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Nichts geht mehr!

Lübeck Nichts geht mehr!

Gesperrte Brücken, viele Baustellen: Lübecks Straßen sind verstopft – und das zur Weihnachtszeit. Nun hat die Stadt den Infoservice für Bürger eingestellt.

Stau in der Wallstraße - seit die Possehlbrücke nur einseitig befahrbar ist, stehen hier die Autos täglich.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Jetzt ist es passiert. Das, was nicht hätte passieren sollen. Eine Brücke zur Lübecker Altstadt gibt auf. Spontan. Ungeplant. Die Hubbrücke von 1900 ist gesperrt – seit fast vier Wochen. Und das bleibt auch so – bis zum 9. Dezember. Mindestens. Betroffen sind täglich 14 500 Wagen.

Die Hubbrücke bleibt mindestens bis zum 9. Dezember gesperrt

Die Hubbrücke bleibt mindestens bis zum 9. Dezember gesperrt

Quelle: Olaf Malzahn

Die Hubbrücke im Norden der Altstadt ist der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Denn mittlerweile stauen sich die Autos überall im Umkreis der Altstadtinsel. Und das kurz bevor in der Weihnachtsstadt des Nordens am Montag die ersten Märkte in der Altstadt öffnen.

Wo es rund um Lübeck eng wird

Auch in den Kreisen rund um Lübeck gibt es ärgerliche Staufallen. Die neueste ist Baustelle auf der  A1 zwischen Ahrensburg und Bargteheide (Kreis Stormarn), auf der die rechte Spur neu betoniert wird. Vor allem im Berufsverkehr wird es dort eng. Stark belastet sind täglich auch die Autobahn-Anschlussstellen Bargteheide, Stapelfeld und Ahrensburg, besonders morgens. Lange Staus gibt es täglich bei der Anschlussstelle Siek/Ahrensburg/Großhansdorf. Besonders morgens und abends kommt es sowohl auf dem Ostring als auch auf der Autobahn selbst zu langen Staus. Zwar wurde bereits die Verzögerungsspur auf der A 1 in Richtung Norden verlängert, das reicht aber nicht aus. Die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn kämpft bereits für eine Entschärfung der Situation. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr sieht allerdings keinen Handlungsbedarf. Torsten Conradt, Leiter des Landesbetriebes, beschrieb im Oktober die Marschroute des Landes - und die lautet: "Erhalt vor Aus- und Neubau".

Das größte Ärgernis für Autofahrer im Kreis Segeberg ist der Ortseingang Bad Segeberg ab dem Übergang von der A20 zur Bundesstraße 206 . Vor allem morgens staut sich dort der Verkehr in Richtung Westen, am Freitag Abend ist häufig Stillstand Richtung Osten.

Im Kreis Ostholstein nervt seit Jahren die Eutiner Straße in Neustadt. Tausende Fahrzeuge quälen sich täglich in Richtung Innenstadt. Schnell voran kommt man im Sommer nur nachts. Zu stockendem Verkehr kann es auf der A1 kommen. Zwischen Bad Schwartau und Sereetz werden Lärmschutzwände erneuert, die drei Fahrbahnen sind verengt.

„Es ist die reinste Katastrophe“, sagt Michael Weiß, Präses der Kaufmannschaft zu Lübeck. „Und ein ungünstiger Zeitpunkt für eine Weihnachtsfeier.“ Die IHK zu Lübeck warnt. „Wenn jetzt noch irgendwelche Blitz-Baustellen hinzukommen, wird es schwierig“, macht Vizechef Rüdiger Schacht klar. Denn die Possehlbrücke im Süden der Stadt ist bereits seit März 2015 halbseitig gesperrt.

Dauer-Baustelle Possehlbrücke

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Autofahrer können nur noch stadteinwärts fahren. Betroffen sind täglich 30500 Wagen. Dadurch staut sich der Verkehr in der Kronsforder Allee, am Berliner Platz, Mühlentorteller, Wallstraße – und sogar in der Moislinger Allee. Im Norden fällt neben der Hubbrücke auch immer wieder die Eric-Warburg-Brücke aus. Ohne Vorwarnung. Die Brücke klappt dann weder auf noch zu – und dann geht dort gar nichts mehr.

Im Norden fällt neben der Hubbrücke auch immer wieder die Eric-Warburg-Brücke aus.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Hinzu kommen Baustellen wie am Sandberg, die drei Wochen länger dauern. Und zudem gibt es immer wieder Spontanbaustellen. Jüngstes Beispiel: An der Hüxtertorallee wird plötzlich die Kreuzung aufgefräst und asphaltiert – mitten im Feierabendverkehr. Niemand weiß Bescheid darüber.

Immerhin: Die Stadt will alle kleinen Baustellen bis Montagmorgen fertig haben. Unumwunden gibt sie zu: „Durch die Possehlbrücke und auf den Umleitungsstrecken wird es auch weiterhin und über viele Stunden des Tages starke Beeinträchtigungen geben“, steht jedenfalls auf der Webesite. Und weiter: „In der bevorstehenden Adventszeit werden auch diese Auswirkungen spürbar ansteigen – sind aber unumgänglich.“ Punkt.

Kostenloser Weihnachtsshuttle

Es wird noch mehr Stau geben. Das wissen auch die Händler – und die Macher des Weihnachtsmarktes. „Na klar wird es eng in der Weihnachtsstadt des Nordens“, sagt Olivia Kempke, Chefin des Lübeck-Managements. „Ich gehe davon aus, dass sich die Autofahrer auf die verkehrliche Situation einstellen“, so Tourismus-Chef Christian Martin Lukas. Ihr Tipp: Umsteigen auf den Bus. Und vor allem: den kostenlosen Weihnachtsshuttle nutzen. Den Wagen abstellen auf den Parkplätzen bei der Lohmühle und bei Dräger und mit dem Bus in die Stadt. Das Angebot gibt es freitags (nur Lohmühle) und an den Adventssonnabenden. „Es gibt Beeinträchtigungen – aber keine großen“, versucht Holger Bock zu beruhigen, Chef der Schausteller. „Die Weihnachtszeit ist wichtig für die Händler“, ergänzt Monika Dürrer, Geschäftsführerin des Einzelhandelsverbands Nord. Sie rechnet mit 3,5 Prozent Plus beim Weihnachtsgeschäft. „Und dann setzt man den Geschäften Baustellen zu einem Zeitpunkt vor die Nase, wenn man sie am wenigsten braucht.“ Kommunikation sei in solchen Fällen das wichtigste.

Aber genau diese Kommunikation hat die Stadt komplett eingestellt. Erst ab Anfang 2017 soll es wieder ein Baustellen-Infosystem geben auf der Website der Stadt. So ist es dort notiert – seit dem 11. November. Wegen Langzeiterkrankung. Diese Begründung ist eine Woche später allerdings wieder gestrichen worden. „Das geht nicht“, macht Schacht klar. Weiß sagt: „In Sachen Baustellenmanagement muss noch einiges passieren.“ Man müsse einen Masterplan mit der Wirtschaft besprechen.

Extrem sauer reagieren die Kommunalpolitiker. „Das ist ein Skandal“, ärgert sich SPD-Fraktionschef Jan Lindenau. Die Baustellen-Infos einfach einzudampfen. „Das ist völlig absurd“. Gerade zu dem Zeitpunkt, da die Weihnachtsstadt des Nordens beginnt. „Das ist genau das, was nicht passieren darf“, sagt Lindenau. Die Stadt müsse Lübeck positiv nach außen vermarkten und Service für die Bürger bieten. Lindenau hat schon vor Monaten darauf gedrängt, dass alle Baustellen der Stadt zusammen auf einer Website der Hansestadt veröffentlicht werden. „Sind wir im Kabarett oder was?“, fragt Marcel Niewöhner kopfschüttelnd, Vormann der Bürger für Lübeck. „Dazu fällt mir gar nichts mehr ein“, sagt er zu der Notiz auf der städtischen Website. „Das Verkehrsnetz der Stadt ist sehr, sehr stark belastet, wenn irgendwo etwas passiert, bricht alles zusammen.“ Da müsse man den Bürger doch wenigstens informieren. „Lübeck versinkt im Stau – und gerade jetzt wird nicht online informiert“, sagt Grünen-Fraktionschefin Michelle Akyurt. „Das ist erbärmlich.“ Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) gelobt Besserung. Eine Stelle sei unbesetzt. „Wir versuchen, den Service ab Dezember wieder zu bieten.“

 Josephine von Zastrow

Nachgefragt bei Lübecks Bausenator Franz-PeterBoden

Lübeck steht im Stau: Wie lange noch?
Franz-Peter Boden (SPD): Ich stell' die Frage anders: Wo und wann steht man im Stau? Man kann sehr gut fahren in Lübeck ohne im Stau zu stehen – und das trotz temporärer Überlastung. In der Wallstraße braucht man zur Hauptverkehrszeit 15 bis 20 Minuten länger, weil die Possehlbrücke nur stadteinwärts zu befahren ist. Das wird auch bis 2018 bleiben.

Possehlbrücke, Sandberg - warum dauert das alles so lange?
Boden: In der Regel werden wir zeitig fertig oder sogar früher – wie zuletzt beim Koberg. Wenn es aber Probleme mit der Baufirma gibt oder andere Schwierigkeiten mit dem Baugrund auftreten, kann man den Planern keinen Vorwurf machen, zumal es sich oft um grundhafte Straßensanierungen handelt.

Warum wird gerade zur Vorweihnachtszeit so viel gebaut?
Boden: Noch sind wir nicht mal in der Adventszeit. Wenn wir es schaffen, die kleinen Baustellen, den Sandberg und Bahnhofsvorplatz bis dahin fertig zustellen, dann haben wir unsere Pflicht getan. Der Sandberg soll jetzt wieder auf allen Spuren befahrbar sein, der Bahnhofsvorplatz ist schon fertig, da gibt es noch Restarbeiten. Wir werden die Weihnachtsstadt des Nordens nicht zu sehr stören. Aber die Possehlbrücke und die Hubbrücke bleiben. Die Hubbrücke ist denkmalgeschützt. Die Kollegen des Wasser- und Schifffahrtsamts kann ich gut verstehen. Die müssen das Ersatzteil erst fertigen lassen.

Ihr Tipp: Wo fahren Sie entlang?
Boden: Ich fahre außerhalb der Hauptverkehrszeiten. Wenn ich aber dann dennoch mit dem Wagen durch die Stadt muss, plane ich in der Wallstraße 15 bis 20 Minuten länger ein.
Interview: J.v.Zastrow

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