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Wetterfeste Feier von Oper und Operette

Eutin Wetterfeste Feier von Oper und Operette

Seit 65 Jahren gibt es die Eutiner Festspiele: Das Freiluft-Spektakel am See erfindet sich immer wieder neu.

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Eine glühende Liebe, die Wind und Wetter trotzt

Stimmungsvolle Kulisse: Bühne und Zuschauerränge am Großen Eutiner See.

Eutin. „Es gibt kein schlechtes Wetter.“ Ulrike Horstmann, die seit ein paar Monaten für die Außendarstellung der Eutiner Festspiele zuständig ist, bescheidet jeden, der fragt, ob wohl diese Festivalsaison mit milden Temperaturen und Trockenheit gesegnet sei, mit einer freundlichen Abfuhr. Viel entscheidender als die Wetterbedingungen seien „die wunderbaren und unglaublichen Momenten bei den verschiedenen Stimmungen“, die man am Großen Eutiner See erleben könne. Dem Flair der Naturbühne und der Open-Air-Aufführungen werde man mit der Frage nach Regen oder Sturm nicht gerecht.

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Seit 65 Jahren gibt es die Eutiner Festspiele: Das Freiluft-Spektakel am See erfindet sich immer wieder neu.

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Magische Momente in Regen und Sturm

Recht hat sie. Man kann bei Opernabenden im Schlossgarten magische Momente erleben. Zum Beispiel 2011, bei der Premiere von Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“, das die Regie zwischen Graffiti-Wänden und Mülltonnen ansiedelte. Als sich der Himmel über den beiden Kindern öffnete, wurde mehr als deutlich: Die Eltern hatten die beiden im Regen stehen lassen.

Den Menschen, die beim Besuch in der Arena ängstlich zum Himmel schauen, sei also gesagt: Es gibt in Eutin bei jedem Wetter starke Bilder. Gerade jetzt, wenn Bühne und Zuschauerränge von der Landesgartenschau umzingelt sind. Und generell: Ein Open-Air-Festival ist in unseren Breiten nichts für Besucher aus Zuckerguss.

An ein Festival hatte vor 65 Jahren in Eutin noch niemand gedacht. Zwei Vorstellungen sollten es werden, damals, im Sommer 1951. Eutin beging den 125. Todestag von Carl Maria von Weber, der 1786 in der ostholsteinischen Stadt geboren wurde. Eutin war nur eine kurze Durchgangsstation der Eltern, Vater Franz Anton von Weber war ein unsteter Hofkapellmeister. Doch Eutin sonnte sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts im Ruhm des „Freischütz“- Komponisten, 1890 weihte die heimische Weber-Gesellschaft den Weber-Hain samt Weber-Denkmal des Bad Schwartauer Bildhauers Paul Peterich ein.

1951 also wollte Musikdirektor Andreas Hofmeier Webers „Freischütz“ am Ufer des Großen Eutiner Sees aufführen. Der Zuspruch war gewaltig: Aus den geplanten zwei Vorstellungen wurden neun. Das war der Beginn der Eutiner Sommerspiele, die 2000 in Eutiner Festspiele umbenannt wurden.

Schon im ersten Jahr achtete man auf Qualität. Die Rolle der Förstertochter Agathe wurde der Kammersängerin Tresi Rudolph von der Staatsoper Berlin anvertraut. Ihr zur Seite standen namhafte Sänger von der Hamburger Staatsoper oder den Bühnen Münster.

Was klein begann, wuchs immer schneller heran. Lange Jahre war Siegfried Grote Intendant am „Grünen Hügel“, wirtschaftlich war seine Intendanz die erfolgreichste Zeit der Festspiele. „Der Freischütz“

ist zwar nach wie vor mit 41 Inszenierungen das am häufigsten gespielte Werk. Aber es kamen zu der romantischen Schauer-Oper auch Klassiker wie Beethovens „Fidelio“ und Publikumsrenner wie die berühmtesten Opern von Giuseppe Verdi auf den Spielplan. Wahrend viele Stadttheater sich der Operette verschlossen, bot Eutin auch der leichten Muse über viele Jahre hinweg eine Zuflucht.

Nach der Insolvenz wieder in der Spur

Die Eutiner Sommeroper war lange Zeit konkurrenzlos. Oft war es Glücksache, überhaupt noch eine Karte zu bekommen. Aber ab den späten 1980er Jahren wuchs das Schleswig-Holstein Musik Festival immer schneller, in Schwerin und Kiel wurden ebenfalls sommerliche Opern-Aufführungen angesetzt. Eutin bekam Probleme.

Nach dem Abgang von Siegfried Grote 2004 begann sich das Personalkarussell zu drehen. Ein Intendant und ein Aufsichtsratsvorsitzender folgte auf den nächsten, immer weniger Besucher fanden den Weg zur Freiluftbühne. Im Herbst 2010 mussten die Opernfestspiele Insolvenz anmelden. Im Februar 2011 wurde dann die Neue Eutiner Festspiele gGmbH gegründet. In diesem Jahr kursierte auch eine anonyme Schmähschrift in Eutin, in der die auf Grote gefolgten Verantwortlichen auf die Hörner genommen wurden. Als „Scharlatan“ und „Phlegmatiker“ ließ der Anonymus den früheren Geschäftsführer Kai Luft und den Ex-Intendanten Heinz-Dieter Sense erscheinen, die eine neue Rechenweise aufmachten: „Leicht kommen sie auf 100 Prozent. Man muss die Prozente nur addieren!“

Seit 2012 ist die Französin Dominique Caron Intendantin, unter ihrer Leitung hat das Open-Air-Spektakel wieder in die Spur gefunden. Zwar kalkulieren die Intendantin und ihre Geschäftsführerin Sabine Kuhnert nicht mehr wie in den alten Zeiten mit Auslastungsquoten von über 90 Prozent, die 60 Prozent verkaufter Karten, mit denen sie auch in dieser Saison rechnet, sind realistischer. Was der künstlerischen Qualität der Festspiele keinen Abbruch tut. Immer noch kann man in Eutin musikalisches Sommertheater erster Güte erleben.

Und die Sängerinnen und Sänger, die Dirigenten und Orchestermusiker lassen sich gerne zum Engagement in Eutin verführen. Die Mezzosopranistin Milana Butaeva, die in diesem Jahr die Rolle der Carmen in Bizets gleichnamiger Oper singt, versichert: „Hier ist es sehr familiär, man wird beachtet, geliebt, auch von den Zuschauern. Ich glaube, dass ich in Eutin schon ein Stammpublikum habe. In der Stadt sprechen mich immer wieder Menschen an.“

Die Zukunft der Festspiele scheint gesichert. Für die kommende Saison wird „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni und „Der Bajazzo“ von Ruggero Leoncavallo als Doppelpremiere angekündigt. Dazu die Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss. Auch das Gelände rund um die Opernscheune soll dann Teil der Inszenierung werden, etwa bei einem Maskenball zur Operettenpremiere. Das Festival erfindet sich immer wieder neu.

 Jürgen Feldhoff und Michael Berger

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