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Seite Drei Eine glühende Liebe, die Wind und Wetter trotzt
Nachrichten Seite Drei Eine glühende Liebe, die Wind und Wetter trotzt
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18:15 09.07.2016

Die Arbeiterinnen der Tabakfabrik mögen sich „bei der Hitze“ gern frei machen – den Besuchern der „Carmen“-Premiere am Freitagabend auf der Freilichtbühne Eutin war eher nach regenfesten warmen Jacken, Decken und wasserdichten Sitzunterlagen zumute. Aber der leichte Regen zu Beginn verabschiedete sich zum Glück bald.

Verlorene Liebe: Micaëla (Peggy Steiner), Don José (Eduardo Aladrén). Quelle: Lutz Roeßler

Neben geeigneter Kleidung waren auch Französisch-Kenntnisse von Vorteil. Denn Obertitel gibt es bei dieser Freiluft-Inszenierung nicht. Um der Handlung folgen zu können, werden die Dialoge auf Deutsch gesprochen, was bei der internationalen Besetzung ein schönes Mischmasch der Akzente ergibt. Außerdem erzählt Sergeant Don José, der auf seine Hinrichtung wartend sich einem Pater offenbart, diesem von seiner Liebe zu der schönen und unbeugsamen Fabrikarbeiterin Carmen, die ihn zum Mörder werden lässt.

Festival-Intendantin Dominique Caron hat die Oper von George Bizet in Szene gesetzt. Sie präsentiert das 1875 uraufgeführte Werk in schwelgerischer Opulenz. Durch den Einsatz eines Kinderchors und drei weiteren Chören befindet sich meistens viel Personal auf der Bühne. Warm sind die Farben der Stadtlandschaft, die Ursula Wandaress entworfen hat: golden-erdfarbene Gebäude, die Wache, Tabakfabrik und Schmugglerkneipe beherbergen. Martina Feldmann, für die Kostüme verantwortlich, steckt die Fabrikarbeiterinnen in weiße Kleider, die so frisch und elegant wirken, dass sie an eine Hochzeitsgesellschaft erinnern, die farbenfrohen der Zigeunerinnen vervollkommnen das Fest fürs Auge.

Auch wenn der Regen bald nachließ, mussten die Sänger und Sängerinnen doch gegen heftigen Wind ansingen. Weitere Besonderheit der Open-Air-Situation: Als nach der Pause das Gelände links und rechts der Bühne einbezogen wird, die Schmuggler sich von dort nähern, nehmen auch etliche Pausen- Nachzügler diesen Weg. Heiterkeit im Publikum.

Aber diese Inszenierung bietet vieles, um widrige äußere Bedingungen wettzumachen. Milana Butaeva ist in der Rolle der Carmen wie schon vor drei Jahren stimmlich und darstellerisch ein Glücksfall.

Auch die anderen Rollen sind bestens besetzt: Eduardo Aladrén als verliebter Soldat José, Christoph Woo gibt als Escamillo einen Torero, wie er im Buche steht, Peggy Steiner ersingt sich die Sympathie des Publikums als ungekünstelte und etwas unscheinbare Micaëla.

Viel Beifall gab es auch für das frisch aufspielende Orchester und Dirigent Leo Siberski, der sich mit viel Körpereinsatz um Synchronisation zwischen Bühne und Orchester bemühte. Beglückt ging das Premierenpublikum hinaus in die nun trockene und windstille Nacht.

liz

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