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Infantin Cristina sucht Schutz beim Königshaus

Palma de Mallorca Infantin Cristina sucht Schutz beim Königshaus

Diesem Moment dürfte das spanische Königshaus mit Bangen entgegengeblickt haben: Eine Schwester von Felipe VI. wird vor einem Gericht als Angeklagte verhört. Der Prozess gegen die Infantin und 16 weitere Angeklagte tritt in eine neue Phase.

Palma de Mallorca. Ein Bild für die Geschichte: Die Schwester des spanischen Königs Felipe VI. sitzt als Angeklagte an einem schlichten Holztisch vor den drei Richterinnen eines Tribunals in Palma de Mallorca. Die Infantin Cristina (50) wird wegen des Vorwurfs vernommen, ihrem Ehemann Iñaki Urdangarin Beihilfe zum Steuerbetrug geleistet zu haben.

Bis vor Kurzem hätten viele Spanier darauf gewettet, dass es zu dieser Szene niemals kommen würde. „Die Justiz hat jedoch bewiesen, dass sie unabhängig ist und Einmischungen politischer und institutioneller Mächte nicht zulässt“, kommentierte die Zeitung „El País“ am Freitag.

Die Schwester des Königs war am Donnerstag als letzte von insgesamt 17 Angeklagten im Verfahren um einen Finanzskandal vernommen worden - die Vernehmung wird live im Fernsehen übertragen. Spaniens „Prozess des Jahres“ geht damit in eine neue Phase: Nun werden Zeugen und Sachverständige angehört. Die Infantin muss erst zum Abschluss des Verfahrens im Juni wieder vor Gericht erscheinen. Ihr Mann ist einer der Hauptangeklagten. Der Ex-Handballstar soll als Präsident der gemeinnützigen Stiftung Nóos mit einem Geschäftsfreund sechs Millionen Euro Steuergeld veruntreut haben.

„Ich habe meinem Mann voll vertraut“, verteidigt sich die Infantin vor den Richterinnen. Sie habe sich um die Geschäfte Urdangarins nie gekümmert und Unterschriften geleistet, um die er sie gebeten habe. Man merkt Cristina an, dass die Tochter von Ex-König Juan Carlos von Kind an darauf vorbereitet wurde, in der Öffentlichkeit aufzutreten. Ihre Aussagen wirken einstudiert, denn sie beantwortet nur die Fragen ihres Verteidigers und dürfte das Verhör mit dem Anwalt ausgiebig geprobt haben. Allerdings klingt ihre Stimme weniger kräftig als sonst; in ihren Augen ist eine gewisse Nervosität zu erkennen.

Die Infantin war lange Zeit eines der beliebtesten Mitglieder des Königshauses. Nun kann sie sich in der Öffentlichkeit nicht mehr blicken lassen und geht in die Geschichte der spanischen Monarchie als die erste nahe Verwandte eines Königs ein, die wegen eines Finanzskandal als Angeklagte vor Gericht steht.

Cristina hatte sich mit ihrem Mann zu je 50 Prozent eine Firma geteilt, die laut Anklage dazu gedient haben soll, Geld aus der Stiftung Nóos abzuziehen. Zu ihrer Verteidigung sucht die 50-Jährige Schutz hinter dem Königshaus. Der Palast habe keine Einwände gegen die Geschäfte erhoben, sagt sie. „Ich habe mich natürlich von Carlos García Revenga und Federico Rubio beraten lassen.“ García Revenga war im Königshaus als Sekretär für Cristina und deren Schwester Elena zuständig, Rubio der Steuerberater des Königs.

Ihr Mann hatte bei seiner Vernehmung eine ähnliche Strategie verfolgt und gab zu verstehen, dass das Königshaus in die Geschäfte von Nóos eingeweiht gewesen sei. Sein früherer Geschäftspartner Diego Torres, der zweite Hauptangeklagte, sagte es noch deutlicher: „Wie hätten wir ahnen können, etwas Unrechtes zu tun, wo doch jeder Schritt vom Königshaus überwacht wurde?“

Der Skandal hat dem Ansehen der Monarchie in Spanien schweren Schaden zugefügt. Er dürfte - auch wenn dies offiziell nicht bestätigt wurde - dazu beigetragen haben, dass König Juan Carlos im Juni 2014 abdankte. Sein Sohn Felipe ging auf Distanz zu seiner Schwester und erkannte ihr den Herzogtitel ab. Die Sorgen im Königshaus dürften aber kaum geringer geworden sein: Der Prozess macht fast täglich Schlagzeilen.

dpa

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