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„Jetzt ein Eis“: Die sorglose Beate Z.

München „Jetzt ein Eis“: Die sorglose Beate Z.

Mitangeklagte belasten die Terrorverdächtige bisher nicht so stark wie gedacht. Doch es gibt einen pikanten Brief.

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Fast immer gut drauf: Beate Zschäpe vor Gericht.

Quelle: dpa

München. So viel gute Laune: „Feierabend. Und jetzt ein schönes Eis“, schmachtet Beate Zschäpe ihre Verteidiger an. Die schmunzeln. Es wird gescherzt, gegrinst und viel zu laut geflüstert am Ende dieses zwölften Verhandlungstages im NSU-Prozess. Für das „Zschäpe-Team“ verlief der vergangene Mittwoch so wie viele Verhandlungstage: ziemlich entspannt.

Die Rolle der Hauptangeklagten hat sich seit Prozessbeginn bemerkenswert gewandelt. Zschäpe ist nach dem anfänglichen Hype um Kleidung, Mimik und Gestik nicht nur aus dem Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Sie ist auch durch die Mitangeklagten Holger G. und Carsten S. weit weniger belastet worden, als anzunehmen war. Er habe „die Frau Zschäpe höchstens zwei- oder dreimal gesehen“ und „vielleicht fünf oder sechs Sätze mit ihr gesprochen“ so S.

Mehr noch: S. entlastete Zschäpe. Als er Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt Anfang 2000 die spätere Mordwaffe in einem Chemnitzer Abbruchhaus zusteckte, hatte sich Zschäpe kurz vorher von der Gruppe verabschiedet. Als „die Uwes“ ihn in einen Sprengstoffanschlag in Nürnberg einweihten und Zschäpe sich näherte, zischten sie: „Psst, damit sie nichts mitbekommt.“

Nur zur Erinnerung: Beate Zschäpe ist wegen zehnfachen Mordes angeklagt. Sie gilt für die Bundesanwaltschaft als gleichberechtigtes Mitglied der Terror-Zelle, das die Taten mitplante. Nur: Das zu beweisen wird schwerer.

„Wir stützen uns auf zahlreiche Indizien. Wir sind nicht auf die Ausführungen von Carsten S. angewiesen“, gibt sich Bundesanwalt Herbert Diemer gelassen. Gemeint sind Fingerabdrücke auf Zeitungsartikeln über den Kölner Sprengstoffanschlag und den Mord an dem Ladenbetreiber Habil Kilic.

Doch es gibt noch diesen Brief. Geschrieben hat ihn Zschäpe in der Untersuchungshaft an einen inhaftierten Neonazi in Nordrhein-Westfalen. Sie ergeht sich in bemühten sexuellen Andeutungen. Doch bei aller Trivialität schimmert auch jene herrische und machtbewusste Persönlichkeit durch, die ihr die Bundesanwaltschaft unterstellt. So könnte eine Frau gestrickt sein, „die die Jungs im Griff“ hatte, wie es ein Zeuge beim BKA beschrieb.

Formulierungen könnten Codes aus der Neonazi-Szene enthalten. Auch rassistische Motive tauchen auf. Pikanter aber ist: Der Briefwechsel findet mit einem Robin S. statt. Der pflegt Kontakte in die Dortmunder Neonazi-Szene, die einst offen den Terror propagierte und nach dem NSU-Mord 2006 plötzlich stillhielt. Ein Zufall? Der Brief könnte eine These erhärten: Der NSU war größer als gedacht, die Verbindungen in die rechte Szene vielfältiger. Und die Sicherheitsbehörden hingen mit ihren V-Leuten tief mit drin.

Gedenkstein in Rostock
Der ermordete Mehmet Turgut soll in der Hansestadt Rostock einen Gedenkstein bekommen. Die Bürgerschaft der Hansestadt stimmte am Mittwoch folgender Inschrift zu: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. Im Gedenken an Mehmet Turgut, der hier am 25. Februar 2004 dem menschenverachtenden, rechtsextremistischen Terror einer bundesweiten Mordserie zum Opfer fiel“.


Der Text, dessen Formulierung lange Diskussionen vorausgingen, soll auch in türkischer Sprache zu lesen sein. Wie der Gedenksein konkret aussehen soll — das wird ein künstlerischer Wettbewerb entscheiden. Spätestens am 25. Februar 2014 — zum zehnten Jahrestag des Verbrechens — soll der Gedenkort fertiggestellt sein.

Patrick Tiede

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