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18:13 23.04.2016
Peter Stender (l.) und Stefan Käselau arbeiten an einer Yamaha SR 500 von 1984, die zum Café-Racer umgebaut werden soll. Vorne rechts ist Stenders Norton zu sehen, dahinter sein Porsche Targa. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler

Erst will die Norton nicht so recht. Peter Stender (65), Ex-Bahnangestellter und Oldtimer-Fan, müht sich mit dem Kickstarter. Alles nicht so leicht: Zwei Vergaser müssen geflutet werden, den Choke nicht vergessen . . . Ratat. Rattatat. Und dann läuft sie. Der Auspuff-Sound der 70er, hart und blechern schlägt der Twin den Takt.

Die wichtigsten Begriffe

Twin: Englischer Ausdruck für ein Zweizylinder-Motorrad.

Pleuel: Verbindungsstange zwischen Kolben und Kurbelwelle.

Café-Racer: Ein zur Rennmaschine umgebautes Serienmotorrad. Solche Umbauten waren in den 1960er Jahren beliebt.

Oldtimer sind Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind.

Youngtimer sind Fahrzeuge, die über 20 Jahre alt sind.

Stender freut sich: „Es gibt nur einen Ton, das ist der Nor-Ton!“ 1989 konnte er die schwarze Norton Commando 750 Roadster erwerben. „Sie ist 46 Jahre alt“, erzählt er, „Baujahr 1970.“ Ein Freund hatte damals einen ganzen Container voll klassischer Motorräder aus den USA geholt. „Ich hab‘ mir die hier ausgesucht. Sie fuhr in Kalifornien und war äußerlich in gutem Zustand.“

Trotzdem musste der Hobbybastler den Motor ausbauen und teilweise zerlegen. Er ließ neue Ventile und Pleuellager einbauen, später auch den Tank neu lackieren. Jetzt läuft der britische Klassiker wieder wie eine Eins. 60 PS hat die Maschine, macht 190 Stundenkilometer Spitze. Stender fährt aber höchstens 170. „Etwa. Die Tachoangabe ist ja in Meilen.“ Norton, eine der großen, alten britischen Marken, sagt er, habe er immer schon toll gefunden.

Porsche Targa als Wertanlage

Was allerdings Autos angeht, träumte der Klassiker-Fan immer von einem Porsche Targa. Stender dreht sich um die eigene Achse. Da steht seiner nämlich: Baujahr 1970, wie die Norton, und in Orange — damals der letzte Schrei. 2,2 Liter-Motor mit 125 PS, 205 Stundenkilometer schnell, schwarze Ledersitze. Den Flitzer leistete sich der Bahnangestellte 1979. „Da kostete er als Gebrauchtwagen nur noch 9500 Mark.“ Ein echtes Schnäppchen, das jeden Cent lohnt, den Peter Stender im Laufe der Jahre hineingesteckt hat. Heute steht der Porsche da wie neu. Längst ist er eine echte Geldanlage geworden.

„Der Wert liegt heute kurz vor dem sechsstelligen Bereich“, sagt Georg Sewe (64), Präsident des Deutschen Automobil-Veteranen- Clubs (DAVC), Landesgruppe Ostsee. Auch Stender und 80 weitere Oldtimerfreunde aus der Region sind Mitglied. In der gemeinsamen Werkstatt in Lübeck trifft man sich zum Klönen und Basteln.

„Wir haben Freude daran, alte Autos am Leben zu halten und zurück auf die Straße zu holen“, erzählt Sewe. „So erhalten wir technisches Kulturgut. Dabei helfen wir uns gegenseitig.“

Peter Stender schraubt gerade mit dem Vereinskollegen Stefan Käselau (30) an seinem neuesten Projekt: einer Yamaha SR 500 aus dem Jahr 1984, die er zum Café-Racer (Erklärung siehe unten) umbauen will. „Die stand bei mir 20 Jahre im Keller. Jetzt habe ich Lust dazu.“

Die Liebe von Stefan Käselau, der von Beruf Krankenpfleger ist, gehört indes seinem weißen Golf 1 GLS von 1979. „Den habe ich 2012 von einer alten Dame gekauft“, berichtet er begeistert. „Die hat den gefahren bis zuletzt. Der Zustand war nicht so schlecht, aber ich habe alles in allem schon etwa drei Monate in meiner Freizeit daran gearbeitet. Mal alleine, mal mit Hilfe.“ Ein großes Problem:

„Diese Golfs der ersten Baureihe hatten keine Hohlraumkonservierung. Dadurch waren sie sehr rostanfällig. Der hier hat nur überlebt, weil er ein Garagenauto war.“ Er deutet auf die Motorhaube. „Nur 90000 Kilometer gelaufen.“ Stefan Käselau, der im Alltag einen Mercedes A-Klasse fährt, wollte anfangs nicht unbedingt einen Golf. „Ich hätte auch einen Käfer oder einen anderen Kleinwagen von VW genommen.“ Aber als er das Angebot in der Zeitung las, fuhr er hin und schlug zu. „Ich habe es nicht bereut.“

Verliebt in alte Citroëns

Wie Peter Stender ist Stefan Käselau kein Profi-Schrauber. Gerd Brüggemann (66) schon eher: Er ist ausgebildeter Flugzeugmechaniker. Und seit Jahrzehnten Citroën- Fan. „Ich fahre seit den 70er-Jahren DS.“ Derzeit restauriert er einen ID 20 von 1971, den er in den 90ern für 500 Mark gekauft und zu einem DS 23 Pallas umgebaut hat. „Damals stapelten sich DS auf den Schrottplätzen.“ Heute sind sie rar — und in gutem Zustand um die 10000 Euro wert.

Die Sitze seines Liebhaberobjekts hat Brüggemann ausgebaut, die Karosserie ist entrostet und neu grundiert. Im Motorraum sieht fast alles wie neu aus. „Aus zwei mach eins“, zwinkert der Citroën-Liebhaber. Er arbeitet schon einige Jahre an dem Wagen, er lässt sich Zeit. „Hauptsache es macht Freude.“

Draußen, auf dem Parkplatz, steht Brüggemanns aktueller Alltagswagen. Ein Citroën BX von 1993. „Den habe ich schon zehn Jahre. Damals habe ich nur 150 Euro bezahlt.“ Das Zeug zu einem gefragten Oldtimer hat dieses Modell inzwischen auch.

Georg Sewe zieht eine Plane von einem Wagen mit Holzrädern. Ein Stöwer von 1911. 16 PS, 65 Kilometer schnell. „Den haben wir schon auf einigen Club-Treffen gezeigt“, so der Vereinspräsident. In diesem Jahr aber bleibt er in der Garage. „Diesmal setzen wir den Schwerpunkt auf Youngtimer und japanische Motorräder der 60er und 70er.“ Honda, Kawasaki, Yamaha — auch schon Oldtimer. Wer hätte vor 40 Jahren daran gedacht?

Heute Oldtimer-Treffen in Lübeck-Blankensee

Die Landesgruppe Ostsee des DAVC (Deutscher Automobil-Veteranen-Club) gründete sich 1979. Die 82 Mitglieder pflegen 150 Autos, 30 Motorräder und einige Traktoren.

Heute von von 9 bis 16 Uhr findet das 29. Oldtimer-Treffen des DAVC mit Teilemarkt im Ausbildungspark Lübeck-Blankensee statt. Erwartet werden 5000 Besucher, über 1000 Old- und Youngtimer und 150 Teilehändler. Thema: Youngtimer und japanische Motorräder der 60er- und 70er-Jahre. Eintritt: 5 Euro (Kinder bis Zwölf und Oldtimerbesitzer frei).

Von Marcus Stöcklin

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