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Ein Preis — zwei strahlende Sieger

Nordische Filmtage: Gala im Großen Haus des Theaters Ein Preis — zwei strahlende Sieger

Den vom NDR gestifteten Hauptpreis der Filmtage teilen sich eine Norwegerin und ein Däne.

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DREI FRAGEN AN...

Zwei Gewinner: Die norwegische Regisseurin Iram Haq („Ich bin dein“) und der dänische Filmemacher Michael Noer („Der Nordwesten“) mit ihren Trophäen. Die beiden teilen sich den Hauptpreis der Nordischen Filmtage.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. Bei der Filmpreisnacht im Theater setzte NDR-Fernsehmoderator Yared Dibaba durch, dass der Abend dreisprachig verlief. „Hochdeutsch oder Plattdeutsch?“, fragte er das Publikum. Eine deutliche Mehrheit stimmte für Platt. Dibaba verhalf aber auch der Minderheit zu ihrem Recht. Und so moderierte er auf Hochdeutsch, Plattdeutsch und Englisch. Den Gästen aus Skandinavien, die kein Deutsch verstehen, erklärte er: „Ich spreche eine nordische Sprache — Plattdeutsch.“

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Yared Dibaba (44), „Land & Liebe“-Moderator des NDR, führte elegant und dreisprachig durch den Abend: auf Englisch, Hoch- und Plattdeutsch.

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Auch in diesem Jahr gibt es zwei Hauptgewinner: Der mit 12 500 Euro dotierte NDR-Filmpreis geht gleichberechtigt an zwei Filme. Einer davon ist „Ich bin dein“ der norwegischen Regisseurin Iram Haq. Ebenfalls mit dem NDR-Filmpreis ausgezeichnet wird „Der Nordwesten“ des dänischen Filmemachers Michael Noer. Schon 2012 gab es zwei Gewinner des NDR-Preises: „Die Jagd“ von Thomas Vinterberg (Dänemark) und „Eat sleep die“ von Gabriela Pichler (Schweden).

Die Jury hat damit zwei sehr unterschiedliche Filme zu den besten im Spielfilmwettbewerb erklärt. „Ich bin dein“ erzählt von einer jungen Frau in Oslo mit pakistanischen Wurzeln. Mina (Amrita Acharia) ist Schauspielerin ohne Job. Von ihrem pakistanischen Ehemann, einem Architekten, lebt sie getrennt. Der gemeinsame Sohn Felix ist mal beim Vater, mal bei der Mutter. Verzweifelt versucht Mina, beruflich wie privat neu Fuß zu fassen. Aber sie findet kein Engagement. Und in ihren Beziehungen zu Männern geht es ihr auch nicht anders als vielen ihrer Altersgenossinnen.

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„Der Nordwesten“ ist eine Männergeschichte, ein Gangsterfilm. Er spielt im Kopenhagener Immigranten-Stadtteil „Nordwest“. Hier lebt der 18 Jahre alte Casper (Gustav Dyekjær Giese). Mit seinem jüngeren Bruder Andy (Oscar Dyekjær Giese) bricht er in die Wohnungen wohlhabender Bewohner Kopenhagens ein. Das Diebesgut macht Casper bei seinem Hehler Jamal zu Geld. Als er beginnt, für einen anderen Hehler zu arbeiten, weil der ihn besser bezahlt, kommt es zu einem Bandenkrieg. Casper, der Einbrecher, wird tief hineingezogen. Er soll einen Mord begehen.

Zwischen den Preisverleihungen hatten die Organisatoren Showacts gesetzt, so wie es sich bei einer Filmpreis-Vergabe gehört. Irina Björklund und ihre Band zeichneten sich dabei nicht nur durch große Musikalität, sondern auch durch ein besonderes Instrument aus. Sängerin Irina spielte auf einer singenden Säge — dieses klingende Werkzeug hatten wohl die wenigsten im Saal jemals zuvor gehört. Und der 1. Lübecker Beschwerdechor hatte vor der Verleihung des Hauptpreises seinen großen Auftritt: Mit der Solistin Theresa Szora brachte er die neue Lübeck-Hymne über die sieben Türme und die schlechten Straßen wunderbar zum Klingen.

Bei der Preisvergabe hatte die Kinderjury den Anfang gemacht. Die vier Kinder, zwei Mädchen, zwei Jungen, verkündeten ihre Entscheidung so routiniert, als sei es für sie nichts Besonderes auf einer großen Bühne zu stehen. Die Kinderjury zeichnete den Norweger Christian Lo für seinen Film „Die harten Jungs“ aus. Den 11 und 12 Jahre alten Jurymitgliedern hatte besonders die Botschaft des Films „Lass dich nicht unterkriegen, auch wenn du es nicht leicht hast“ gefallen.

Insgesamt wurden gestern acht Preise vergeben. Die Zuschauer erkannten den LN-Publikumspreis einem Film aus Estland zu: „Kertu“ von Ilmar Raag. Der Regisseur war überglücklich über die Auszeichnung und fühlte sich „wie vom Weihnachtsmann beschenkt.“

Der dänische Regisseur Søren Kragh-Jacobsen gehörte bei den Filmtagen schon mehrfach zu den Preisträgern. In diesem Jahr erhielt er den Kirchlichen Filmpreis Interfilm für „In der Stunde des Luchses“. Der Film nach einem Bühnenstück von Per Olov Endquist beschäftigt sich mit einem jungen Mann, der scheinbar grundlos ein altes Ehepaar ermordet hat. Im Gefängnis versucht eine Pastorin, Zu gang zu ihm zu bekommen.

Der Dokumentarfilmpreis der Lübecker Gewerkschaften ging an „Tödlicher Sommer — Norwegens Jugend und die Anschläge“ von Filmemacherin Kari Anne Moe aus Norwegen. Sie porträtiert vier Jugendliche, deren Leben sich durch den Anschlag auf der Insel Utøya im Sommer 2011 entscheidend verändert hat und lässt Johanne zu Wort kommen, die Anders Breivik damals Auge gegen Auge gegenüberstand. Auch eine deutsche Filmemacherin wurde ausgezeichnet: Der Cinestar-Preis für den besten Kurzfilm geht an Katja Adomeit für ihren Debütfilm „Little Night Hunter“.

Liliane Jolitz und Jürgen Feldhoff

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