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Elbaufwärts im Gegenwind

Lauenburg Elbaufwärts im Gegenwind

Das Hochwasser ist überstanden, die Idylle triumphiert: Eine Tour auf dem Elberadweg zwischen Geesthacht und Hitzacker.

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Zwischen Elbe und Sude, hinter Boizenburg: In regelmäßigen Abständen stehen am Elbe-Radweg Grenz-Wachtürme aus DDR-Zeiten.

Quelle: Fotos: Marcus Stöcklin, Fotolia

Lauenburg. Gleich neun Uhr — und immer noch kein Frühstück? Seit acht Uhr bin ich auf dem Elberadweg unterwegs: Ein Mann mit Schirmmütze, zwei Packtaschen und einem 25 Jahre alten Fahrrad. Im Bauch: Nichts.

Um acht Uhr war ich bei Sonnenschein in Geesthacht elbaufwärts gestartet; vorbei am Kraftwerk Krümmel, vorbei an Tesperhude. Dort hatte ich auf Kaffee und Brötchen gehofft, auf einer der einladenden Elb-Terrassen vielleicht. Doch weit gefehlt: „Hier ist alles dicht“, bedauert Peter Voß (46) vom Hotel-Restaurant „Elbblick“. Bei ihm gebe es zwar gerade Frühstück, das Büffet sei eröffnet, aber nicht für hungrige Radler. „Leider nur für Hotelgäste.“

Also weiter, durch den steigungsintensiven und leider recht schattigen Uferwald bis Lauenburg. Der Radweg führt über die Elbstraße, die im Juni, während des Hochwassers, noch überflutet war. Jetzt ist das Wasser wieder da, wo es hingehört, doch hinter geöffneten Haustüren wird noch gewerkelt, Lokale haben geschlossen. Die Saison sei für viele Kollegen ausgefallen, bestätigt Lisa Bethge (37) vom Weinrestaurant „Le Rufer“. Sie sei noch glimpflich davongekommen: Der Schaden sei überschaubar, der Hilfsfonds eine gute Sache. „Erst muss man selber zahlen, dann werden 80 Prozent erstattet“, hofft die Wirtin. Der Betrieb habe bei ihr gleich weitergehen können. „Unsere Küche war nicht betroffen und die Terrasse nutzbar.“

Pause am „Checkpoint Harry“

Ich bekomme Kaffee und ein Panini, genieße den Elbblick: Zwischen einzelnen Wolken schaut die Sonne hervor, der Fluss glänzt blau, wirkt still wie ein Teich. Gemächlich tuckernd zieht ein Dampfer vorbei.

Dann bin ich wieder auf dem Weg, doch leider falsch. Verwirrt durch eine Baustelle vor der Brücke am Ortsausgang gerate ich neben den Elbe-Lübeck-Kanal. Ein Angler weist mir freundlich den richtigen Weg. Er heißt Wolfgang Grube, ist 74 Jahre alt und angelt regelmäßig hier, erzählt er. Nur nach der Flut habe er vier Wochen Pause gemacht. „Ich wollte warten, bis die Wasserqualität wieder besser ist.“ Inzwischen beißen sie wieder an, die Karpfen, Zander, Hechte und Barsche.

Ich finde den „richtigen“ Radweg in Richtung Boizenburg — und bin enttäuscht: Er führt gar nicht an der Elbe entlang. „No jo“, beruhigt mich ein freundliches Radler-Ehepaar aus Thüringen. „Das kann man ja nicht überall erwarten.“ Schließlich lande ich vor den Toren der Stadt im „Checkpoint Harry“, ein ehemaliger Grenzposten, heute Restaurant. Dort steht Harald Strehlow (55) hinter dem Tresen.

1989 kam er auf die Idee, in dem leerstehenden Gebäude eine Gaststätte einzurichten. „Früher wurden hier die Leute kontrolliert, die ins Sperrgebiet wollten“, erklärt er. In dieser Zone lag das Dorf Vier.

Ab Boizenburg führt der Radweg dann wirklich auf dem Deich entlang. Leider verspüre ich jetzt auch deutlich Gegenwind. Doch der Ausblick entschädigt dafür: Rechts liegen die saftigen Elbwiesen, in denen vereinzelt Fischreiher und Störche staken. Links gibt es Bilderbuch-Dörfer mit behäbigen Bauernhäusern aus rotem Backstein, vor denen Linden, Apfel- oder Birnbäume stehen. Ab und an erinnert ein Grenz-Wachturm an die jüngere deutsche Geschichte.

Cafés und Ferienwohnungen mit Elbblick laden zum Verweilen ein. Bei kurzen Stopps ergeben sich Gespräche mit anderen Radwanderern. An der Fähre Neu Darchau begegne ich Klaus und Sibylle Heydorn (beide 69), die mit dem Wohnmobil am Fluss unterwegs sind und täglich Radtouren machen. Während wir uns unterhalten, rauschen Wildgänse laut rufend über uns hinweg. „Guck, da sind sie wieder“, stellt Sibylle Heydorn erfreut fest.

Weniger Touristen

Sichtbare Spuren des Hochwassers gibt es, abgesehen von vereinzelten Sandsäcken, nicht. Die Touristen aber seien trotzdem ausgeblieben, sagt Fährmann Lothar Jahnke (73), der mich zum anderen Ufer nach Hitzacker bringt. „Wir haben zwei Drittel weniger Fahrgäste als vor der Flut.“

Gabriele Kuczmierczyk (48) aus Berlin wundert das. Zwar habe sie in Lauenburg kein Hotelzimmer bekommen, aber ein privates. „Das war super.“ Und auf dem Radweg komme sie auch prima voran, überall freie Fahrt, schon seit dem Start in Hamburg. „Na, Gott sei Dank. Ich will schließlich noch bis zum Elbsandsteingebirge!“

Der Elberadweg
1200 Kilometer Radweg führen an der Elbe vom Riesengebirge bis Cuxhaven — oder umgekehrt. Auf einem großen Teil der Strecke gibt es sowohl rechtselbische als auch linkselbische Radwege.


Auf der Ostseite führt der Radweg weitgehend ohne Steigungen auf oder neben dem Deich entlang. Der ehemalige Kolonnenweg der DDR-Grenzposten wurde integriert. Die Strecke ist landschaftlich sehr reizvoll: Die Elbe zählt zu den letzten natürlichen Flusslandschaften Mitteleuropas. Weite Teile gehören zum Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. (www.elberadweg.de)

Marcus Stöcklin

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