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Seite Drei „Keine Handhabe gegen Drach“
Nachrichten Seite Drei „Keine Handhabe gegen Drach“
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20:21 21.10.2013
„Thomas Drach hat seine Strafe verbüßt.“ Martina Renz-Bünning, Strafverteidigerin
Lübeck

Warum Thomas Drach trotz Auflagen ins Ausland reisen darf, erklärt die Vizepräsidentin des Verbands deutscher Strafrechtsanwälte und Strafverteidiger, Martina Renz- Bünning.

LN: Warum gelten die Auflagen der Justiz nur in Deutschland?

Martina Renz-Bünning: Strafvollstreckung ist hoheitliches Recht. Wenn jemand ins Ausland geht, unterliegt er nicht mehr dem deutschen Rechtsgebiet.

LN: Warum darf jemand, für den hierzulande Auflagen gelten, ins Ausland reisen?

Renz-Bünning: Er hat die Strafe verbüßt. Da haben Sie keine Handhabe mehr.

LN: Es wird vermutet, dass er noch Lösegeld im Ausland versteckt hat. Ist es dann nicht absurd, dass er einfach so ausreisen kann?

Renz-Bünning: Das Lösegeld gehört ja nicht dem Staat, sondern Herrn Reemtsma. Wobei dieses Nichtauffinden des Lösegeldes beim Strafmaß berücksichtigt wurde.

LN: Hat die Familie Reemtsma eine Chance, das Geld wieder zu bekommen?

Renz-Bünning: Ich gehe davon aus, dass die Familie Reemtsma einen zivilrechtlichen „Titel“, das heißt einen rechtlichen Anspruch auf das Geld hat. Und den kann sie durchsetzen, auch im Ausland. Sobald Drach irgendwo mit Geld auftaucht, wäre das Opfer, das den Titel innehat, in der Lage zu sagen: Ist aber mein Geld.

LN: Bekäme jemand wie Drach ein Visum für eine Auslandsreise?

Renz-Bünning: Für ein Visum braucht er einen Pass. Den könnte die Behörde verweigern. Das nächste Problem ist, dass er ein Visum braucht zur Einreise. Das können die jeweiligen Länder verweigern. Mit einem Personalausweis — darauf hat er einen Anspruch — kann er sich nur bedingt bewegen, etwa in der EU.

LN: Darf die deutsche Polizei jemanden wie Drach im Ausland beobachten?

Renz-Bünning: Da habe ich meine Bedenken, er hat ja keine Straftat begangen.

LN

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