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Steht die Annexion durch Russland bevor?

Lübeck Steht die Annexion durch Russland bevor?

Interview mit Prof. Katarzyna Stoklosa von der dänischen Universität in Sønderborg.

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Katarzyna Stoklosa.

Quelle: LN-Archiv

Lübeck. Lübecker Nachrichten: Empfinden sich die Menschen im Osten der Ukraine als Russen?

Katarzyna Stoklosa: Das kann man so einfach nicht sagen. Es stimmt nicht, dass die Russischsprachigen alle zu Russland gehören wollen und die Ukrainischsprachigen alle zur Ukraine. Tatsächlich wollen viele in der Ostukraine zu Russland gehören, weil sie sich bei Russland sicher fühlen. Die Europäische Union verlangt Reformen. Russland verspricht Schutz, ohne etwas zu verlangen.

LN: Schutz wovor?

Stoklosa: Schutz vor der Misere. Die Menschen denken, Russland biete wirtschaftliche Stärke, und im Vergleich zur Ukraine geht es Russland ja auch gut. Natürlich ist das eine Illusion. Wir wissen, dass Russland ohne sein Erdgas am Abgrund stehen würde.

LN: Das erinnert sehr an den Kalten Krieg.

Stoklosa: Ja, da gibt es Kontinuitäten. Ich habe mich mit den russischen Medien beschäftigt — pure Propaganda. Letzte Woche versuchten Rechtsextreme, das Parlament in Kiew zu stürmen. Davon gibt es ein paar Bilder, die im russischen Fernsehen endlos wiederholt werden. Nur solche Bilder werden gezeigt. Sogar bei russischen Studenten hier im Westen wirken diese Bilder oft stärker als unsere Aufklärung.

LN: Steckt Russland hinter dem Aufruhr im Osten?

Stoklosa: Jedenfalls indirekt. Putin will nicht als Aggressor dastehen, sondern als Held, der auf Hilferufe der russischen Bevölkerung reagiert.

LN: Steht die Annexion bevor?

Stoklosa: Das ist gut möglich. Putin betrachtet die Ukraine nicht als souveränen Staat. Er ignoriert die ukrainischen Politiker. Nicht der ganze Osten, aber bestimmte Teile der Grenzregion werden nach und nach an Russland gehen. Ich halte es für realistisch, dass es in einigen Regionen noch vor Mitte Mai ein Referendum geben wird. Es wird dann laufen wie im Fall der Krim:

Die westlichen Politiker werden sich mit dem Verlust abfinden und versuchen, das, was von der Ukraine übrig bleibt, überlebensfähig zu machen.  Hanno Kabel

LN

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