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Die perfekte Königin

London Die perfekte Königin

Vor 75 Jahren lief die „Queen Elizabeth“ vom Stapel. Bis heute halten Fans die Erinnerung an das Schiff wach.

London. Monatelang hatte John Dockray gespart, um auf seinem Traumschiff reisen zu können. 23 Jahre war er damals alt und von Schiffen besessen. Am 8. September 1967 betrat er mit seinem Cousin im englischen Southampton die „RMS Queen Elizabeth“ für die Fahrt ins französische Cherbourg. Das Ticket hat der 69-Jährige noch immer. „Das war das Highlight meiner Jugend“, sagt er. „Die ,Queen Elizabeth‘ war eins der großartigsten Schiffe, die je zur See gelassen wurden.“

Das sehen viele Bewunderer ähnlich. Die Königin mit den zwei roten Schornsteinen, die am 27. September 1938 in Schottland vom Stapel lief, war fast 60 Jahre lang das größte Passagierschiff der Welt. Und noch drei Jahrzehnte, nachdem sie in Hongkong ausbrannte, hält sie den Rang als schnellstes Passagierschiff der traditionsreichen Reederei Cunard Lines aus Southampton. „Sie wurde das ,Ultimative Schiff‘ genannt“, sagt Cunard-Sprecher Michael Gallagher.

Ihre Jungfernfahrt legte die Queen erst nach Kriegsausbruch zurück. Fünf Jahre lang transportierte sie danach mit ihrer vier Jahre älteren Schwester „Queen Mary“ Truppen. Dem britischen Premierminister Winston Churchill wird die Aussage zugeschrieben, der Einsatz der beiden Schiffe hätte den Krieg um ein Jahr verkürzt.

Nach 1945 vergnügten sich auf dem Kreuzer über zwei Jahrzehnte hinweg mehr als zwei Millionen Passagiere. John Dockray im September 1967 war einer von ihnen. 21 Pfund plus zwei Pfund Steuern bezahlte er für Hin- und Rückfahrt; zurück ging es auf der „Queen Mary“. Die „Lizzie“, erinnert sich der Brite aus Leeds, wirkte heller als ihre ältere Schwester, moderner. „Da war dieses Wow, wenn man an Bord ging“, sagt er.

Er erinnert sich an die ausgefeilten Holzschnitzarbeiten, an die frischen Blumen in der Suite seiner Mutter, als er zum zweiten Mal mitfuhr, dieses Mal mit der Familie, an die riesige Eingangshalle.

An das aufmerksame Personal, das vorm Abendessen auf dem Bett Anzug und Hemd bereitlegte, an einen sauberen Geruch nach Seife und Wachs. Daran, dass das Schiff nicht geschaukelt habe, nicht einmal vibriert.

1968 legte die Queen Elizabeth nach 908 Atlantiküberquerungen ihre letzte Fahrt für Cunard zurück, von New York nach Southampton. Von England aus fuhr sie nach Florida — dort sollte sie als Hotel, Museum und Konferenzzentrum genutzt werden. Der Plan scheiterte.

Ein Retter fand sich in dem chinesischen Magnaten C. Y. Tung, der aus dem Schiff eine schwimmende Universität machen wollte. Doch am 9. Januar 1972 fing die Queen im Hafen Hongkongs Feuer. Brandstiftung gilt als wahrscheinlich.

John Dockray erinnert sich auch an diesen Tag. „Meine Mutter hat mich nachts geweckt: ,Wach auf, die Queen Elizabeth brennt!‘ Ich war sehr, sehr bestürzt.“ Damit war er nicht allein. Noch heute sammeln Fans Erinnerungsstücke von Bord der „Lizzie“, tauschen sich in Internetforen über ihre Zeit als Crewmitglied oder Passagier aus. Die „Queen Elizabeth“ hat sogar ihre eigene Facebook-Fanseite.

Besuchen können ihre Fans sie nicht mehr, die Überreste liegen unter einem Containerterminal im Hafen Hongkongs. Nachdem sie Feuer gefangen hatte, kenterte die Königin. Das Wrack lag noch eine Weile im Hafen, bis es verschrottet wurde. „Ihr rätselhafter Tod trägt sicher zu ihrem Zauber bei“, sagt Ringo Varisco. Der Australier wurde als kleiner Junge zum Fan. Er verlegt gerade im Selbstverlag ein fast 400 Seiten starkes Buch über die „Queen Elizabeth“. „Für mich war sie der am perfektesten aussehende Ozeankreuzer“, sagt Varisco. „Kraftvoll, stark, ausbalanciert. Sie hat gelebt, war ein Schiff mit einer Seele, mit einer starken Persönlichkeit.“

Es ging weiter wie im richtigen Leben: Die Königin ist tot, es lebe die Königin. Die „Queen Elizabeth 2“ (293,5 Meter lang, 32 Meter breit) wurde, wie schon ihre Vorgängerin im schottischen Clydebank gebaut. 1967 lief sie vom Stapel, 2008 dann die letzte Fahrt. Nachfolgerin ist die „Queen Mary 2“.

Anne-Sophie Lang

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