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Gefährdet oder gefährlich?

Lübeck/Bonn Gefährdet oder gefährlich?

Die steigenden Unfallzahlen von Senioren machen Verkehrsforschern zunehmend Sorgen. Aber wie lässt sich diesem Problem begegnen?

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Wer wie diese ältere Dame so am Steuer (hier eines Trabis) sitzt, sollte tatsächlich nicht mehr Auto fahren. Experten aber sagen: Das Alter allein ist für die Fahrtüchtigkeit nicht entscheidend.

Quelle: imago

Lübeck/Bonn. Junge Autofahrer verursachen noch immer die meisten Unfälle in Schleswig-Holstein. Während ihre Zahlen sich aber seit Jahren im Sinkflug befinden, gibt es bei Senioren einen gegenläufigen Trend: 2012 nahmen die Verkehrsunfälle mit Seniorenbeteiligung um 5,9 Prozent auf 2664 Unfälle zu. Bei einem Unfall trugen zudem Fahrer ab 65 in 66 Prozent der Fälle die Hauptschuld. Bei Fahrern über 75 Jahren waren sogar 76 Prozent der Unfallbeteiligten auch die Verursacher.
Wie damit umgehen? Führerscheinentzug ab einem bestimmten Lebensalter? Verbindliche Gesundheitschecks für Ältere, wie sie in einigen EU-Ländern üblich sind? Einfache Antworten auf eine Fragestellung, die viel komplexer ist, als es zunächst scheint.

Denn man könne nie von den „alten Verkehrsteilnehmern“ als Ganzes sprechen, betont Professor Georg Rudinger, Alters- und Mobilitätsforscher an der Uni Bonn. „Es gibt bei den älteren Fahrern allerdings eine klare Risikogruppe: die Wenigfahrer.“ Das habe eine Untersuchung aus den Niederlanden gezeigt: Vielfahrer ab 75, die pro Jahr zwischen 3000 und 14000 Kilometer mit ihrem Auto zurücklegten, verursachten – statistisch – fünf Unfälle pro einer Million Kilometer. 31- bis 64-Jährige mit einer ähnlichen Kilometerleistung schnitten mit sechs Unfällen sogar schlechter ab. Bei den alten Wenigfahrern (weniger als 3000 Kilometer im Jahr) stieg das Risiko aber signifikant: Sie erlitten 50 Unfälle pro einer Million Kilometer.

„Leistungseinschränkungen älterer Menschen spielen für deren Verkehrssicherheit zwar eine wesentliche Rolle“, stellt Rudinger klar. Sie wiesen aber nicht per se ein höheres Unfallrisiko auf. Denn die meisten älteren Fahrer würden aus eigenem Antrieb ihre Fahrweisen anpassen. Sie mieden zum Beispiel Fahrten zur Rush-Hour, bei Dunkelheit, lange Strecken und große, unübersichtliche Kreuzungen. Obligatorische Eignungsuntersuchungen für Fahrer ab 65 hält der Forscher deshalb für altersdiskriminierend. „Es fehlt dafür die wissenschaftliche Legitimation. Mit zunehmendem Alter gibt es immer größere Leistungsunterschiede zwischen Einzelpersonen.“

Das bestätigt Professor Dieter Lüttje, Geriatrie-Mediziner am Klinikum Osnabrück. „Altern ist etwas sehr Individuelles.“ Zwei 75-Jährige zum Beispiel könnten sich in ihrer körperlichen und geistigen Kraft fundamental voneinander unterscheiden. Aber auch für die ganz fitten Senioren gelte, dass Alter eben nicht gleich fortgesetzte Jugend sei. Bereits ab 50 Jahren setzten bei jedem Menschen Abbauprozesse ein. Und auch mit viel Fahrpraxis werde ein alter Autofahrer nie mehr über die gleichen körperlichen und kognitiven Fähigkeiten verfügen wie ein junger. Es gebe allerdings keine verlässlichen Daten, um eine potenzielle Fahruntüchtigkeit frühzeitig zu erkennen. Die Entscheidung, den Führerschein abzugeben, könne deshalb immer nur vom Einzelfall abhängen. „Und dazu sind die Hausärzte der Schlüssel“, betont der Mediziner. Sie müssten mit ihren Patienten solche Fragen beraten.

Dazu kommt es aber zumeist nicht. Laut einer Forsa-Umfrage aus dem vergangenen Jahr gaben lediglich vier Prozent der über 65-Jährigen an, von ihrem Arzt auf eine eventuelle Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit angesprochen worden zu sein. Immerhin zehn Prozent sagten, ihren Arzt selbst darauf angesprochen zu haben. „Verkehrsmedizin ist aber eine komplexe Angelegenheit“, räumt Lüttje ein. Einen Allgemeinmediziner könne das überfordern. Denn nicht nur der Gesundheitszustand, auch Wechselwirkungen von Medikamenten könnten die Sicherheit im Straßenverkehr beeinträchtigen. Es müsse deshalb standardisierte Tests geben, um eine eventuelle Fahruntüchtigkeit zu erkennen.

Die moderne Technik kommt Senioren zu Hilfe. Assistenzsysteme wie Kollisionswarner, Fußgängerkennung und automatische Spur- und Abstandshalter könnten vielen einen Gewinn an Verkehrssicherheit bringen, sagt Professor Mark Vollrath von der Technischen Universität Braunschweig. Allerdings hätten die auch Nachteile: „Besonders in komplexen Verkehrssituationen ist die visuelle Belastung sehr hoch. Weitere Warnungen durch solche Systeme könnten daher schädlich sein“, sagt Vollrath. Denn ältere Fahrer reagierten auf Ablenkung besonders empfindlich. Navigationssysteme, die den Autofahrer mit einer Vielzahl von Informationen bombardierten, bedeuteten daher auch ein erhöhtes Risiko für die betagten Fahrer.

Mehr noch als „Täter“ sind Senioren vor allem Opfer im Straßenverkehr. Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2011 etwa 50 Prozent der im Straßenverkehr getöteten Fußgänger über 65 Jahre alt, von den tödlichen verunglückten Radfahrern stellten Senioren mit 53 Prozent ebenfalls die größte Gruppe dar. „Mit abnehmender körperlicher Widerstandsfähigkeit nimmt auch das Risiko zu, bei einem Unfall schwer oder gar tödlich verletzt zu werden“, erklärt Professor Rudinger. Statistisch lasse sich auch belegen, dass bei von Senioren verursachten Autounfällen vor allem sie selbst zu Schaden kamen.

Verlosung: ADAC-Training

Exklusiv für die LN-Leser verlost der ADAC zehn Plätze für ein ganztägiges Fahrsicherheitstraining speziell für Senioren. Unter Anleitung eines erfahrenen Trainers lernen die Kursteilnehmer Fahrtechniken, mit denen sie Gefahrensituationen besser bewältigen können. Dazu gehört unter anderem das Ausweichen vor plötzlich auftauchenden Hindernissen und das Bremsen auf verschiedenen Straßenbelägen. Teilnehmer sollten mindestens 60 Jahre alt sein. Voraussetzung ist ein gültiger Pkw-Führerschein. Das Training findet statt am Montag, 29. Juli, auf der Fahrsicherheitsanlage in Kiel-Boksee von 9 bis ca. 16 Uhr.

So nehmen Sie teil: Schreiben Sie uns eine E-Mail, Stichwort „Fahrtraining“, an verlosungen@ln-luebeck.de oder senden Sie eine Postkarte an:

Lübecker Nachrichten GmbH
Redaktion Norddeutschland
Herrenholz 10-12
23556 Lübeck.

Bitte geben Sie unbedingt Ihren Namen, Adresse und Telefonnummer an. Einsendeschluss ist Sonnabend, 6. Juli.

Von Oliver Vogt

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