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Schattin Unfrieden im

Östlich des Ratzeburger Sees werden die südamerikanischen Laufvögel.

Schattin. Ein weißer Nandu! Es ist ein seltener Anblick, selbst hier, unweit vom Ostufer des Ratzeburger Sees. Nandu-Gebiet. Immer wieder sieht man die großen Laufvögel, die ursprünglich aus Südamerika stammen, hier auf den Feldern. „Aber so ein weißer ist selten. Ich weiß nur von zwei Exemplaren.“ In der Stimme von Naturschützer Thomas Neumann (70) klingt eine Spur Begeisterung mit. Dabei ist er eigentlich ein Nandu-Kritiker.

Erneut hebt er das Fernglas und blickt über die verkrauteten Wiesen vor dem Mechower Holz, einem Wäldchen nordöstlich von Ratzeburg. Am Waldrand hat sich ein kleiner Weiher gebildet, seitdem das Gebiet nicht mehr entwässert wird. „Das gehört hier jetzt alles zum Zweckverband Schaalsee-Landschaft“, stellt Neumann zufrieden fest. 4700 Hektar wurden insgesamt für das Naturschutz-Großprojekt angekauft. Länderübergreifend – auf dem Grenzgebiet zwischen dem holsteinischen Kreis Herzogtum Lauenburg und Nordwestmecklenburg.

Eine Idylle. Kraniche ziehen vorbei, ihr Ruf tönt hinunter zu Neumann, der, kurz abgelenkt, nach oben blickt. Der weiße Nandu entschwindet in das nahe Wäldchen, gefolgt von einer Gruppe grauer Weibchen. „Da sitzen sie also drin!“ Neumann ist nicht begeistert von dieser Entdeckung. „Die haben sich hier breit gemacht.“ Er schüttelt den Kopf. „Wir müssen schneller handeln, als ich gedacht habe.“

Neumann ist Naturschutzbeauftragter des Kreises Herzogtum Lauenburg, WWF-Mitglied und Mitbegründer des Zweckverbandes. „Auf den Wiesen sollten Rebhühner brüten und Feldlerchen, an dem kleinen Weiher Kraniche und Graugänse. Heimische Tiere, die in die Landschaft gehören.“ Ihnen wollten die Naturschützer einen Lebensraum geben. Stattdessen nun – überall Nandus. Neumann schnaubt. „Das ist hier ein Freilandzoo geworden.“

Die Kraniche und Rebhühner hätten keinen Bruterfolg mehr. Nicht einmal die Wildschweine wagten sich an die Nandus ran: „Diese Vögel sind äußerst wehrhaft.“ Besonders der Hahn, der das Nest mit 25 bis 30 Eiern bebrüte. Den solle man lieber nicht dabei stören, rät der Naturschützer. „Die können auch Menschen mit ihren Tritten schwer verletzen.“ Rund einen halben Zentner schwer werde so ein Nandu-Hahn. Um sich und seine Brut zu ernähren jage er, ähnlich wie der Storch, Frösche, Schlangen und andere kleine Wirbeltiere. Selbst Graugans-Küken, so wollen Fußgänger beobachtet haben, verschmähe ein hungriger Nandu nicht.

Ende der 90er Jahre waren die ersten Nandus aus einer Haltung in Groß Grönau ausgebrochen. Seither haben sie sich stark vermehrt. Neumann geht von rund 300 Tieren aus, die heute in dem Gebiet östlich des Ratzeburger Sees leben. 40 davon auf lauenburgischer Seite, der Großteil aber im Osten. „Die Mecklenburger sind schuld“, sagt Neumann. Die Regierung in Schwerin habe nichts unternommen, um das Anwachsen der Population zu stoppen. Dabei setze er sich als Kreis-Naturschutzbeauftragter seit Jahren dafür ein, den Nandu-Zuwachs durch das Einsammeln der Eier zu begrenzen. Nur: Das müsste erst genehmigt werden – denn die Nandus stehen unter Schutz.

Nicht nur den Naturschützern reicht es inzwischen. Auch die Bauern haben seit längerem genug von den Großvögeln. „Es nimmt überhand“, sagt auch Landwirt Uwe Tollgreve (58) aus Rieps (Nordwestmecklenburg). „Die Nandus sind ständig im Raps zugange.“ 120 Hektar hat Tollgreve angebaut, immer wieder beobachtet er Gruppen von 30 bis 40 Tieren, die die Pflanzen fressen. Und das seit Jahren. Schon 2011 bezifferte ein Landwirt aus Hornstorf (Nordwestmecklenburg) den Schaden eines Winters auf 30000 Euro.

„Das geht in die Hunderttausende“, bestätigt Petra Böttcher (48) vom Kreisbauernverband in Grevesmühlen. „Ganze Betriebe sind inzwischen in ihrer Existenz gefährdet.“ Es müsse endlich etwas geschehen: Die Nandus besiedelten mittlerweile ein Gebiet von rund 1000 Quadratkilometer Größe. Und für die Schäden komme niemand auf. „Die Wildschadensausgleichskasse bei uns zahlt nur für Schäden durch Schwarz-, Rot- und Damwild.“

Auch im Lauenburgischen rechnet Reinhard Jahnke (59) vom dortigen Kreisbauernverband mittelfristig mit größeren Schäden bei Raps und Rüben. Dort seien die Tiere schon in Bäk, Ziethen, Salem und Mustin gesichtet worden. Jahnke: „Eine Beschränkung des Bestandes ist das Mindeste.“ Am liebsten wäre ihm, die Nandus würden komplett verschwinden.

Bauern wie Tollgreve fordern ausdrücklich eine Ausnahmegenehmigung für die Bejagung der Nandus. „Die Eier findet man doch gar nicht“, ist er überzeugt.

„Beim Eier sammeln wünsche ich viel Spaß“, meint auch Thomas Böhm, Landwirt aus Schattin, der für die Jagdgenossenschaft spricht. „Das ist schwierig.“

Er begrüße alles, was dazu diene, den Bestand zu reduzieren. „Der Nandu gehört nicht hierher.“ Auch auf seinen Flächen hätten die Tiere sich schon ausgebreitet, so der Biobauer. „Eine leichte Einzäunung hilft nicht. Dünne Elektrozäune zerbeißen die.“

Das Ministerium in Schwerin, sagt auch Böhm, habe das Problem zu lange unterschätzt. „Es geht nicht mehr.“

Diese Woche erst kam es zu einem Treffen von Landwirten, den Bauernverbands-Chefs von Lauenburg und Nordwestmecklenburg, Jägern sowie einem Vertreter des Schweriner Landwirtschaftsministeriums. „Wir waren uns alle einig, das etwas passieren muss“, berichtet Bauernverbandschef Jahnke. „Man wird jetzt Maßnahmen ergreifen“, ist er überzeugt. Nur welche?

„Das Absammeln der Eier ist eine Option“, informiert Eva Klaußner-Ziebarth, die Sprecherin des

Marcus Stöcklin

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