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So wird das Fernsehen der Zukunft

Berlin So wird das Fernsehen der Zukunft

Neue Technik, weniger Personal — doch auf Klassiker wie „Wetten, dass ..?“ braucht der Zuschauer trotzdem nicht zu verzichten. Sagen die Macher.

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Was guckst du? Das Fernsehen wird künftig enger mit dem Internet verknüpft.

Quelle: Fotos: dpa, Ullstein, Fotolia

Berlin. Die Deutschen konsumieren so viel Fernsehen wie noch nie — auf immer mehr unterschiedlichen Bildschirmen. Bricht durch die mobile Nutzung ein neues goldenes Zeitalter des Fernsehens an — oder sind die alten Giganten der Branche nur noch zahnlose Dinosaurier? Parallel zur Internationalen Funkausstellung in Berlin diskutieren gestern und heute 3000 Teilnehmer der Medienwoche über die Zukunft des Fernsehens.

Den Anfang machte gestern eine hochkarätig besetzte Runde, die sich auf eines einigen konnte: Vieles wird noch in zehn Jahren so sein wie heute. „Fernsehen bleibt Fernsehen“, so Dagmar Reim, Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg. Denn: „Große Erzgießer sind Kulturgut.“

Teenager von heute sehen kaum noch fern

Das allerdings sagten nun weder Reim noch ZDF-Intendant Thomas Bellut, der zweite Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen auf dem Podium. Der Satz kam von Microsoft-Manager Oliver Kaltner, der den klassischen Fernsehmachern ansonsten erst einmal Angst einjagte: Heutige Teenager „gucken praktisch kein Fernsehen mehr“. Jedenfalls bekäme man sie nicht am Sonntag zwischen 20.15 Uhr und 20.19 Uhr vor die Glotze. „Die entscheiden selber, wann sie den Mord im ,Tatort‘ sehen“ — laden sich Sendungen aus dem Netz herunter und schauen sie auf mobilen Endgeräten.

Reim war unbeirrt: „Es bleibt Fernsehen, auch wenn ich es zu anderer Zeit auf anderen Wegen sehe“. Bellut hingegen zeigte erste Zweifel: „Bei dieser Gruppe bin ich mir völlig unsicher, wie sie sich verhalten wird“. Bei anderen Altersklassen hat er es leichter: „Wir mögen unsere älteren Zuschauer“, sagte Bellut und verwies auf Statistiken, nach denen die über 50-Jährigen nicht nur 70 Prozent der Konsumenten des großen ZDF ausmachten, sondern auch zwei Drittel des Digitalkanals ZDF neo zu den Älteren gehörten. Neben den Spartenkanälen würde auch die Mediathek immer wichtiger: Die Satiresendung „heute show“ verzeichne dort 400 000 Abrufe pro Woche.

So gesehen haben die klassischen TV-Stationen keine Probleme mit der neuen digitalen Ära — zumindest, wenn sie gebührenfinanziert sind. David Liddiment aus dem Aufsichtsrat der britischen BBC sieht das genauso: „Es ist unser Auftrag, Qualitätsfernsehen zu liefern — dorthin, wo die Leute es sehen wollen“, sagte er.

Alle anderen aber müssen sich fragen, wo das Geschäftsmodell dabei liegt — das mahnte der Vertreter von Youtube auf dem Podium an, ein Mann mit dem zum Thema passenden Namen Matthew Glotzbach.

Fernsehen sei mehr als nur Content — für diesen aber sah Glotzbach „ein neues goldenes Zeitalter“ anbrechen. Das gelte auch für die Zusammenarbeit von Inhalte-Lieferanten und Geräteherstellern. Microsofts neue Xbox zum Beispiel wird als umfassende Entertainment-Station konzipiert sein — mit dem Fernseher als Abspielgerät.

Alle 20 Stunden werde in der Hauptstadtregion ein neues Unternehmen der digitalen Wirtschaft gegründet, hat die Investitionsbank Berlin errechnet. Die Supertanker des Gewerbes aber bauen ab: 300 Stellen habe das ZDF dieses Jahr bereits gestrichen, sagte Bellut.

Gemeinsamer Jugendkanal von ARD und ZDF?

„Der Abbau wird ein dauerhafter Zustand werden.“ Ausgebaut werden soll dennoch: Bellut warb für den gemeinsamen Jugendkanal von ZDF und ARD — allerdings unter Federführung des Ersten und seiner Radio-Jugendwellen. „Wir wollen in der digitalen Welt mehr gemeinsam machen“, antwortete Reim, ohne konkreter zu werden.

Das Fernsehen der Zukunft bleibt wie das alte. Auch „Wetten, dass ..?“ werde bleiben, sagte Bellut, die Show mit Markus Lanz werde allerdings runderneuert aus der Sommerpause kommen. Ob das dann das erhoffte Qualitäts-TV ist?

Jan Sternberg

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