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Manchmal geht es um Leben und Tod

Lübeck Manchmal geht es um Leben und Tod

Dennis Langhoff ist Feuerwehrmann. Trotz des Todes eines 31-jährigen Kollegen in Marne (Kreis Dithmarschen) vergangenen Sonntag ist er von seinem Job überzeugt.

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In diesem Schutzanzug überlebte ein Lübecker Feuerwehrmann eine Rauchgasexplosion im 9. Stock eines Hochhauses in Lübeck-Moisling.

Lübeck. Der Feuerwehrmann trug einen Schutzanzug, Atemmaske und Helm, als das Rauchgas plötzlich explodierte. Geistesgegenwärtig warf er sich auf die Frau, die er vom Balkon retten wollte, um sie zu schützen. Doch die Hitzewelle von fast 800 Grad ließ ihr keine Chance. „Aber der Kollege hat überlebt“, weiß Dennis Langhoff (34), Oberbrandmeister bei der Berufsfeuerwehr in Lübeck.

Er steht im Foyer des Feuerwehrgebäudes der Lübecker Wache 1 vor der Vitrine, in der der Anzug des Kollegen ausgestellt ist. Der Helm ist verschmort, braun angelaufen, die Maske teilweise geschmolzen. Auch der Anzug weist verkohlte Stellen auf. Er hat es trotzdem ausgehalten. Der Vorfall ereignete sich Mitte der 90er Jahre, im 9. Stock eines Hochhauses in Lübeck-Moisling.

Inzwischen ist die Ausrüstung noch besser geworden als damals. Und das Wissen darum hat etwas Beruhigendes für Dennis Langhoff und seine Familie, seine Frau und die drei Kinder. „Der Unfall in Marne vergangenen Sonntag macht uns bewusst, wie schnell es gehen kann.“

Der Berufsfeuerwehrmann vertraut auf seine Ausbildung und seine Schutzbekleidung. Auch er trägt ein Atemgerät, wenn er im Einsatz ist. Und einen „Totmannmelder“. „Der geht nach 30 Sekunden los und alarmiert die Kameraden draußen, falls man sich nicht mehr bewegt.“ Zu jedem Angriffstrupp, der in ein brennendes Gebäude geht, gehört ein Sicherungstrupp, der mit den Kollegen im Haus über Funk in Verbindung steht und sofort eingreift, wenn etwas schiefläuft.

In 60 Sekunden einsatzbereit

„Um einen Bewusstlosen oder Verletzten aus einem Haus zu bergen, haben wir auf allen Löschfahrzeugen auch ein Rettungspack“, so Langhoff. Es sieht aus wie eine orangefarbene Isomatte. Darauf wird die zu rettende Person festgeschnallt. Ein Atemluftflasche und eine Schutzmaske, über die die Luft zugeführt wird, gehören dazu.

Alle Berufsfeuerwehrleute sind nicht nur Brandbekämpfer, sondern auch ausgebildete Rettungskräfte. Dennis Langhoff ist zusätzlich Taucher. „Bei Dienstantritt bekommen wir täglich die Position zugewiesen, die wir besetzen sollen.“

Ist Alarm, müssen die Feuerwehrleute in 60 Sekunden fertig in den Fahrzeugen sitzen, die einsatzbereit in der Halle der Wache stehen. „Nachts haben wir 90 Sekunden Zeit.“

Die Fahrzeughalle ist zwei Etagen hoch, darüber befinden sich die Schlaf- und Gemeinschaftsräume des Bereitschaftsdienstes. 19 Leute gehören zu einer Schicht. Sie haben eine Küche, in der sie sich verpflegen, und Schlafräume. Um bei einer Alarmierung schnell genug nach unten zu kommen, stehen den Feuerwehrleuten fünf Rutsch-Stangen zur Verfügung. Die sind durch schmale Türen im Korridor zugänglich. Anfangs gehört ein wenig Mut dazu, aus der Tür zu treten und sich an die etwa sechs Meter lange Stange zu klammern. „Aber wir üben das regelmäßig“, sagt Langhoff.

Wirkliche Gefahrensituationen hat der Brandbekämpfer, der aus Reinfeld stammt und als gelernter Gas- und Wasserinstallateur begann, schon einige erlebt.

In der Lübecker Innenstadt ist die Sicht oft so schlecht, dass Langhoff und seine Kollegen schon beim Betreten eines brennenden Hauses kaum noch die Hand vor Augen sehen. „Da braucht man schon Bauchgefühl, um sich in der unbekannten Umgebung zurechtzufinden. Man muss tasten und ist viel auf den Knien unterwegs. Man orientiert sich an Geräuschen und seinem Wärmeempfinden, bis man den Brandherd endlich erreicht hat.“

Dennis Langhoff hat inzwischen viel Berufserfahrung. 1994 trat er in seiner Heimatstadt der Freiwilligen Feuerwehr bei, 2007 wurde er Berufsfeuerwehrmann. „Der Job hat mich immer fasziniert. Es war auch ein Kindheitstraum.“

Mit den Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr, die die gleiche Brandbekämpfungs-Ausbildung haben, arbeiten die Berufsfeuerwehrleute Hand in Hand. Langhoff: „Wenn alle von uns im Einsatz sind, kommt die Freiwillige Feuerwehr aus Lübeck-Vorwerk und besetzt unsere Wache mit.“

450 Mal schrillte die Alarmglocke im vorigen Jahr. „Manchmal passiert es drei, viermal am Tag, manchmal nur einmal. Das ist nicht vorhersehbar.“ Oft sind es Routineeinsätze, etwa der berühmte vergessene Kochtopf auf dem eingeschalteten Herd. Manchmal aber geht es tatsächlich um Leben und Tod.

Wenn Menschen nach schweren Autounfällen aus ihren Fahrzeugen geschnitten werden müssen, ist Langhoff bis heute oft erstaunt, „was für Kräfte da wirken.“ „Durch den Rettungsdienst sieht man, wie vergänglich das Leben ist. Da wird man vorsichtiger. Auch privat.“

Als Taucher suchte er voriges Jahr unter der Travemünder Seebrücke nach einem möglicherweise ertrunkenen Schwimmer. „Wir haben ihn nicht gefunden. Wahrscheinlich ein Fehlalarm.“

Der Respekt vor den oft unberechenbaren Flammen ist Dennis Langhoff in all den Jahren immer geblieben. „Man ist nicht feuerfest. Das wissen wir alle.“

Marcus Stöcklin

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