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Luther: Revolutionär aus Eisleben

Reformationstag Luther: Revolutionär aus Eisleben

Heute vor fast 500 Jahren hat Martin Luther seine Thesen an die Kirchentür genagelt. Wer war dieser Mann? Und wie war seine Zeit?

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Lübeck. Martin Luther ist 27, als er nach Rom reist. Er ist ein Priester, man schreibt das Jahr 1510, und es soll sein einziger Besuch im Ausland bleiben. So wie Immanuel Kant später vom engen Königsberg aus die philosophische Welt aus den Angeln hebt, tut es Luther von Deutschland aus mit der religiösen.

Kommentar: Wenn du was verändern willst, fang an!

Dabei ist das eigentlich gar nicht seine Absicht. Er will keine Revolution, jedenfalls keine, an deren Ende eine neue Kirche stehen würde. Er will die christliche römische Kirche nur wieder zu sich selbst führen. Und die 95 Thesen, die er heute vor fast 500 Jahren an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt haben soll (s. rechts), sind als ein Schritt dahin gedacht.

Interview mit Margot Käßmann

Luther tut das in einer Zeit und in einer Welt, in der einiger Aufbruch herrscht. Ein Seefahrer aus Genua wagt 1492 eine Fahrt über das westliche Meer. Immer wieder werden an Portugals Küste Dinge gespült, für die es keine Erklärung gibt: fremdartige Nadelbäume, seltsam verzierte Hölzer, eines Tages auch zwei Tote „mit breiten Gesichtern und überhaupt ganz anderem Aussehen als Christenmenschen“, so wird es notiert. Also macht sich Cristoph Columbus auf und entdeckt in Amerika eine neue Welt.

In Italien träumt in diesen Jahren ein Mann den Traum vom Fliegen und begibt sich auf die Suche nach dem Eigentlichen. „Anscheinend wohnt die Seele im Gehäuse des Verstandes“, schreibt Leonardo da Vinci, natürlich in Spiegelschrift. Er öffnet Leichen und zeichnet Anatomien des menschlichen Körpers wie niemand zuvor. Er malt mit der Mona Lisa ein Weltkulturerbe, und wenn in Nürnberg Albrecht Dürer etwa zur gleichen Zeit seine alte Mutter skizziert, mit all ihren Falten, mit all ihrer Gebrechlichkeit, dann sind sie Brüder im Geiste.

Es gibt einen neuen Blick auf den Einzelnen in den Werken dieser Männer. Die Renaissance hat den aufklärerischen Gedanken im Gepäck, es geht um Humanismus, um den Menschen. Und als Leonardo 1452 unehelich in der Toskana zur Welt kommt, macht sich in Mainz gerade ein Mann daran, dieser Menschwerdung eine ungeheure neue Basis zu schaffen.

Eine Bibel, gedruckt mit beweglichen Lettern, macht Johannes Gutenberg zum Steve Jobs und Bill Gates seiner Zeit. Drei Jahre brauchen fleißige Kopisten bisher, um die Heilige Schrift abzuschreiben.

Dank Gutenbergs Erfindung fließt Wissen jetzt wie Lava aus einem nie versiegenden Vulkan und ergießt sich in alle Winkel. Um die Wende zum 16. Jahrhundert gibt es bereits tausend Druckereien quer durch Europa und mehr als zehn Millionen mechanisch vervielfältigte Bücher.

Lübeck hat um diese Zeit etwa 20 000 Einwohner, es ist eine der Großstädte auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reichs. Und wie überall können nur wenige Menschen lesen und schreiben. Mit dem Buchdruck aber kommt auch die Alphabetisierung ins Rollen. Und Gutenberg druckt nicht nur Bibeln, sondern auch Ablassbriefe, jene Blätter also, mit denen der Sündenerlass gegen Geld organisiert wird.

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt“, heißt es von Johann Tetzel, dem Organisator dieses einträglichen Systems. Luthers Protest gegen den Missbrauch ist heftig. „Warum kann ein gottloser Mensch gegen Geld Sünden vergeben?“, heißt es in seiner 84. These.

Und Luther ist ja nicht allein. In der Schweiz gibt es Ulrich Zwingli, der bei allen Unterschieden doch in eine ähnliche Richtung denkt. Der Humanist Ulrich von Hutten ruft zum Kampf gegen Rom auf, und der radikale Priester Thomas Müntzer geht noch um einiges weiter.

Aber Luther wird zum Symbol der Erneuerung der Kirche, die tatsächlich in ihre Spaltung mündet. Der Bergmannssohn aus Eisleben, der Magister und Mönch, der sich unerschrocken und nur seinem Gott ergeben ins Leben stellt, entpuppt sich als einer der großen Revolutionäre. Er verändert mit seinen Gedanken die Welt, auch in Lübeck, wo der Rat 1530 die Einführung der Reformation akzeptiert (s. rechts). Nicht nur hier bedeutet das einen „Elitenwechsel“, so die Historikerin Luise Schorn-Schütte. Statt katholischer Priester bestimmen nun evangelische Pfarrer mit Familie das Bild, der Stadtrat übernimmt das „Kirchenregiment“.

Und Luther? Der Ketzer und vom Papst Exkommunizierte? Heiratet 1925 die kluge Katharina von Bora, mit der er sechs Kinder hat. Und als er 1546 stirbt, in Eisleben, wo er auch zur Welt gekommen ist, sind seine letzten geschriebenen Worte: „Wir sind Bettler — das ist wahr.“

Warum kann ein gottloser Mensch gegen Geld Sünden vergeben?“

Martin Luther

Peter Intelmann

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