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Seite Drei Ein Herz so groß wie ein VW-Käfer
Nachrichten Seite Drei Ein Herz so groß wie ein VW-Käfer
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21:15 03.02.2016
Gregory Peck als Kapitän Ahab im Film „Moby Dick“ (1956). Quelle: WDR

Lübeck. „Fall överall!“ war der Ruf, dann ließen die Leute alles fallen und starrten hinaus aufs Meer, wo der Mann oben im Ausguck einen Wal entdeckt hatte. Dann ging es schnell.

Dann wurde ihm nachgesetzt in kleinen Booten, mit Gier im Blick und Harpunen in der Hand. Ein Kampf Mensch gegen Tier, eine archaische Auseinandersetzung. Und es war meist das Tier, das sie zerlegt, gekocht und verwertet verlor.

Das ist lange her, eine Botschaft aus längst versunkener Zeit. Wenn heute Wale an deutsche Küsten gespült werden, wird das als eine Tragödie empfunden. Es liegen gewaltige Körper am Strand, und die Tonlage, in der man über sie berichtet, ist gedämpft. Tote Riesen im Küstensaum, ein Bild des Jammers.

Und es gibt auch allen Grund zur Klage. Wale sind ungeheure Geschöpfe, vermutlich die größten Tiere, die je auf der Erde gelebt haben. Blauwale werden mehr als 30 Meter lang und etwa 200 Tonnen schwer. Sie schauen aus tennisballgroßen Augen, und ihr Herz, wagt der WWF einen Vergleich, ist so groß wie ein VW-Käfer.

Sie ziehen auf ihren Wanderungen um den Globus und kippen auf der Suche nach Nahrung weit hinab in die See. Pottwale, wie sie jetzt vor Friedrichskoog gestrandet sind, können mehr als zwei Kilometer tief tauchen und ringen dort auch mit Architheutis, dem Riesenkalmar. Sie können das, weil sie den meisten Sauerstoff im Blut und in den Muskeln speichern. Es macht ihnen nichts aus, dass schon ab einem Kilometer mehr als 100 Kilogramm auf jeden Quadratzentimeter ihres Körpers drücken. Und tief in ihnen ruht das Ambra, früher eine Grundsubstanz für die Herstellung von Parfüm und daher zu manchen Zeiten wertvoller als Gold.

Aber man hat ihnen nachgestellt, auch von Schleswig-Holstein aus. Nach den Verwüstungen der Großen Mandränke 1634 sind viele Nordfriesen nach Westen gegangen auf der Suche nach Arbeit und heuerten an auf niederländischen Walfängern. Sie haben sich auf den Grönlandfahrten große Verdienste als Steuerleute und Kommandeure erworben, schreibt Fiete Pingel vom Nordfriisk Instituut in Bredstedt. Auch Hamburg habe in jener Zeit eine ansehnliche Walfangflotte gehabt mit 83 Schiffen im Jahr 1675. Erfolgreichster Walfänger der Nordfriesen sei Matthias Petersen aus Oldsum auf Föhr gewesen, der „glückliche Matthias“. Schiffe unter seiner Führung hätten in mehr als 50 Jahren 373 Wale erlegt.

Und die Männer an Deck werden „Fall överall!“ gehört haben und vielleicht auch die Angst und die Ehrfurcht gespürt, die Starbuck in Herman Melvilles Roman „Moby Dick“ empfand. „Ich will keinen Mann in meinem Boot haben, der sich nicht vor einem Walfisch fürchtet“, sagte der Steuermann des von Hass zerfressenen Kapitäns Ahab. Und dann sind sie hinter ihm her „bis er schwarzes Blut spuckt und nicht mehr weiter kann“. int

LN

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