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Die schwere Jagd nach Fisch

Strande Die schwere Jagd nach Fisch

Bei Wind und Wetter fährt Fischer Randy raus, fängt Dorsche, Flundern - und selten mal was anderes. In Gedanken ist er bei seinen verunglückten Kollegen. Er weiß, wie unberechenbar das Meer sein kann.

Quelle: Lutz Roessler

Strande. Es ist noch dunkel im kleinen Hafen von Strande (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Gerade mal vier Uhr morgens, alles schläft. Leise schaukeln die kleinen Boote der Fischer auf dem schwarzen Wasser. Immerhin: Die See ist ruhig. Ideales Wetter, um die Netze einzuholen.

Was passiert ist,

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Harte Arbeit mitten in der Nacht: Die beiden Fischer Heiner Hentschel (li.) und Randy Repenning holen an Deck des Kutters „Strande II“ ein Netz ein.

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weiß keiner. Irgendetwas Schnelles, Endgültiges.“ Randy Repenning zum Unglück bei Fehmarn.

Das ist nun mal so

bei der Fischerei:

Heute Bettler, morgen König.“ Fischer Heiner Hentschel (74).

„Dann wollen wir mal“, sagt Karl-Heinz Hentschel (74), den alle Heiner nennen. Er fährt auch heute Morgen wieder raus mit Randy Repenning (23). Der hat sich selbstständig gemacht, mit seinem eigenen Kutter, der „Strande II“. „Der war so teuer wie ein Einfamilienhaus“, bemerkt er. Gebraucht natürlich. „Neu kostet der eine halbe Million. Das kann sich keiner leisten.“

Kein normaler Fischer jedenfalls. Denn es ist ein hartes, karges Leben, und was man verdient, reicht so gerade, um die Kosten zu decken und irgendwie zu überleben. Hoffentlich. „Drei Kisten Dorsch muss ich haben am Tag, um plus/minus Null rauszukommen“, sagt Randy. „Das sind so 60 Kilo.“

Schon am Nachmittag hat er die Netze gesetzt, zwei Stück diesmal, jedes einen Kilometer lang.

Heiner wirft den Diesel an, und die „Strande II“ nimmt Kurs nach Norden. Es ist stockdunkel, der Kutter schwankt, es riecht streng nach Fisch. Jeden Tag fährt Randy raus, wenn es das Wetter zulässt.

„Bis Ost 6“, sagt er. „Bei ablandigem Wind auch bis Windstärke 10.“ Fahren könne man fast immer. „Aber wenn du dich dauernd festhalten musst, kannst du ja nicht arbeiten.“

Irgendwo im Osten, gar nicht so weit entfernt, liegt Fehmarn. Die Insel, vor der zwei Kollegen vorige Woche mit ihrem Kutter gesunken sind. Nur drei Seemeilen von der rettenden Küste entfernt. Doch das Wasser hat vier Grad, da erlahmen die Gliedmaßen schnell. Was da passiert ist an Bord, kann sich keiner erklären. „Spekulationen gibt es viele“, meint Randy. „Es muss irgendetwas Schnelles, Endgültiges gewesen sein.“

An der Reling der „Strande II“ hängt ein Rettungsring, der nicht viele Hoffnungen weckt, jetzt im Winter. Immerhin hat Randy einen Überlebens-Anzug an Bord, wie ihn die Seenotretter benutzen. Das aber sei die Ausnahme. „Auch, weil die Dinger ganz schön teuer sind.“ Er hat seinen geschenkt bekommen.

Das erste Netz wird eingeholt, viel ist nicht drin. Ein paar kleine Dorsche, Plattfische, mal ein Seestern. Randy schaut immer missmutiger drein, Heiner zuckt die Achseln. „Das ist nun mal so bei der Fischerei. Heute Bettler, morgen König.“

Angesichts dieser schmalen Ausbeute scheint es fast egal zu sein, dass dieses Jahr die Fangquoten für Dorsch weiter gekürzt wurden. Von 30 Tonnen auf 24. „Sechs Tonnen Verlust“, murrt Randy. Dabei habe er die alte Quote doch eingeplant, bei der Kalkulation. „Da denkst du: Was ist das denn?“

Wie die meisten Fischer versucht Randy seinen Fang gleich im Hafen zu vermarkten, an Privatkunden, das bringt am meisten Geld. Oder an Restaurants und Hotels. Was übrig bleibt, geht an die Genossenschaft. Aber die zahlt nicht so viel. Randy rechnet im Schnitt „so 1,50 Euro pro Kilo Dorsch“.

Aber bisher ist nicht mal eine Kiste voll. Das zweite Netz ist ergiebiger, gleich zu Anfang zappelt ein riesiger Dorsch darin, der das Herz jedes Anglers höher schlagen ließe und auch Randy ein freudiges Lächeln ins Gesicht zaubert. Die Fische sind nun größer, die Behälter füllen sich. Zwei große Kisten mit Dorsch und ein Korb mit Plattfischen sind am Ende voll, als die beiden Fischer gegen sechs Uhr wieder Kurs auf Strande nehmen.

Randy schlachtet die Dorsche, Heiner nimmt die Plattfische aus, überwiegend Flundern. Und schneidet zuletzt noch die beliebte „Strander Seezunge“ zurecht. „Die kann man dann fast so in die Pfanne hauen“, erklärt Randy. „Eine Delikatesse“, bestätigt Heiner.

Die Innereien gehen über Bord, Möwen schweben wie große Fledermäuse über dem Schiff, grau und schemenhaft in der Nacht, die nur von den Scheinwerfern des Kutters erhellt wird.

Randy nimmt das Telefon, er hat Glück: Ein Hotel nimmt ihm den kompletten Fang ab. Ist er zufrieden? „Na ja“, überlegt er. „Es geht.“ Zehn Jahre, hofft er, wird er durchkommen. Dann ist der Kutter bezahlt, und dann will er noch einmal Bilanz ziehen, sehen, ob sich der Job rechnet. Wobei: Etwas anderes gab es für ihn nie. Sein Vater ist auch Fischer, im Nebenerwerb, wie Heiner. Und jetzt ist Randy der einzige Vollerwerbsfischer in Strande. Bis auf weiteres. Mal sehen.

Kaum Nachwuchs für den Beruf des Fischers

Die Kutter- und Küstenfischer an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste sind überwiegend im Landesfischereiverband organisiert. Der Verband mit Sitz in Rendsburg hat derzeit rund 250 Mitglieder, die in vier Fischereigenossenschaften und zwölf Fischereivereinen organisiert sind. Die Zahl der Fischer im Land sinkt, Nachwuchs ist rar.

Die Fanganlandungen der schleswig-holsteinischen Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei betragen jährlich insgesamt etwa 58000 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte im Wert von 50 Millionen Euro. Die Fischverarbeitung mit rund 1600 Beschäftigten und einem Umsatz von 340 Millionen Euro spielt im Land eine bedeutende Rolle.

Der Dorsch (auch Kabeljau genannt), gehört zur Familie der Knochenfische und ist ein Allesfresser und Räuber. Der Ostseedorsch wird im Schnitt bis zu 80 Zentimeter lang. Der Bestand in der Ostsee war in den letzten Jahren zurückgegangen, steigt dank Schonzeit und Fangbeschränkungen aber wieder an. Quelle: Landesfischereiverband

Marcus Stöcklin

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