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Elchtest für die Fregatte "Lübeck"

Wilhelmshaven Elchtest für die Fregatte "Lübeck"

Nach neun Monaten auf der Werft in Wilhelmshaven ist die "Lübeck" zu einer Probefahrt auf der Nordsee gestartet. Die LN waren bei rauer See mit an Bord.

Die Fregatte "Lübeck" war fast neun Monate in der Werft und wurde jetzt auf der Nordsee zwei Tage lang getestet.

Quelle: Felix König

Wilhelmshaven. Die See ist unruhig da draußen. Zwei Meter Wellenhöhe, Böen bis Windstärke acht. Hier, im Hafenbecken der Neuen-Jade- Werft in Wilhelmshaven (Niedersachsen) ist davon noch nichts zu spüren. Doch es ist ein grauer Morgen, rau und kalt.

Die Mannschaft der Fregatte „Lübeck“, die auslaufbereit in der Werft vor Anker liegt, ist auf dem Hubschrauberdeck angetreten. „Guten Morgen, Besatzung!“, ruft der Erste Offizier. „Guten Morgen, Herr Kapitän!“, tönt es zurück. Etwas dünn, aber der Offizier stört sich nicht daran. Er persönlich freue sich auf die Fahrt, verkündet er. Kein Wunder: Es ist die erste in diesem Jahr nach einer langen Liegezeit in der Werft – und bis Januar die letzte. Eine Testfahrt, sie dauert zwei Tage.

Fast neun Monate lag die Fregatte "Lübeck" in Wilhelmshaven in der Werft. Nun muss sich das Kriegsschiff beweisen und wird bei einer zweitägigen Testfahrt auf der Nordsee auf Herz und Nieren überprüft.

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Die Motoren laufen schon, und in der Offiziersmesse wird der Plan für die Erprobung erläutert. Der Kommandant, Fregattenkapitän Matthias Schmitt (41), bespricht mit dem Ersten Offizier, Jens Schaadt (40), ebenfalls Fregattenkapitän, den Sachstand. Vor ihnen stehen Kaffeebecher, die mit dem Lübecker Stadtwappen bedruckt sind. Und an der Wand der Messe hängt ein großes Schwarzweiß-Foto vom Holstentor.

Seit Februar schon war das Schiff im Dock, deutlich länger als geplant. „Man hat den einen oder anderen Deckel aufgemacht“, brummt Kapitänleutnant Stefan Pietrass (46), „und immer noch was gefunden.“

Schmitt nickt. Die dringend notwendige Instandsetzung der 1990 in Dienst gestellten „Lübeck“, habe einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet. „Wir haben ein nahezu neues Schiff.“

Dazu hat Schmitt eine zur Hälfte neue Besatzung, die erst noch ausgebildet werden muss. Wie der Zweite Decksmeister Pierre Stolpmann (35), der einzige Lübecker an Bord der „Lübeck“. Früher war er bei der Luftlandetruppe, dann im Lübecker Hafen beschäftigt. „2012 war dort für mich Schluss. Da hab ich mich wieder beim Bund beworben.“ Mit Erfolg. „Sie sind aus Lübeck, dann gehen sie auf die ,Lübeck‘“, habe der Einsatzplaner gesagt.

Alle sind guter Dinge. Die Fregatte hat abgelegt und „kreiselt“ im Hafen, gedreht von zwei Schleppern. „Der Kompass muss eingestellt werden“, begründet Schaadt.

Dann geht es endlich durch die Schleuse in die Jade. Richtung Nordsee, Kurs Helgoland. Aus den Lautsprechern dröhnt „Hells Bells“ von ACDC und Oberleutnant zur See Maik Klafack (36) grinst. „Das ist unsere Auslaufmusik. Seit Jahren schon.“

Auf der „Nock“, einem kleinen Stand draußen neben der Brücke, steht Signäler Lukas Graf (21) am Peilgerät. „Ist schon aufregend. Man weiß ja nicht, wie es abläuft“, kommentiert er die Testfahrt.

Unten wird die Küche in Betrieb genommen. Koch Christian Deusch (23) aus Freiburg rührt im Bohneneintopf. Auch er freut sich, dass es mal wieder raus geht. Dazu gehe man schließlich zur Marine: „Ich wollte die Welt sehen, einfach von zu Hause weg“, erzählt er. „Ich war schon in Dubai und Abu Dhabi, Italien . . . – war toll.“

Das Schiff schwankt inzwischen ziemlich. Brecher schleudern ihre Gischt über das Vordeck. Jetzt sollen die Maschinen getestet werden. „Volllastfahrt“, ordnet der Kommandant an. Im Maschinenraum beobachtet Hauptgefreiter Kevin Busche (21), einer der Techniker, die Motoren. „Wir wollen sehen, ob die das mitmachen.“ Die beiden Dieselaggregate mit je 5000 PS und die Gasturbine, die sogar 26 000 PS hat, ermöglichen der Fregatte eine Höchstgeschwindigkeit von gut 60 Stundenkilometern.

Noch sei ziemlich viel Qualm in den „Kapseln“, so Busche. „Die Dichtungen müssen sich erst noch setzen.“ Durch die Kapseln, eine Art Gehäuse, werde der Motor leiser. Wichtig für eine Fregatte, die für die U-Boot-Jagd gebaut ist.

Das Schiff jagt jetzt durch die hereinbrechende Nacht, irgendwo ist Helgoland. „Wenn wir in dem Tempo weiterfahren, sind wir in zehn Stunden in England“, bemerkt ein Unteroffizier. Bei Schiffsarzt Andreas Westerfeld (30) haben sich die ersten Matrosen seekrank gemeldet. Tabletten und Kaugummis werden verteilt.

In der Nacht nimmt der Wellengang zu. „A-rise, rise!“, tönt es um sieben Uhr schließlich aus den Lautsprechern. Rise, englisch für Aufstehen, ist der traditionelle Weckruf. Am Vortag wurde schon um 4.30 Uhr geweckt. Wer nachts Dienst hatte, legt sich nun auf den „Bock“, wie die „Gasten“, die Mannschaftsdienstgrade, ihre Koje nennen.

Die „Lübeck“ pflügt durch die See, Kurs Heimat. Doch für die Seekranken kommt es nun richtig dick. Die Ruderüberprüfung steht an, mit Neigungen von 30 Grad. „Ein Art Elchtest“, witzelt ein Offizier.

„Wir fahren Schlangenlinien.“ Das Schiff liegt nun sehr schräg und mit großem Getöse fallen in der Ofiziersmesse einige Bleche zu Boden. Ein Leutnant hebt eine Flasche auf: „Beim Sherry ist der Korken abgebrochen!“

Gegen Nachmittag trifft die „Lübeck“ im Marinearsenal Wilhelmshaven ein. Dort werden in den nächsten Wochen Bewaffnung und fehlende Geräte eingebaut. Bis Ende Januar wird noch getestet. Und danach geübt, wochenweise, auf See. „Im Sommer gehen wir in den Einsatz“, sagt Fregattenkapitän Schmitt. Wohin wird sich zeigen – spannend wird es bestimmt.

Gebaut für die U-Boot-Bekämpfung

Die Fregatte „Lübeck“ (F 214) wurde 1987 für eine Nutzungszeit von 15 Jahren konzipiert. 2022 soll sie außer Dienst gestellt werden. Sie ist mit verschiedenen Geschützen und Ortungssystemen ausgerüstet. Sie kann zwei Hubschrauber aufnehmen, die sie bei der U-BootBekämpfung unterstützen.

Am 3. Februar wird die „Lübeck“ zu einem Besuch in ihrer Patenstadt erwartet.

Marcus Stöcklin

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