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Barbara Kisseler mit 67 Jahren gestorben

Hamburger Kultursenatorin Barbara Kisseler mit 67 Jahren gestorben

Eine Oper von Donizetti begeisterte Barbara Kisseler früh für die Kultur. Vom Rheinland wechselte sie nach Hannover, Berlin und an die Spitze der Hamburger Kultur. Jetzt ist die Kultur-Powerfrau im Alter von 67 Jahren nach schwerer Krankheit in Hamburg gestorben.

Hamburg. Ihr Name war weit über die Grenzen der Hansestadt bekannt: Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) galt als charmant, zielstrebig und durchsetzungsstark.

Nicht zuletzt das Millionenprojekt Elbphilharmonie hatte die elegante Powerfrau mit der grauen Kurzhaarfrisur mit Bravour zu einem glücklichen Ende geführt. Bei der langersehnten Eröffnung des Konzerthauses am 11. Januar 2017 nach knapp zehn Jahren Bauzeit wird Kisseler nun nicht mehr dabei sein können - die Kultursenatorin starb am Freitag im Alter von 67 Jahren nach schwerer Krankheit.

„Die Freie und Hansestadt Hamburg und mit ihr die ganze Bundesrepublik verlieren eine herausragende Anwältin der Kultur“, sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am Montag in Hamburg. Barbara Kisseler habe mit Leidenschaft und Esprit Spuren hinterlassen und Orientierungsmarken gesetzt, die nachwirken werden. „Alle, die mit ihr zu tun hatten, werden ihren Intellekt, ihre Zugewandtheit und ihren Humor vermissen. Wie gerne hätten wir im nächsten Jahr gemeinsam erst die Elbphilharmonie und dann das Festival 'Theater der Welt' eröffnet (…) Sie wird fehlen. Die Kulturstadt Hamburg trauert.“

Zuletzt war die Politikerin bundesweit in Erscheinung getreten, als sie im Sommer 2015 an die Spitze des Deutschen Bühnenvereins gewählt wurde - als erste Frau in der mehr als 150 Jahre langen Geschichte des Vereins. Nach ihrer Wahl sagte sie: „Die Theater in Deutschland stoßen Debatten an, spiegeln gesellschaftliche Realitäten, geben Orientierung und sind damit wichtige Orte des gesellschaftlichen Diskurses.“ Kulturpolitik bedeutete für die temperamentvolle Politikerin auch, den „Eigensinn, die Subversion, die produktiven Zweifel in den Künsten“ für die Gesellschaft zu nutzen.

Als viertes von zehn Kindern lernte Kisseler schon früh, sich durchzusetzen. Ein Besuch in der Kölner Oper begeisterte sie für die klassische Musik. Als Schülerin spielte sie Theater, entschied sich dann für ein Studium der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Pädagogik in Köln, wo sie auch ihren Lebensgefährten kennenlernte.

In der Kulturverwaltung Bonn startete die selbstbewusste junge Frau ihre Politikerlaufbahn. Eines ihrer Erfolgsrezepte: „Wichtig ist, dass man weiß, was von mir zu erwarten ist. Um den heißen Brei herumreden, 'vielleicht' oder 'schauen wir mal' - dafür bin ich die Falsche“, sagte Kisseler einmal.

Mit ihrer direkten und forschen, aber immer auch liebenswürdigen Art, machte Barbara Kisseler schnell Karriere - erst in Düsseldorf, später in Hannover und Berlin. Als erste Frau stieg sie im Herbst 2006 an die Spitze der Berliner Senatskanzlei unter dem damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf.

Im März 2011 übernahm sie in Hamburg das schwere Erbe von Reinhard Stuth (CDU), der durch Kürzungen und Schließungen die Hamburger Kulturszene gegen sich aufgebracht hatte. Innerhalb kürzester Zeit schaffte es die welt- und wortgewandte Senatorin, Vertrauen zurückzugewinnen und sich Respekt zu verschaffen.

Sie holte Stardirigent Kent Nagano als Nachfolger von Simone Young an die Elbe, verlängerte den Vertrag von Ballettintendant John Neumeier (74) und sicherte zugleich sein Erbe für Hamburg. Für die Intendanten der beiden Staatstheater, Joachim Lux am Thalia Theater und Karin Beier am Deutschen Schauspielhaus, handelte sie gute Konditionen aus.

Ihr größter Coup war jedoch - gemeinsam mit Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) - die Einigung mit dem Baukonzern Hochtief beim Millionenprojekt Elbphilharmonie, das völlig aus dem Ruder gelaufen war. Tatsächlich wurden seit dem Deal Ende Dezember 2012 alle Bauabschnitte eingehalten. Und das spektakuläre Konzerthaus wird endlich am 11. Januar 2017 eröffnet werden.

dpa

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