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Seite Drei „Ein neuer Europa-Rekord der Lüge“
Nachrichten Seite Drei „Ein neuer Europa-Rekord der Lüge“
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20:23 22.06.2013
Verbandspräsident Rudolf Scharping.

Der Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke hat hämisch auf Jan Ullrichs Doping-Geständnis reagiert und wirft dem früheren Tour-deFrance Sieger vor, längst nicht die ganze Wahrheit zu sagen. „Das ist ein neuer Europa-Rekord der Lüge“, sagte der Heidelberger Molekularbiologe. „Er hat ja 2006 oder 2007 in vier Sprachen geschrieben, dass er Herrn Fuentes gar nicht kenne. Er hat damals vor Gericht eine Unterlassung gegen mich erwirkt, die ich erst nach viereinhalb Jahren umdrehen konnte.“

Dass Ullrich behauptet, keine anderen Dopingmittel als sein eigenes Blut verwendet zu haben, ist für Franke ein Witz. „Er hat germanisches Blut. Dazu gehört, geschichtliche Lügen fortzuführen, fortzuführen, weiter, weiter fortzuführen. Jetzt wird sehr zeitnah herauskommen, dass er auch mit verbotenen Substanzen gedopt hat. Er hat andere geschädigt“, sagte er. Jan Ullrich sei „nicht nur ein stiller Lügner, sondern er wollte, koste was es wolle, andere sehr aggressiv zum Schweigen bringen“. Das sei „eine besondere Frechheit“. Aber die größte Lüge komme immer noch von jenen, die Ullrich rechtlich vertreten hätten: „Das sind die größten Gauner, die haben ihn in die Lügen reingeritten.“

Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, zeigte sich enttäuscht. „Es ist zu wenig und viel zu spät“, sagte er. „Für ein wirklich glaubhaftes Geständnis hätte sich Jan Ullrich schon vor einigen Jahren umfassend erklären müssen. Diese Chance hat er verpasst, und selbst jetzt arbeitet er nach meinem Gefühl noch mit rhetorischen Winkelzügen.“ Ähnlich reagierte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper: „Er soll endlich aufhören, scheibchenweise vorzugehen, sondern er soll einen Schnitt machen. Es ist doch auch in seinem Interesse, den Schritt so zu gehen wie Lance Armstrong.

Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, erklärte: „Mit solch einem Geständnis hätte er sich und dem Radsport vor Jahren einen Gefallen getan. Aber mit dem heutigen Radsport hat das nichts mehr zu tun. Jetzt ist es nur noch die Wiederholung von längst Bekanntem zu einem viel zu späten Zeitpunkt, aber aus seinem Munde.“

Ullrichs langjähriger Profikollege, der aus Grevesmühlen stammende Jens Voigt, reagierte gelassen: „Die Ulle-Geschichte ist doch ein alter Hut. Oder hat man irgendetwas erfahren, was neu ist?“ Der deutsche Nachwuchsfahrer Paul Martens sah es ähnlich: „Es war ein offenes Geheimnis. Jeder, der es wollte, hätte es wissen können. Er war ja bekanntlich nicht der Einzige, der es so gemacht hatte.“

Auch Ullrichs ehemaligen Teamkollegen Rolf Aldag hat das Geständnis nicht beeindruckt. „Die Überraschung hält sich in Grenzen. Er hat bestätigt, was lange bewiesen ist“, sagte er. Der Ex-Radprofi gehörte zur Mannschaft von Team Telekom im Jahr 1997, die Ullrich zum Gewinn der Tour verholfen hatte. 2007 legte der 44-Jährige gemeinsam mit Erik Zabel eine öffentlichkeitswirksame Dopingbeichte ab.

Aldag hält Ullrich allerdings zugute, dass das Bekenntnis ein schwerer Schritt sei. „Ich bin damals einen anderen Weg gegangen, aber die Überwindung ist für Jan riesig, das kann ich sagen. Aber es ist die richtige Entscheidung. Am Sachverhalt an sich ändert es nichts, wir haben uns alle schuldig gemacht“, sagte der heutige Manager im belgischen Team Omega Pharma-Quick Step des deutschen Zeitfahr-Weltmeisters Tony Martin.

Zu Ullrich habe er seit dessen Tour-Ausschluss nach Bekanntwerden des Fuentes-Skandals in Straßburg im Jahr 2006 keinen Kontakt mehr gehabt. „Seit 2006 habe ich ihn nicht mehr gesehen. Ich habe ihn kein einziges Mal getroffen oder gesprochen.“

LN

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