden, jedenfalls für Zehntausende, die derzeit an der Grenze zu Serbien auf ihre Chance lauern, in Zelten oder ohne. Um diese Fluchtwilligen fernzuhalten, baut Ungarn derzeit einen Zaun mit Nato-Stacheldraht, vier Meter hoch soll er werden und 175 Kilometer lang, und Premier Viktor Orban hofft, die Zahl derer, die durchkommen, so auf „ein Sechstel“ zu reduzieren.

Das wären immer noch Tausende. Allein bis Juli seien 86000 Migranten in dieser „Völkerwanderung“ aufgegriffen worden, sagt Orban — laut EU-Grenztruppe „Frontex“ sind allein im Juli 50000 neue Flüchtlinge in Griechenland angekommen, meist auf den Inseln der Ägäis, nahe der türkischen Küste. Durch Mazedonien ziehen sie oft ins serbische Grenzstädtchen Kanjiza, wo sie zu Tausenden am Rathaus kampieren und die Geduld der Einheimischen mehr und mehr strapazieren.

Flucht mit GPS und 1000 Dollar Ihre „Balkanroute“ finden sie oft durch GPS, so dass Kanjizas entnervter Gemeindevorsteher Robert Lacko schon von einer „bestens organisierten Flucht“

spricht, die von „Anführern in speziellen T-Shirts“ organisiert und mit viel über „Western Union“ transferiertem Geld finanziert werde. Dahinter steckten die USA, die die EU schwächen wollten — ein Motiv, das in Internetforen und sozialen Netzwerken vielfach „geteilt“ wird. Dort erfährt man auch, wie auf „Zeit online“, dass Drahtscheren bereits ein Renner sind: „Wir werden den Zaun aufessen“, laute die Parole der wild entschlossenen Flüchtlinge.

Die Ungarn sind nicht die einzigen, die ihre Grenzen wieder verbarrikadieren. Die Bulgaren haben einen ähnlichen Grenzwall errichtet, gut 30 Kilometer Nato-Stacheldraht sind bereits gezogen.

Nachbar Griechenland hat seine gut zwölf Kilometer lange Landgrenze zur Türkei ebenfalls abgeriegelt. Genutzt hat es wenig: Die aktuellen Flüchtlingszahlen auf Kos und den anderen Inseln zeigen es, die 1000 Dollar Schleppergeld pro Person, von denen die Flüchtlinge berichten, sprechen von einem weiterhin einträglichen Geschäft.

Am anderen Ende der EU, in Spaniens afrikanischen Exklaven Ceuta und Melilla, künden mächtige und ständig verschärfte Grenzanlagen ebenfalls vom Bedürfnis der Europäer, die anschwellende Flüchtlingswelle irgendwie einzudämmen. Die Zäune um Melilla sind zwölf Kilometer lang, inzwischen oft dreireihig, sechs Meter hoch und auf langen Abschnitten mit Nato-Stacheldraht gesichert.

Nicht nur Europa riegelt sich ab Trotzdem gab es immer wieder Massenanstürme, Tausende rannten mit Leitern von umliegenden Hügeln auf den Zaun zu, manche kamen durch. Doch zuletzt sind es weniger geworden — auch weil die Marokkaner härter eingreifen, seit die Regierung in Madrid die Annäherungsversuche an Rabat auch finanziell aufpolstert.

Wieder ein paar tausend Kilometer nördlich sperrt sich Großbritannien gegen den „Menschenschwarm“, den Premier David Cameron auf sein Inselreich zukommen sieht. Vor dem Eurotunnel in Calais haben sich in Frankreich Tausende Fluchtwillige gesammelt, in einem wilden Camp, das „Dschungel“ heißt. In kleinen und großen Gruppen versuchen sie, Sperren und Zäune zu überwinden, auf Güterzüge und Lastwagen zu springen. Für manche endet das tödlich, viele werden erwischt und probieren es wieder.

Sie hoffen auf Arbeit jenseits des Kanals in dem Land, in dem laut der London School of Economics bereits 618000 Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung leben. Viele arbeiten schwarz, so dass Immigrations-Staatssekretär James Brokenshire deren Arbeitgebern die „volle Härte“ des Gesetzes androhte. Überall sitzen den Regierungen Wähler im Nacken, deren ohnehin durch die Globalisierung verschärfte „Statuspanik“ Protestparteien Zulauf verschafft.

Zum trostlosen Lagebild gehört, dass die Europäer nicht allein sind. Weite Strecken der 3144 Kilometer langen Grenze zwischen Mexiko und den USA sind inzwischen durch massive Grenzbefestigungen gesichert — zur „Terrorabwehr“ (seit 2001) und gegen illegale Migration. Die fast bankrotte Ukraine arbeitet ihrerseits an einem 2000 Kilometer langen Zaun, der sie vom verhassten Nachbarn Russland abschotten soll. Und Israels Ausgrenzung der Palästinenser durch bis zu acht Meter hohe Betonmauern ist einer der Gründe für Menschen dort, die gefährliche Flucht nach Europa zu wagen. Vor neue Zäune und neue Mauern.

Geheime Türen in der Mauer

28 Jahre hat die Berliner Mauer gestanden, heute vor 54 Jahren wurde mit ihrem Bau begonnen. Walter Ulbricht aber hätte sie gern schon viel früher errichtet. Ende Februar 1952 habe sich der SED-Generalsekretär mit einem entsprechenden Schreiben an die sowjetische Besatzungsmacht gewendet, berichtet die Stiftung Berliner Mauer und verweist auf bislang unbekannte Dokumente. Erst nach Stalins Tod 1953 aber sei eine Absage aus Moskau gekommen. Die dann ab dem 13. August 1961 gebaute Mauer fiel mit der friedlichen Revolution am 9. November 1989.


In der Mauer hat es auch geheime Türen gegeben. Durch eine wurde zum Beispiel im November 1986 ein junger Mann namens Wolfram Hasch in den Osten gezogen. Er war an der Aktion „Weißer Strich“ beteiligt und hatte mit seinem Freund Frank Willmann eine weiße Linie waagerecht entlang der Mauer gezogen. Etwa 200 Meter neben dem Brandenburger Tor ging im Stützwandelement 12.41 plötzlich eine kleine Tür auf, Uniformierte riefen „Hände hoch!“ und führten den verdutzten Hasch ab. Willmann konnte fliehen, Hasch aber wurde zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt und später freigekauft.

In der Berliner Mauer und entlang der innerdeutschen Grenze habe es Schätzungen zufolge mehrere Hundert solcher Grenzschleusen gegeben, sagt Professor Klaus Schroeder, Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin. Sie seien vor allem zur heimlichen Einreise von Spionen und Stasi-Leuten von Ost nach West, aber auch von Informanten aus dem Westen nach Osten genutzt worden. In Berlin gehörten teilweise einige Meter vor der Mauer im Westen noch zum DDR-Hoheitsgebiet als Möglichkeit zur Mauerkontrolle für die östlichen Grenztruppen.

155 Kilometer maß die Mauer rund um West-Berlin, insgesamt war die innerdeutsche Grenze etwa 1400 Kilometer lang. Die Zahl der Toten an der Mauer durch das DDR-Grenzregime ist in 138 Fällen belegt. Für die gesamte innerdeutsche Grenze gibt es keine verlässlichen Zahlen. Die von dem privaten Mauermuseum am Berliner Checkpoint Charlie genannten 1830 Todesopfer gelten als nicht seriös.


Heute wird in Berlin mit mehreren Veranstaltungen und Gedenkfeiern an den Mauerbau erinnert und der Opfer der deutschen Teilung gedacht.
Wir werden den Zaun aufessen.“Flüchtlinge in Serbien

Michael Wittler

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