Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Noch immer nichts bereut

Édith Piaf Noch immer nichts bereut

Édith Piaf hätte am 19. Dezember ihren 100. Geburtstag gefeiert

Voriger Artikel
Golden Globes: Fünf Nominierungen für Drama „Carol“
Nächster Artikel
Ron Howard enthüllt zweiten Stern auf dem Walk of Fame

Am 19. Dezember wäre Édith Piaf 100 Jahre alt geworden.

Quelle: Hulton Archive / Getty Images

Sie führte ein kurzes, aber äußerst intensives Leben: Unendlich viele Legenden, Tratschgeschichten und tatsächlich passierte Skandale machen die 47 Lebensjahre des „Spatzen von Paris“, noch heute zu einem der spannendsten Kapitel der jüngeren französischen Kulturgeschichte. Édith Giovanna Gassion, wie die Piaf mit bürgerlichem Namen hieß, lebte ein erfolgreiches wie tragisch-trauriges Künstlerleben im Paris des frühen 20. Jahrhunderts und ließ scheinbar keine Gelegenheit aus, die Authentizität ihres turbulenten Alltags auf die Probe zu stellen. Am 19. Dezember 2015 wäre die Kultfigur Piaf 100 Jahre alt geworden.

201602_305503_4_048.jpg

Am 14. Oktober 1963 wurde Édith Piaf in Paris beigesetzt. Die Anteilnahme nach ihrem Krebstod war riesig.

Zur Bildergalerie

Das Schicksal einer wilden Künstlerkarriere schien der 1915 in Paris geborenen Piaf ganz klischeehaft in die Wiege gelegt. Obwohl sie mit großen Erfolgs-Chansons wie „La Vie En Rose“, „Non Je Ne Regrette Rien“ oder „Milord“ weltweit bekannt wurde, über 200 Lieder aufgenommen hat, ihr Grab auf dem berühmten Pariser Friedhof Père Lachaise noch heute hunderte Besucher im Jahr anzieht und die französische Hauptstadt ihr in der Rue Crespin-du-Gast sogar ein kleines Museum gewidmet hat, war ihr Leben doch vor allem geprägt von schicksalhaften Rückschlägen. Alkohol, Drogen, Gewalt und Affären bestimmten das Leben der lediglich 1,47 Meter großen Sängerin, die sich in den dunklen Vierteln von Paris, in der Nähe von Nachtclubs und Bordells, stets am wohlsten fühlte.

Immer wieder kehrte sie zurück in die Elendsviertel der Stadt, verleugnete nie ihre Herkunft und sang auch während ihres Aufstiegs als Chanson-Sängerin in Frankreichs Hauptstadt noch spontan auf der Straße, wenn ihr beispielsweise ein bisschen Kleingeld für eine Kinokarte fehlte. Die Mythen und Geschichten um ihre Person sind so vielfältig wie zweifelhaft. Einige hat sie sogar persönlich in die Welt gesetzt, beispielsweise die, dass sie im Pariser Stadtteil Belleville auf der Straße geboren wurde. Wahr ist, dass sie im Pariser Tenon-Spital zur Welt kam. Oder die, dass sie als Kind vier Jahre lang erblindet war, bevor die Wallfahrt ihrer Großmutter zur Heiligen Therese nach Lisieux ihr auf wundersame Weise das Augenlicht zurückbrachte. Wahr ist, dass sie wegen einer Infektion einige Wochen lang unter Sehstörungen litt.

Ihre Mutter Annetta Jacqueline Gassion war eine Kaffeehaus-Sängerin von halb italienischer, halb berberischer Abstammung, die Édith schon kurz nach der Geburt zur Großmutter abgab, wo das Kind auch keine große Beachtung fand und beinahe dem Hungertod zum Opfer gefallen wäre. Ihr Vater Alphonse Gassion, Akrobat, Alkoholiker und Schlangenmensch im Wanderzirkus, rettete sie im Alter von zwei Jahren und brachte sie bei seiner eigenen Mutter unter, die ein Bordell in Bernay in der Normandie führte. Als Édith zehn Jahre alt wurde, nahm ihr Vater sie mit auf Tournee, schulte sie als Straßensängerin und verprügelte sie nach Lust und Laune - Gewalt gehörte im Künstler-Milieu zum Alltag und machte die Piaf hart genug, um den weiteren, unbequemen Lebensweg mit dem nötigen Überlebensinstinkt zu absolvieren.

Denn bis zum weltweiten Erfolg war ihr Leben geprägt von Prügeleien, Prostitution und Obdachlosigkeit. 1932 wurde sie nach einer kurzzeitigen Beziehung mit dem Arbeiter Louis Dupont schwanger und gebar ihr einziges Kind, Tochter Marcelle, die nach der Trennung bei ihrem Vater blieb und im Alter von zwei Jahren an einer Hirnhautentzündung starb. Wie Piaf in ihrer Autobiografie „Mein Leben“ erzählt, habe sie sich daraufhin einem Freier für zehn Francs hingegeben, damit sie das Begräbnis der Kleinen bezahlen konnte.

Einschneidender Wendepunkt des bis dahin tristen Lebens war das Aufeinandertreffen mit Louis Leplée im Jahr 1935. Piaf sang an einem Septembernachmittag an einer Pariser Straßenecke, als der gut gekleidete Nachtclubbesitzer stehenblieb und ihr andächtig zuhörte, um sie nach dem Auftritt für seine Kleinkunstbühne „Gernys“ als Chanteuse zu engagieren. Vor allem von der Stimmgewalt der kleinen 20-jährigen Straßensängerin war er begeistert, und verpasste ihr den Spitznamen „La môme Piaf“. „Môme“ bezeichnet eine Göre, „Piaf“ ist der Spatz. Leplée sollte recht behalten, das vornehmlich wohlbetuchte Publikum seines Lokals feierte das „Mädchen aus der Gosse“. Aber das Schicksal versetzte ihr kurz darauf erneut einen Rückschlag: Ihr Förderer Leplée wurde Opfer eines Raubmordes, und Piaf gehörte kurzzeitig sogar zu den Verdächtigen.

Der Lyriker Raymond Asso, den sie bereits über Leplée kennengelernt hatte, war der nächste Mann in Piafs Leben, der ihre Karriere aktiv förderte. Nicht nur, weil er als Dichter selbst Chansontexte für sie schrieb, sondern auch, weil er ihre rotzige Stimme formte und ihr beibrachte, richtig zu intonieren. Darüber hinaus kümmerte er sich darum, dass Piaf der Körperpflege und ihrer generellen optischen Erscheinung mehr Beachtung schenkte. Was sich schon im Frühjahr 1937 auszahlte, als die Sängerin im „Théâtre de l'A.B.C.“ auftreten durfte, gehüllt in ein schwarzes Kleid mit weißem Spitzenkragen, und das Publikum vollends für sich begeistern konnte.

Durch den anhaltenden Erfolg als Sängerin für die Pariser Oberschicht gelang ihr schließlich auch der große Durchbruch; nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa, ohne während des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzungszeit abzuebben. Piaf besaß plötzlich genug Geld und feierte wilde Partys, hatte zahllose Affären, trank exzessiv und verfiel aufgrund eines längeren Krankenhausaufenthaltes schließlich auch dem Morphium, von dem sie bis zu ihrem Krebstod am 10. Oktober 1963 nicht mehr wegkam.

Dass sie nicht nur für viele legendäre Chansons und unzählige wilde Geschichten aus der Unterwelt auf ewig weiterleben wird, sondern auch als Förderin von jungen Talenten, ist dagegen weniger bekannt. Yves Montand, Georges Moustaki, Eddie Constantine oder Gilbert Bécaud konnten vor allem aufgrund der Unterstützung von Édith Piaf ähnlich erfolgreiche Musikerkarrieren im Chansongeschäft hinlegen.

teleschau

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stars
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den November 2016.

Sollten die Weihnachtsmärkte länger geöffnet haben?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kreuzwort

Auch online wartet täglich ein neues Rätsel auf Sie. Jetzt rätseln!

Sudoku

Bleiben Sie geistig aktiv – mit japanischem Gehirnjogging.