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Seite Drei Vor 70 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende
Nachrichten Seite Drei Vor 70 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende
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15:16 16.02.2015
Soldaten der geschlagenen Wehrmacht im Mai 1945 auf der Holstenstraße – so endete der Zweite Weltkrieg in Lübeck. Die LN erinnern an die letzten Kriegsmonate in unserer Region – und rufen ihre Leser auf, mit Erinnerungen und Dokumenten das Bild zu vervollständigen. Quelle: Imperial War Museum
Lübeck

Die militärische Lage Deutschlands ist Anfang 1945 aussichtslos. Im Januar dringt die Rote Armee bis nach Ostpreußen vor. Schon Ende Januar steht sie 80 Kilometer vor Berlin. Ein riesiger Flüchtlingsstrom bewegt sich nach Westen. Im Februar beschließen die Alliierten in Jalta auf der Krim die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen. Doch die nationalsozialistische Propaganda hält am „Endsieg“ fest. Hitler verbietet jedes Zugeständnis an den Feind. Am 30. April nimmt er sich in Berlin das Leben. Bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 wird auf deutschem Boden erbittert gekämpft.

Mehr lesen: Zeitzeuge Konrad Koschny (85) aus Lübeck erzählt: Wehrertüchtigung im Chaos

LN-Aufruf: Zeitzeugen und Dokumente gesucht

Viele Geschichten aus den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges sind noch nicht erzählt. Wir wollen in der Zeit bis zum 8. Mai, dem 70. Jahrestag der Kapitulation, Menschen aus unserer Region zu Wort kommen lassen. Haben Sie Erinnerungen aus dieser Zeit? Haben Sie Dokumente, Aufzeichnungen, Fotos, die in Ihrer Familie überliefert worden sind? Wenn ja, würden wir uns freuen, wenn Sie sich bei uns melden. 

Am besten per E-Mail unter kriegsende@ln-luebeck.de.
Gern aber auch per Post an:
Lübecker Nachrichten 
Redaktion Blickpunkt 
23543 Lübeck 
Oder per Telefon unter: 0451/144-2414

„Lübecker Zeitung“, 23. Januar: „Die Kunde, dass der Erste Solocellist des Lübecker Städtischen Orchesters, Paul Preuß, am 19. Dezember im Alter von 35 Jahren an der Westfront den Heldentod gestorben ist, hat die Herzen vieler Lübecker mit aufrichtiger Trauer erfüllt.“

Mölln, 24. Januar: 40 zum „Volkssturm“ einberufene Männer und Jugendliche marschieren nach Ratzeburg. Sie glauben, sie würden nach Dänemark geschickt. Als beim Abschied ausgelassene Stimmung aufkommt, wird der Kommandeur laut: „Meine Herren, lachen Sie nicht! Es geht gegen Russland.“ Östlich der Oder geraten sie im Februar unter sowjetischen Beschuss und treten einen chaotischen Rückzug an. Acht der „Volkssturm“-Männer kommen nicht nach Mölln zurück.

„Lübecker Zeitung“, 4. Februar: „Ein Transport eigener Art wurde der Lübecker NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) gemeldet: 60 Säuglinge und ebenso viele Kleinkinder im Anrollen. Es waren die Insassen zweier Kinderheime aus dem Osten, die vorsichtshalber evakuiert worden sind.“

Reinfeld, 10. Februar (aus dem Tagebuch des Reinfelder Bürgermeisters und NS-Funktionärs Max Böhmker): „Wir werden von Flüchtlingen überschwemmt. Es mangelt an allem. Es fehlen die Quartiere, es fehlen Kohlen, Betten, Öfen und Herde, an Bekleidung für die Flüchtlinge usw. (...) Die Stimmung ist allgemein gedrückt und viele Menschen haben den Glauben an den Sieg verloren.“

„Lübecker Zeitung“, 14. Februar: „Am 6. Februar 1945 wurde der vom Sondergericht Schwerin zum Tode verurteilte Josef Molka aus Görslow hingerichtet. Er hat seit mindestens zwei Jahren deutschfeindliche Nachrichten eines ausländischen Senders abgehört und an Ausländer und Kriegsgefangene verbreitet.“

Lübeck, 26. Februar: Die Beigeordnetenversammlung (Senat) diskutiert ausgiebig, ob die Ergebnisse der neusten Hamburger Verwaltungsreform auf Lübeck übertragen werden sollten.

„Lübecker Zeitung“, 16. März: „Kreis Eutin. Alle Jugendlichen des Geburtsjahrganges 1929, auch die Rückgeführten (Flüchtlinge) aus den Ost- und Westgauen, müssen sich am 17. März bis 10 Uhr zu einer zweitägigen Sonderausbildung im Bannausbildungslager Klingberg (Bahnstation Gleschendorf) einfinden.“

Eutin, Mitte März: Die Stadt wird zur Festung erklärt. 13- bis 16-jährige Jungen und alte Männer errichten aus Baumstämmen und Steinen Panzersperren.

„Lübecker Zeitung“, 20. März: „Das Wirtschaftsamt Lübeck ordnet an, dass die Gasentnahme mit sofortiger Wirkung untersagt ist.“

Barmstedt (Kreis Segeberg), 25. März, Erinnerung von Heinz Starken (aufgezeichnet 2008): „Uns Stammführer hööl vörn an‘t Pult achter‘n groot Hakenkrüüzfahn de Reed. He harr den Gloven an den Führer un Endsieg noch nich upgeven. Nu wöör sik wiesen, dat de düütsch Jugend hart wie Kruppstahl weer. De Krieg kunn noch wunnen warrn (...), meen he luuthals. Aver dat nöhmen wi Jungs em in Stillen all nich mehr af — aver blots nix marken laten!“ (aus dem Heimatkundlichen Jahrbuch für den Kreis Segeberg)

„Lübecker Zeitung“, 25. März: „Kreis Eutin. Der Landrat weist darauf hin, dass auf dem Übungsgelände Stockelsdorf an folgenden Tagen Schießübungen von 7-12 Uhr und von 14-17.30 Uhr stattfinden: am 3., 9., 16., 23. und 30. April, am 7., 14., 21. und 28. Mai, am 4., 11., 18. und 25. Juni.“

Berlin, 20. April: Adolf Hitler weist seine Minister und Staatssekretäre an, sich in den Raum Eutin-Plön durchzuschlagen. Schleswig-Holstein ist zu dieser Zeit noch kampffrei. Eutin wird für einige Tage zum „Sitz der Reichsregierung“. Der von Hitler erwählte Nachfolger Karl Dönitz hält sich kurz in Eutin auf, bevor er nach Plön und dann nach Flensburg weiterzieht.

„Lübecker Zeitung“, 21. April: „Das oberste Gebot bei drohender Tieffliegergefahr heißt: Schnell, aber ruhig und besonnen Deckung nehmen!“

Lauenburg, 29. April, aus dem Tagebuch des pensionierten Lehrers Christian Boysen: „00.10 Uhr wurde ich unsanft geweckt. Flak- und Geschützdonner! Ich raus aus dem Bett und in den Keller (...) Es war mir klar: heute nacht gilt es, der Tommy will den Übergang über die Elbe erzwingen, nachdem unser Militär die gütliche Vereinbarung abgelehnt hat.“

Lübeck, 2. Mai: Die Briten marschieren ein. Lübeck kapituliert nicht. Die Truppen erwarten Widerstand, der aber ausbleibt. 42 Menschen sterben. Die Bevölkerung ist durch die Flüchtlinge seit der Jahreswende um 25000 gewachsen.

Neustadt, 3. Mai: Häftlinge des Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig werden von der SS auf Lastkähnen in der Neustädter Bucht zurückgelassen. Die Überlebenden gehen am frühen Morgen an Land, wo Einheimische und Marinesoldaten 300 von ihnen erschießen. Am Nachmittag versenken britische Bomber die Schiffe „Cap Arcona“ und „Thielbek“ in der Neustädter Bucht, die sie wegen fehlender Kennzeichnung für Truppentransporte halten. Tatsächlich aber sind sie überfüllt mit Häftlingen aus verschiedenen Konzentrationslagern. Mindestens 6400 von ihnen kommen ums Leben. Einiges spricht dafür, dass die SS vorhatte, die Schiffe selbst zu versenken. Hanno Kabel

LN

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