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Dschungelcamp im Turbo-Modus

Geständnisse Dschungelcamp im Turbo-Modus

Das RTL-Dschungelcamp startet gewohnt bissig-banal. Doch schon am Auftaktwochenende der elften Staffel fragt sich mancher im Publikum, wohin das Urwaldtreiben von zwölf Promis bei dieser Fülle von Verrücktheiten diesmal führen soll.

Hanka Rackwitz bekennt im Dschungel, ständig Angst zu haben.

Quelle: Horst Galuschka

Coolangatta. Das Dschungelcamp hat ein neues Level erreicht. Ja, die Abläufe und Rituale sind bei der elften Ausgabe von „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus“ bekannt.

Und da seit dem vergangenen Jahr auch in der deutschen Version die Gruppe geteilt wird, ist es nur eine Mini-Neuerung, dass die Kandidaten selbst die Teams wählen.

Doch dann zünden die zwölf Dschungelkronen-Anwärter den Turbo und feuern schon am Auftaktwochenende all die Extras ab, die das Publikum sonst zwei Wochen lang bei Laune halten: beichten über einschneidende Erlebnisse, Hungerwahn und Diskussionen über Geschlechtsteile. Bei einigen scheinen sogar noch vor dem Start die Nerven derart blank zu liegen, dass Psychologiestudenten genug Stoff für drei Semester hätten. Die Zuschauer müssen sich fragen: Was kann da noch kommen?

Der Reihe nach: Die düsteren Geständnisse aus ihrer Vergangenheit über Suizidversuche (Ex-Neue-Deutsche-Welle-Sängerin Franziska „Fräulein“ Menke (56) und Jens Büchner (47) aus der Auswanderer-Reihe „Goodbye Deutschland“) sowie exzessiven Alkohol- und Drogenmissbrauch (Schauspieler Markus Majowski (52) und It-Boy, Sänger und Designer Florian Wess (36)) schleudern die Kandidaten mehr so nebenbei heraus. Ihre Vorgänger brauchten dafür unzählige Nachtwachen am Lagerfeuer.

Überhaupt scheint Majowski - nach den von RTL zusammengestellten Ausschnitten vom Campleben - diesmal des Wahnsinns fette Beute zu sein. Nach einer aufwendigen Erläuterung seiner besonderen Beziehung zum Wasser („Ich bin wie ein Delfin“) ruft er gleich mal zum Streik auf, weil er das Trinkwasser als zu dreckig und gesundheitsgefährdend empfindet. Im Dschungeltelefon fordert er den sofortigen Austausch - „und zwar zackig“. Nur folgt ihm keiner seiner Mitcamper.

Als das Zirpen von Zikaden erklingt, glaubt er als einziger an einen Feueralarm. Ansonsten spricht Majowksi viel mit sich selbst, auch mal von sich in der dritten Person - kommt aber schon an Tag zwei zu der vielleicht beruhigenden Feststellung: „Ich werde normaler.“

Ernster scheint es um TV-Maklerin Hanka Rackwitz bestellt zu sein. Seit 20 Jahren lebe sie 90 Prozent des Tages in Angst, sagt die 47-Jährige. Anfassen darf sie am besten niemand. „In der Geschichte des deutschen Dschungelcamps bin ich wahrscheinlich die Verrückteste, aber die diagnostiziert Verrückteste“, stellt sie fest - und als eine Schlange im Camp auftaucht, rechtfertigt sie ihre Tränen damit, dass das doch aber eine berechtigte Angst sei. Schon in der ersten Folge zittert und weint sie - wegen einer kleinen Wunde am Bein. Durch die, so beschreibt sie es, könnte Unheil in den Köper dringen. 

Zwar sprechen immer wieder Camper von Phobien wie Höhenangst und Ekel vor Tieren. Bei Rackwitz ist es aber eine Nummer härter. „Hanka hat mehr Störungen als die Berliner S-Bahn“, sagt Moderatorin Sonja Zietlow (48). Der bewährt-bissige Kommentar hat diesmal viel Wahres.

Doch dann wieder fasst Rackwitz willkürlich Pflanzen an, quasselt unentwegt und so mancher fragt sich: Ist das alles nur gespielt? Die selbsternannte „Trashqueen Deutschlands“, Kader Loth (44), die sich im Dschungelcamp in der „Champions League“ deutscher TV-Unterhaltung sieht, beantwortet die Frage mit: Fifty-Fifty - und verspricht, das genau zu beobachten. Da Loth sich beim Mitdenken aber nicht gerade überschlägt, dürfte auf eine Erkenntnis etwas zu warten sein.

Auch der Hunger greift schon an Tag zwei um sich und bringt den sonst eher ruhigen Fußballweltmeister Thomas „Icke“ Häßler (50) zu der Aussage: „Im nächsten Leben werde ich Pizzateig.“ Wie immer besteht die Nahrungsmittel-Grundausstattung aus Reis und Bohnen. Das kommt für einige aber offensichtlich so überraschend, dass das Team „Snake Rock“ die Reste im Abfall entsorgt. Dann unterliegt Wess auch noch in der Dschungelprüfung dem Rivalen Model Alexander „Honey“ Keen (34).

Penisse haben die Kameras wohl noch nicht aufgenommen - dafür zwang RTL das Team „Base Camp“ schon mal nach der Schatzsuche, über den weltweiten Anteil beschnittener Männer zu grübeln. Natürlich die Gelegenheit für einige, aus der eigenen Unterhose zu plaudern. Nun gilt es, das Augenmerk auf die vielleicht einzige wirkliche Neuerung zu legen: Erstmals lebt mit Model Gina-Lisa Lohfink (30) sowie dem Ex-US-Boygroupsänger, Stripper und selbsterklärten Trump-Wähler Marc Terenzi (38) ein ehemaliges Pärchen im Pritschenlager.

Da geraten die Ekelprüfungen in den Hintergrund. Die obligatorischen Hoden kommen diesmal vom Truthahn. Dazu kredenzt RTL unter anderem Schaf- und Schweinehirn an Urinsoße. Die ersten beiden Folgen des Quotengaranten liefern dem Kölner Privatsender jeweils deutlich mehr als sieben Millionen Zuschauer. Das liegt noch im Vorjahresschnitt.

Auf der Erfolgswelle wollen daher auch andere mitreiten: Die umfragengebeutelte SPD etwa erklärt bei Facebook Loth zur Favoritin und verlinkt ein altes RTL-Video, in dem die stets stark Geschminkte die Parteiabkürzung (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) nicht erklären kann und „Sozial Politische Union“ stammelt. Und Fußball-Regionalligist Rot-Weiß-Oberhausen kommentiert bei Twitter mit einem Wortwitz - unter Niveau der Dschungel-Gagschreiber: „Kommt nicht oft vor, aber unser Kader ist um Längen besser!“

dpa

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