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Nicht ohne meinen Ehe-Partner!

Berlin Nicht ohne meinen Ehe-Partner!

Vom Rampenlicht werden sie meist nur gestreift: Gertrud Steinbrück und Joachim Sauer, die Ehegatten der Spitzenkandidaten.

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Gertrud Steinbrück ist erst vor ein Wochen pensioniert worden, bis dahin arbeitete sie als Lehrerin.

Berlin. Von allen Ankündigungen ist jenen aus dem Wahlkampf mit größter Vorsicht zu begegnen. Auf eine Vorhersage aber darf man getrost vertrauen: Gertrud Steinbrück würde es machen wie Joachim Sauer. Herr Sauer ist der Mann von Bundeskanzlerin Angela Merkel, und er hält sich an eine strenge Lebensregel: Meine Frau macht ihr Ding, ich meins und dazwischen haben wir ein Privatleben, das geht keinen was an. Für den Fall also, dass Peer Steinbrück nach dem 22. September Bundeskanzler wird, hat seine Frau Gertrud schon einen festen Vorsatz: Ich mach‘ das so wie Herr Sauer.

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Gertrud Steinbrück ist erst vor ein Wochen pensioniert worden, bis dahin arbeitete sie als Lehrerin.

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Man muss Gertrud Steinbrück zugutehalten, dass sie sich nicht von selbst mit dem Gedanken belastet hat, was denn sein könnte, wenn. Sie ist gefragt worden von einer Illustrierten und sie hat recht aufgeschlossen geantwortet. Sie ist auch gefragt worden, ob sie eher den Doris-Schröder-Köpf-Typ geben würde, dazu hat die promovierte Biologin dann doch nichts gesagt. Aber sie hat sich auch nicht so geäußert, wie Professor Sauer 2005, als die Medien ein wenig mehr von der Person erfahren wollten, die zwar nicht den Alltag, aber doch immerhin das Leben mit der — damals neuen — Bundeskanzlerin teilt. Da ist der Professor auf einmal aber sehr kurz angebunden gewesen: „Meine Person steht in keinem Verhältnis zu der politischen Arbeit von Angela Merkel. Deshalb bin ich für die Öffentlichkeit auch nicht interessant.“ An diese Absage hält sich der Mann.

Kanzlerinnen-Gatte

mit Nobelpreis-Qualität

Natürlich wissen wir einfachen Bürger einiges über den Mann an der Seite der Kanzlerin. Als Wissenschaftler soll er ziemlich gut sein. Immer mal wieder wird ein Kollege mit der erstaunlichen Bemerkung zitiert, wenn Sauer nicht zufällig der Ehemann der deutschen Bundeskanzlerin wäre, wäre der Nobelpreis schon mal möglich gewesen.

Zu Beginn der Kanzlerschaft seiner Frau muss der Wissenschaftler Sauer im persönlichen Umgang mit ihm unbekannten Leuten ziemlich wortkarg gewesen sein. Einer Dame, die am Pausentisch in Bayreuth mit ihm Konversation treiben wollte und ihn fragte, ob er nun an der Freien oder an der Humboldt- Universität arbeite, antwortete er nur mit: „Ja.“ Heute scheint er sich im Zwischenmenschlichen entkrampft zu haben. Von den Verkäuferinnen beim Hit-Markt im Regierungsviertel wird er als freundlicher Herr beschrieben, der sich freilich stets genau an den Einkaufszettel seiner Frau halte.

Sonderangebote ignoriert er, wenn sie nicht ausdrücklich auf der To-do-Liste stehen. Fragen nach seiner Frau wimmelt er höflich aber bestimmt ab. „Bringen Sie doch mal wieder ihre Frau mit“, spricht ihn die freundliche Bedienung in der Bäckerei des Kaufhauses Lafayette an. „Ach nein“, gibt er zurück, „hier sind ihr zu viele fremde Leute.“

Ein gemeinsamer Auftritt auf einer Parteiveranstaltung käme für Joachim Sauer und Angela Merkel nicht in Frage. Eine Situation wie jene im Juni dieses Jahres, als Peer Steinbrück bei einem Parteikonvent im Berliner Tempodrom nach einer Äußerung seiner Frau über die übermenschlichen Belastungen im Wahlkampf Tränen der Rührung in die Augen schossen, ist bei Kanzlers undenkbar. Zwar hat sich auch die Kanzlerin im Wahlkampf locker gemacht, hat private Anekdötchen in Talkshows eingestreut und verraten, wohin sie beim Manne ihre Blicke lenkt — es sind die Augen. Partnerschaftliches aber wird nur aus der Entfernung zugelassen, sei es als vermeintliche Paparazzi-Fotos der familiären Wandergruppe Sauer, Merkel und Anhang oder sei es über die Absperrung hinweg auf dem Grünen Hügel.

„Lenor-Frau“ ohne

Michelle-Obama-Attitüde

Gertrud Steinbrück ist just in jenem Moment ihrem Mann zur Seite gesprungen, als er noch überwiegend als Pannen-Peer im Spott- Licht einiger Medien stand. Als seine „Lenor-Frau“ hat sie sich selbst bezeichnet, weil „man ihm doch immer nachsagt, er sei so harsch, habe ich gedacht, ich kann ihn ein bisschen weichspülen. Er ist gar nicht so hart. Er hat seine kuscheligen Seiten.“ Das ist auch in jenen Tagen gewesen, als die Wahlkampfmanager der SPD das Gefühl verspürten, den augenscheinlichen Macho Steinbrück, der „mit Frauen nicht so kann“, wie man ihm nachsagt, in ein milderes Licht rücken zu müssen. So etwas wie Michelle Obama, die im vergangenen Jahr auf dem Parteitag der Demokraten in Charlotte (North Carolina) eine emotional gepuschte Lobesrede hielt, würde Gertrud Steinbrück machen, hat sie einmal gesagt, und die Vorstellung davon schon auf ihre rheinisch-verschmitzte Art gleich ironisch gebrochen: „Ich gebe keine Michelle Obama ab, sehe nicht so toll aus, bin nicht so schlau.“

Die üblichen Illustrierten-Interviews, denen man sich als Lebenspartner eines Spitzenpolitikers nur schwer entziehen kann, wenn man nicht gerade Urheber der Sauer- Merkel-Doktrin ist, hat Gertrud Steinbrück, allein oder gemeinsam mit ihrem Mann, dann aber doch gegeben. Auf diese Weise hat die Öffentlichkeit erfahren, dass beide recht schnell unter der Nase sind, wie man in Peers Heimatstadt Hamburg sagt. Die Frau des Kandidaten ist nicht auf den Mund gefallen, seine Schlagfertigkeit in Dialogen hat der Mann wohl nicht zuletzt zu Hause trainieren können.

Als ungewöhnlich darf man ihre schnelle und umfassende Reaktion betrachten, als ein verbitterter Nachbar ihrem Mann und ihr eine Putzfrauen-Affäre anhängen wollte. Gertrud Steinbrück sprang dazwischen, als gelte es, ein Junges zu schützen: Es war die Putzfrau ihrer inzwischen verstorbenen Mutter, die nur mal aushalf, und als die Frau kein steuerpflichtiges Arbeitsverhältnis wünschte, habe man sich schweren Herzens getrennt. Der Boulevard, schon wieder auf dem Sprung, dem Kandidaten am Zeug zu flicken, zuckte beeindruckt zurück.

So bewundernswert sich die Partnerhilfe nun darstellt, bei missgünstigen Zeitgenossen meldet sich schon wieder der Gedanke, ob sie als Modell taugt. Wenn Kanzler Steinbrück eines Tages politisch in schweres Wasser geraten sollte, kommt dann seine Gertrud über die Wellen gelaufen und gebietet ihnen Einhalt?

Sollten dem Kandidaten je Zweifel gekommen sein, weshalb er sich das alles antut angesichts der offensichtlich drückenden Überlegenheit des schweigsamen Duos auf der Gegenseite, dann kennt jeder die aufmunternden Worte, die ihm seine Frau zugerufen hätte: „Ich bin preußisch erzogen. Jetzt wird das Ding auch durchgezogen.“

Ehepartner mit Doktortiteln
Joachim Sauer wird 1949 im Kreis Hoyerswerda als Sohn eines Konditormeisters geboren. Mit 20 Jahren heiratet er eine Schulfreundin, sie bekommen zwei Jungen, Daniel und Adrian, die bei der Mutter bleiben, als die Ehe später auseinandergeht. 1998 heiratet er Angela Merkel. Da ist er 49, sie 44. Es ist für beide die zweite Ehe. Sie schließen sie fast heimlich. Zur Trauung laden sie weder Eltern noch Trauzeugen. Erst Tage darauf steht eine Annonce von der Größe einer Visitenkarte in der Zeitung: „Wir haben geheiratet.

In der DDR macht Sauer neben dem Abitur von 1963 bis 1967 eine Berufsausbildung in einem Braunkohlenkombinat, anschließend studiert er an der Berliner Humboldt-Universität Chemie (Diplom-Abschluss 1972). Bis zur Wende arbeitet er als wissenschaftlicher Assistent, promoviert 1974 und geht zur Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Adlershof. Außerdem arbeitet er ein Jahr lang in Prag. 1990 erhält er die Lehrbefähigung der Humboldt-Universität.

Nach der Wiedervereinigung geht Sauer für ein Jahr nach San Diego zu BYOSIM Technologics, für die er bis zum Jahr 2002 als Berater arbeitet. Bis 1996 leitet er zudem die die Arbeitsgruppe Quantenchemie der Max- Planck-Gesellschaft in Berlin, der der Humboldt-Universität angeschlossen ist.

1993 wird der Quantenchemiker und Physikochemiker zum ordentlichen Professor der Humboldt-Universität berufen, wo er heute eine Lehrstuhl für physikalische und theoretische Chemie innehat.

Gertrud Steinbrück (64), geboren in Sachsen-Anhalt, kommt als kleines Mädchen in den Westen, zunächst nach Lüdenscheid, dann nach Bonn. Sie promoviert in Biologie und arbeitet bis zu ihrer Pensionierung im Juli diesen Jahres als Lehrerin für Biologie und Politik an einem Gymnasium in Bad Godesberg.

Kennengelernt haben sich Peer und Gertrud Steinbrück 1973 auf einer Skihütte in der Eifel. Seit 37 Jahren sind sie verheiratet und haben drei erwachsene Kinder (zwei Töchter, ein Sohn).

Auch zu ihrer Zeit als „First Lady“ von Nordrhein-Westfalen (2002 bis 2005) arbeitet Gertrud Steinbrück als Lehrerin weiter, lediglich in den 90er Jahren, als Peer Steinbrück Staatssekretär und dann Minister in Kiel war, gibt sie ihren Beruf für einige Zeit auf.

Reinhard Urschel

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