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Von wegen Ferien! Sommerstress am Bau

Lübeck Von wegen Ferien! Sommerstress am Bau

Gerade jetzt in der Urlaubszeit haben Handwerksbetriebe im Norden alle Hände voll zu tun. Die Auftragsbücher sind voll – Fachkräfte aber knapp.

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Die Tischlergesellen Jens Hinzmann (33) und Michael Koop (56) von der Firma Otto Heick bauen in Grömitz ein Regal für die Garage – aus massiver Buche.

Wiesbaden. Wie war es doch vordem im Urlaub so bequem . . .

Die Branche in Zahlen

31500 Handwerksbetriebe mit 159000 Mitarbeitern gibt es im Land. 9300 Firmen arbeiten im Bereich Bau und Ausbau, 2900 im Bereich Holz, 8500 im Bereich Elektro/Metall.

Doch nicht für Kevin Raabe (24). Der Fliesenlegermeister von der Lübecker Fliesen-Verlege-Union (FVU) kniet auf dem Fußboden der Kindertagesstätte „Arche Noah“ in Stockelsdorf und verstreicht Fliesenkleber. „Wir verlegen hier Zehn auf Zehn“, erklärt er. „Minimosaik.“ Das sind die kleinen neuen Kacheln, die im Karton liegen, weiß und mausgrau, einfach und günstig. „Mausgrau für die Mäuse“, witzelt Raabes Kollege Karsten Hexel (45).

Ohne Humor geht’s nicht. Zumal jetzt in der Ferienzeit, wo viele Kollegen Urlaub machen – und doch gerade auf dem Bau so viel Arbeit ist wie selten. „Wir haben genau die Ferienwochen, um den Kindergarten schön zu machen“, sagt FVU-Chef Andreas Mellmann. „Die Kinder kommen ja wieder.“

Zehn Mitarbeiter hat die Firma, jeder wird gebraucht. Mellmann freut’s: „Die Auftragslage ist gut.“

So geht es den meisten Betrieben in der Region, bestätigt Innungsobermeister Carsten Groth. Seine Zimmerei ist ausgelastet und er spricht für alle 37 Zimmerer- und Hochbaubetriebe, die bei der Handwerkskammer Lübeck registriert sind. „Wir machen gerade Brandschutzsanierung in der Grund- und Gemeinschaftsschule Pönitz“, führt Groth aus. Auch in Lübeck habe seine Firma mehrere Baustellen.

Dass einige Kollegen in Urlaub seien, mache die Sache nicht leichter. „Viele haben schulpflichtige Kinder, darauf muss man Rücksicht nehmen.“ Hinzu komme der Fachkräftmangel. Um klarzukommen, arbeite er mit anderen Firmen zusammen: „Wir leihen uns Arbeitnehmer gegenseitig aus.“

Für Privatleute ist es teils noch schwerer, einen Handwerker zu bekommen. Neue Aufträge könne er kaum mehr annehmen, bedauert Groth. So geht es vielen Kollegen.

Philipp Witt von der IHK Schleswig-Holstein in Lübeck kennt das Problem. Schon seit Jahren boome gerade im Sommer das Baugewerbe. „Es bietet sich an, viele Sachen im Sommer zu machen.“

Torsten Stegemann, Inhaber des gleichnamigen Malereibetriebes kann da nur zustimmen: „Regen können wir nicht gebrauchen.“ In den trockenen Phasen wird fleißig gepinselt.

Stegemanns Geselle Thomas Bärschig steht auf dem Gerüst an der Fassade eines Häuserblocks in der Stralsunder Straße in Lübeck. „Der ganze Block wird außen neu gestrichen“, sagt Stegemann. „Das dauert fünf Wochen.“

Auch Wärmedämmung ist ein Thema, denn die trockene und warme Jahreszeit ist auch die beste, um alte Häuser zu isolieren und fit für den Winter zu machen. Die sechs Mitarbeiter der Firma Otto Heick sind dagegen überwiegend im Innenausbau beschäftigt. „Gerade erst haben wir beim Lübecker Theater neue Fenster eingesetzt“, berichtet Geselle Michael Koop (56). Außerdem werde im Lübecker Carl-Jacob-BurckhardtGymnasium gearbeitet. Er selbst ist jedoch mit seinem Kollegen Jens Hinzmann (33) jetzt in einem Privathaus in Grömitz beschäftigt. Während im Kindergarten „Arche Noah“ beim Material Sparsamkeit bewiesen wird, darf sich der Tischler hier im Ostseebad mit edlem Material entfalten: „Wir haben fast alle Möbel gebaut“, so Hinzmann stolz. „Alles massiv, auf Maß gearbeitet.“

Das fängt an beim Aufbewahrungsbord aus Buche für die Garage, setzt sich fort in der Garderobe, im Schlafzimmer und im Ankleideraum. Selbst die Abdeckungen zum Draufsetzen für den Heizungs- und Hauswirtschaftsraum sind aus Eiche. Im Wohnzimmer stehen handgefertigte Beistelltischchen vor dem Sofa, im Büroraum wurde ein Arbeitstisch an die schräge Wand angepasst. Auch die Türen stammen von der Hand des Meisterbetriebes.

„Tolle Ideen, tolles Design“, lobt die Hausherrin, die namentlich nicht genannt werden will. Selbst Möbel aus vornehmen Einrichtungshäusern hätten ihren Ansprüchen nicht genügt, plaudert sie und weist auf ein kleines Bord an der Wand. Auch das mussten die Tischler von Heick schließlich selbst anfertigen. Vier Leute sind auf dieser Baustelle abwechselnd beschäftigt. „Die nächsten vier Wochen braucht keiner anzurufen“, so Hinzmann.

Betongold durch eine gediegene Innenausstattung zusätzlich aufzuwerten liegt im Trend. Die Kunden wollen investieren, erklärt Obermeister Groth. „Geld ist gerade günstig.“

Das bestätigt Tim Brockmann, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Handwerk SchleswigHolstein e. V. in Kiel. „Das Geld ist vorhanden, es will ausgegeben werden.“ Neue Bäder, neue Küchen, all das sei gerade jetzt gut nachgefragt. „Die Stimmung ist gut“, fasst Brockmann zusammen. „Bei den Betrieben und bei den Kunden.“

Baugewerbe: Mehr Aufträge, weniger Arbeiter

Gute Zeiten für die Bauwirtschaft: Das effektive Arbeitsvolumen ist im Juni saisonbereinigt kräftig um 6,8 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, meldet die Sozialkasse Soka-Bau. Die Zahl der gewerblichen Arbeitnehmer sank allerdings weiter, und zwar um 1,2 Prozent. Die Bruttolohnsumme ging um 1,6 Prozent zurück.

Damit ist das Arbeitsvolumen auf den höchsten Wert seit Februar gestiegen. Im gesamten zweiten Quartal wurden die Arbeitsstunden gegenüber dem starken ersten Quartal aber zurückgefahren. Die verfügbaren Indikatoren deuten darauf hin, dass sich die Baukonjunktur in den kommenden Monaten positiv entwickelt. Die (volumenmäßigen) Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe sind im Mai um 3,5 Prozent gestiegen und haben damit das höchste Niveau seit 15 Jahren erreicht.

Grundsätzlich bleiben die Rahmenbedingungen günstig, insbesondere für den Wohnungsbau. Die Zinssätze für neu vergebene Hypothekenkredite haben im Juni erneut nachgegeben.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes erwarten für dieses Jahr einen Anstieg des Umsatzes im Bauhauptgewerbe um gut drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Marcus Stöcklin

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