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„Ich dachte: Hoffentlich schafft er‘s übers Haus“

Bimöhlen „Ich dachte: Hoffentlich schafft er‘s übers Haus“

Anwohner in Bimöhlen sind geschockt über den Absturz des Hubschraubers der Bundespolizei nahe ihrer Siedlung. Gestern liefen die Bergungsarbeiten.

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Das Wrack des Hubschraubers der Bundespolizei wird am frühen Nachmittag von einem Bagger auf einen Tieflader gehoben. Fotos (4): Lutz Roeßler

Bimöhlen. Das Wrack des abgestürzten Hubschraubers liegt direkt am Ortseingang des kleinen Dorfes Bimöhlen (Kreis Segeberg), unweit der B 206. Es ist ein dunkelblauer Hubschrauber der Bundespolizei, der beim Aufprall auf den Ackerboden völlig zerschmettert worden ist. Die Enden der vier Rotorblätter sind zerfetzt. Überall liegen Wrackteile. Zwei der drei Insassen, alle Bundespolizisten, sind bei dem Unglück am Donnerstagabend umgekommen.

„Ich saß gerade vor dem Fernseher und guckte die Tageschau“, erinnert sich Bernd Spitzner (57), der einige hundert Meter von der Absturzstelle entfernt wohnt. „Da hörte ich es krachen. Als wäre ein Panzer wo reingeknallt.“

Die Hasenmoorer Straße, an der sich das Unglück ereignete, ist von Bäumen und Häusern gesäumt. Der Hubschrauber mag durch die Kronen der Bäume am Straßenrand aufs Feld gestürzt sein.

Das zumindest vermutet eine Anwohnerin (34), die den Helikopter noch über ihrem Haus beobachten konnte. „Ich war gerade rausgegangen, um eine Zigarette zu rauchen. Da hörte ich den Hubschrauber über mir. Es sah aus, als ob er irgendetwas sucht.“ Sehen konnte die Frau wenig. „Er hatte keine Beleuchtung, nur ein rotes Licht hinten.“ Der Hubschrauber habe sich nicht gut angehört. „Der Rotor lief irgendwie nicht rund, es war so eine Art Stottern. Ich dachte: Hoffentlich schafft er‘s noch übers Haus.“ Wenig Augenblicke später hört auch sie einen lauten Knall.

Der Hubschrauber ist auf der anderen Seite der Straße ins Feld gestürzt. „Nachbarn und andere Leute liefen da hin. Hinten auf dem Fußballplatz war gerade ein Spiel. Da war ein Rettungssanitäter dabei, der sich um die Opfer kümmerte.“ Ihre Nachbarin berichtete ihr, was sie am Wrack sah: „Da saßen zwei Männer drin, noch angeschnallt. Einer röchelte. Der andere hatte noch seinen Helm auf und bewegte sich nicht. Der Sanitäter versuchte seinen Puls zu fühlen, aber da war nichts mehr.“ Den dritten Mann, der im Wrack eingeklemmt ist, können die Helfer nicht sehen.

Lars Dettmann (37) von der Freiwilligen Feuerwehr Großenaspe trifft gegen 20.20 Uhr an der Absturzstelle ein. „Wir hatten mit den Kollegen aus Bad Bramstedt zusammen die traurige Aufgabe, die Leichen zu bergen.“ Es sind zwei Tote: Der 33-jährige Copilot und ein 42 Jahre alter Kollege. Während der eine Körper gut zugänglich ist, muss zur Bergung des zweiten erst das Hubschrauberwrack etwas angehoben werden. „Wir haben dafür einen Bagger angefordert, der einer Zimmerei im Ort gehört.“ So gelingt es den Rettern gegen 1.30 Uhr, den Leichnam aus dem Wrack zu holen.

Der schwer verletzte Pilot (31) wird bereits gegen 21 Uhr auf eine Trage gelegt und ins Krankenhaus gebracht, beobachtet Anwohnerin Antje Runge (67), die wohl 50 Meter von der Absturzstelle entfernt wohnt. „Die Rettungskräfte haben bei mir geklingelt. Sie brauchten Strom und Wasser. Auf meinem Hof haben sie ein Zelt aufgebaut.“ Sie ist traurig wegen der Opfer, aber auch erleichtert, dass der Hubschrauber nicht auf ihr Haus stürzte. „Wenn das passiert wäre, stünde ich jetzt nicht hier.“

Vermutlich hatte der Pilot zuletzt noch versucht, den abstürzenden Helikopter an den Häusern vorbei auf den Acker zu steuern.

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) besuchte gestern Mittag den Unglücksort. Er sagte, der Hubschrauber der Bundespolizei vom Typ Eurocopter EC 135, der zur Fliegerstaffel im nahen Fuhlendorf gehörte, sei im Rahmen einer gemeinsamen Übung mit dem SEK der Landespolizei geflogen. Offenbar wurde ein Einsatz gegen Einbrecherbanden simuliert. In der Gegend war in der letzten Zeit des öfteren eingebrochen worden.

„Meine Gedanken sind bei den Angehörigen und bei der ganzen Inspektion der Bundespolizei“, so der Minister sichtlich bewegt. Um Aussagen zur Unfallursache zu treffen, sei es aber noch zu früh. Er sei „sehr dankbar, dass es nicht zu einem Brand gekommen“ sei. In der Tat ging von dem Wrack gestern bei der Bergung noch immer ein starker Kerosingeruch aus. De Maizière lobte die Einsatzkräfte vor Ort , die „in all dem Unglück eine sehr gute Zusammenarbeit“ gezeigt hätten.

Fliegerstaffel Fuhlendorf: Lufteinsätze in ganz Norddeutschland

Der verunglückte Helikopter stammt von der Fliegerstaffel Fuhlendorf der Bundespolizei. 1963 wurde die Staffel gegründet, erster Standort war Hartenholm. Fünf Jahre später zog die Staffel nach Fuhlendorf bei Bad Bramstedt. Sie verfügt über 21 Hubschrauber, um die sich 35 Piloten und 15 Flugtechniker kümmern. Die Staffel fliegt Einsätze in den norddeutschen Bundesländern und über Nord- und Ostsee.

Eurocopter EC 135 ist die Typenbezeichnung des Unglücks-Hubschraubers. Der siebensitzige Mehrzweckhubschraubers wird für Verbindungs-, Beobachtungs- und Rettungsflüge genutzt. Er hat zwei Motoren von je 800 PS und fliegt 250 Stundenkilometer schnell. Seit 1996 lieferte der deutsch-französische Hersteller Airbus Helicopters 1200 zivile und militärische Versionen der Maschine in 60 Länder.

Tödliche Hubschrauberabstürze hat es schon mehrfach in Norddeutschland gegeben:

August 1996: Ein Polizeihubschrauber vom Typ „Libelle 3“ stürzt ins Neustädter Hafenbecken. Fünf Polizisten aus Hamburg sterben.

Dezember 2012: Ein „Eurocopter AS350“ startet in Lübeck in Richtung Schweden und verschwindet vom Radar. Nach einer Woche wird das Wrack vor Sierksdorf in der Ostsee gefunden, der norwegische Pilot und ein rumänischer Passagier sind tot.

März 2014: Vor dem Darß stürzt der Rettungshelikopter „Christoph Offshore 2“ bei einer Übung ab, drei Menschen sterben.

Marcus Stöcklin und Christian Spreer

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Kiel
Der Plenarsaal im Landtag von Schleswig-Holstein, aufgenommen am 17.12.2015 in Kiel (Schleswig-Holstein) während einer Landtagssitzung.

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