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15:26 28.08.2016
Florian Gruber fährt am 27.08.2016 in Burgtiefe auf Fehmarn (Schleswig-Holstein) beim Kitesurf-Weltcup eines seiner drei Siegrennen in der neuen Disziplin Kitefoil. Quelle: dpa
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Fehmarn

Um 15.15 Uhr ist es endlich soweit: Die ersten 21 Kitesurfer starten beim „Pringles Kitesurf World Cup“ in das tiefblaue Wasser vor Burgtiefe auf Fehmarn. 150 Meter vom Ufer entfernt halten sie mit ihren bunten Drachen beinahe mühelos auf den Horizont zu, ihre Bretter schweben über der Wasseroberfläche, mit Geschwindigkeiten bis zu 50 Stundenkilometern drehen sie um die Bojen.

Nur wenige Stunden zuvor sah es gestern auf dem Wasser vor Burgtiefe noch anders aus: Nur müde flattern die bunten Fahnen um 10 Uhr vormittags an den Masten entlang der Strandpromenade, seichte Wellen durchziehen langsam das Wasser vor dem für Besucher abgesperrten Start-Bereich am Strand. Kein ideales Wetter, um mit Drachen den Höhenflug auf dem Wasser zu wagen. Wettkampfleiter Olaf van Tol (55), der für den Ablauf der Rennen zuständig ist, nimmt es trotzdem gelassen. Entspannt steht er am Eingang des Start-Bereichs, an dem um diese Zeite schon viele Besucher vorbeiströmen. Gerade musste er die für den Tag geplanten Rennen um zwei Stunden verschieben. „Wir haben momentan eine Windgeschwindigkeit von zwei Knoten“, sagt er. „wir müssen erstmal bis 12 Uhr warten, dann sehen wir weiter.“

Sechs Knoten Windgeschwindigkeit braucht es, damit die weltbesten Kiter der Race-Disziplin „Foil“, bei der Surfbretter mit verlängerten Steuerschwertern über das Wasser jagen, an den Start gehen können. Für die kunstvollen Sprünge der Freestyler, von denen am kommenden Sonntag auf Fehmarn der weltweit beste gekürt wird, braucht es noch höhere Windstärken.„Flauten kommen immer mal wieder vor“, sagt van Tol mit einem Lächeln, „mir ist es eigentlich lieber, wenn der Wind an den ersten Tagen auf sich warten lässt, als in den letzten Tagen, wenn die Finalrennen stattfinden.“

Bis Sonntag werden in Burgtiefe die besten Kitesurfer der Welt ihr Können zeigen. Der Worldcup ist die fünfte und letzte Regatta der Grand Slam Serie der Global Kitesports Association (GKA). Nach Stationen in Afrika, den USA, der Karibik und Frankreich wird das Finale dieses Jahr zum ersten Mal auf Fehmarn, und nicht wie die Jahre zuvor in St. Peter-Ording, ausgetragen. 150000 Besucher erwarten die Veranstalter in den kommenden Tagen.

Schon gestern, am ersten Wettkampftag, strömten tausende Wassersportbegeisterte nach Fehmarn. Die an diesem Vormittag verschobene Flug-Show trübt die gute Stimmung der meisten nicht: Bei paradiesischen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein flanieren Bikini-Schönheiten und braungebrannte Wassersportler über die Strandpromenade, Familien mit kleinen Kindern erkunden die Zeltstadt, die vom Veranstalter auf der Grünfläche neben der Therme „FehMare“ aufgebaut wurde.

Hier können Besucher sich kostenlos in Funsportarten, etwa dem Slacklinelaufen, ausprobieren. Im „Kitelife Village“, das direkt an die Wettkampfzone am Südstrand grenzt, präsentieren Hersteller zudem das neueste Equipment des Wassersports. Weiter draußen, im Wasser treibt ein aufblasbares Spielfeld für Stand-Up-Paddling-Polo. Es gibt ein Event Radio, das über das Wettkampfgeschehen, Gewinnspiele und Aktionen auf dem Laufenden hält. „Es ist einfach paradiesisch hier“, sagt Jana Skibowski. Die Hamburgerin beobachtet gerade das Treiben am Strand. „Ich bin für den Worldcup angereist“, sagt sie, „das Wetter ist ein absolutes Highlight.“

Einer, der den Trubel des größten Kitesurf-Events der Welt bereits kennt , ist Florian Gruber. Der 22-Jährige war bereits mehrere Male in St. Peter-Ording mit dabei, 2013 gewann er bei den Weltmeisterschaften im chinesischen Boao den Titel in der Disziplin „Race“ . Jetzt sitzt er entspannt im weißen Sand des Burger Strandes. Mit seinen braunen zerzausten Haaren, Cap und Sonnenbrille passt er perfekt in das Bild der Surfertypen, die auf ihren Boards dem Gefühl von Freiheit nachjagen.

Jetzt ist allerdings erst einmal Flaute angesagt. Gruber nutzt die Zeit, um am Strand die Seile seines Kites neu zu justieren und das Material für das Rennen zu prüfen. Gerade ist er dabei die Seile seiner „Bar“, dem Verbindungsstück zwischen Steuerungsleinen und Drachen, neu zu verknotet. Die Pause stört ihn nicht „Beim Worldcup findet man immer etwas, mit dem man sich die Zeit vertreiben kann – Stand-Up-Paddling zum Beispiel.“

Besucher können den Funsport, in der nur wenige Meter entfernten Badezone ausprobieren. „Außerdem trifft man auf dem Camping-Ground immer Leute, die man schon aus den Vorjahren kennt“, sagt Gruber.

Von der Premiere des Worldcups auf Fehmarn hat der braungebrannte Surfer bisher einen guten Eindruck: „Es ist alles sehr gut organisiert, das gesamte Eventgelände ist wirklich sehr schön.“ Trotz der momentanen Windflaute von nur zwei Knoten hält er sich bereit: „Das Wetter kann sich schnell ändern, ich glaube, ich werde heute noch da rausfahren.“

Und wirklich: Gegen 15 Uhr gibt Olaf van Tol endlich die Freigabe für das Foil-Rennen. Sechs Knoten sind erreicht. Eine Viertelstunde später gehen die ersten Kiter an den Start. Unter ihnen ist auch Florian Gruber. Er bestätigt seine Erfolge der letzten Jahre und gewinnt drei von vier Rennen.

 Katrin Diederichs

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