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Frohe Ostern in Grube

Grube Frohe Ostern in Grube

Die langersehnte Sanierung kann in diesem Jahr beginnen – ein Besuch in einer der ältesten Kirchen des Nordens.

Grube. Heute früh um 5.30 Uhr haben sie sich schon am Strand in Dahme versammelt. Ein kleiner Altar und ein Kreuz wurden aufgebaut, Pastor Fuchs hat eine Andacht gehalten, dann haben sie zusammen gesungen in den Sonnenaufgang hinein. Um elf Uhr läuten dann die Kirchenglocken in der St. Jürgen-Kirche in Grube zum Ostergottesdienst. Pastor Fuchs predigt über Glaube, Hoffnung, Liebe, aber die Liebe ist die größte unter ihnen, und er stimmt die Nummer 100 im Gesangbuch an: Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit, denn unser Heil hat Gott bereit, Halleluja.

Der Pastor, so sagen sie im Dorf, ist „ein bisschen anders als die anderen“. Rüdiger Fuchs sagt: „Ich bin nicht so der klassische Pastor.“ In seinen Gottesdiensten wird geklatscht, gespielt, die Liedtexte werden an eine Leinwand projiziert, so dass jeder mitschmettern kann. Sein erstes Gebot: „Kirche ist für die Gemeinschaft da.“

Ein Mann mit klarem Blick und klarem Wort. 1963 in Hamburg geboren, als Kind, wie er sagt, durch viel Gewalt gegangen und mit 17 Jahren kurz davor, sich das Leben zu nehmen. Durch die Begegnung mit Christen aufgefangen, das Neue Testament gelesen, seitdem eine „Liebesbeziehung mit dem Meister“. Damals in Hamburg hat Rüdiger Fuchs seine Frau kennengelernt. Fünf Kinder, fünf Enkel, 20 Jahre lang Pastor in Lensahn und seit zwei Jahren in Grube, und wenn er im Ostergottesdienst von Glaube, Hoffnung, Liebe predigt, so sind dies für ihn existenzielle Erfahrungen. Doch die Botschaft von Aufbruch und Neubeginn hat in diesem Jahr eine besondere Bedeutung in der ostholsteinischen Gemeinde Grube.

Knapp 1000 Einwohner hat das Dorf im Achterland der Ostsee, die Kirche aus dem Jahr 1232 zählt zu den ältesten in Schleswig-Holstein und hat so manchen Sturm erlebt. Viermal ist der Turm eingestürzt und wurde immer wieder aufgebaut. Von außen sieht St. Jürgen zwar tipptopp aus, doch bei genauem Hinsehen klaffen wieder große Risse im Mauerwerk des Turmes. Das Fundament ist marode, und im historischen Dachstuhl aus Eichenholz hat sich Familie Holzwurm eingenistet. Auf 880 000 Euro beziffert Architekt Torsten Ewers die Sanierungskosten, da braucht es schon viel Glaube und Hoffnung, um optimistisch zu bleiben.

Mit diesem Sanierungsstau steht Grube nicht alleine da, viele Gotteshäuser im Norden sind marode. Manch Kirchgemeinde hat sich entschieden, ihre Problem-Bauten zu verkaufen. Das allerdings stand in Grube nie zur Debatte. „Wir stehen hinter der Kirche, das ganze Dorf lebt für die Kirche“, sagt Bürgermeister Volkert Stoldt (CDU). In der Kirchengemeinde gründete sich im vergangenen Jahr ein Förderverein. „Wir sind schon 45 Mitglieder und haben durch Beiträge, Aktionen und Spenden einige Mittel zusammen“, berichtet der Vorsitzende Hans Zühlke. Doch dass die Zeichen nun tatsächlich auf Aufbruch stehen, ist einem vorfristigen Ostergeschenk zu verdanken, das vor wenigen Tagen die Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn (SPD), Ingo Gädechens (CDU) und Kultusministerin Anke Spoorendonk (SSW) überbrachten: Aus dem Sonderfonds des Bundes für Denkmalschutz fließen 440 000 Euro in die Sanierung der Gruber Kirche. Und Propst Dirk Süssenbach brachte eine weitere frohe Botschaft: Vom ostholsteinischen Kirchenkreis kommen 308 000 Euro. Der Rest werde durch Spenden und Eigenmittel erbracht. Der Sanierung steht also nichts mehr im Wege, Halleluja.

„Am 9. September ist Deadline“, sagt Pastor Fuchs, dann findet die letzte Trauung statt, bevor Handwerker für ein Jahr im Gotteshaus die Regie übernehmen, die tulpenförmige Kanzel aus dem Jahr 1760, den barocken Taufengel von 1768, den spätgotischen Altar, die Logen und die Orgel aus dem Jahr 1859 einpacken, um sie vor Baustaub zu schützen. Die Kirche wird dann wieder für die nächsten Jahrhunderte flottgemacht. St. Jürgen, eine Landmarke im Ostholsteinischen, ein kulturhistorisches Denkmal.

Petra Haase

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