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Politik und Party beim CSD in Köln

Köln Politik und Party beim CSD in Köln

Konfettiregen, laute Musik und extravagante Kostüme - der Christopher Street Day (CSD) in Köln steht für Vielfalt. Hunderttausende feiern ausgelassen auf Kölns Straßen. Es gibt aber auch nachdenkliche Momente.

Köln. Seifenblasen schweben durch die Luft, Regenbogenfahnen flattern im Wind und bunt verkleidete Menschen tanzen auf der Straße - zum 25. Mal ist am Sonntag die Christopher-Street-Day-Parade durch Köln gezogen.

Bei strahlendem Sonnenschein setzte sich der Umzug mit mehr als 100 Gruppen um Punkt 12.30 Uhr auf der Deutzer Brücke in Bewegung. Der CSD ist zugleich große Party und Demonstration für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transsexuellen.

Auch wegen des Anschlags in Orlando, bei dem am 12. Juni 49 Menschen in einem Club für Schwule und Lesben starben, stand die Gay-Pride-Veranstaltung mit dem Motto „anders.Leben!“ in diesem Jahr unter besonderen Vorzeichen. In Gedenken an die Opfer wehten 49 der insgesamt 58 an der Deutzer Brücke angebrachten Regenbogenfahnen auf Halbmast. „Wir wollen allen Opfern unseren Respekt und unsere Trauer entgegenbringen“, sagt Veranstaltungsleiter Jörg Kalitowitsch.

Doch nicht nur Mitgefühl, auch eine politische Botschaft sei wichtig: Der CSD thematisiere das Attentat bewusst, um auf Gewalt gegen Homosexuelle und Trans-Menschen auf der ganzen Welt aufmerksam zu machen, erklärt Kalitowitsch. „Orlando ist jetzt im Gespräch und deswegen nutzen wir es auch als Chance - auch wenn es leider eine sehr traurige Chance ist - zu zeigen, dass es überall, auch in Deutschland, Opfer von Übergriffen gibt.“

Gewalt gegen Lesben und Schwule ist auch aus Sicht anderer CSD-Teilnehmer ein großes Problem. „Es gibt immer noch viele Länder, in denen Schwule und Lesben verfolgt werden“, beklagt zum Beispiel Ute Settegast, die seit vielen Jahren an der Demonstration teilnimmt, „Das darf man nicht vergessen und dagegen müssen wir auch hier in Köln demonstrieren.“ Wie um dies zu unterstreichen, steht „Love is not a crime“ in bunten Lettern auf ihrem T-Shirt - „Liebe ist kein Verbrechen“.

Die politischen Ziele der Demonstranten sind vielfältig - genau wie die bunten Kostüme und unterschiedlichen Kleidungsstile der CSD-Teilnehmer oder die Musik, die von den Wagen schallt. Aus den Boxen dröhnen abwechselnd Techno, aktuelle Charts-Hits und Klassiker des Kölner Karnevals. Die Menschen bewegen sich im Takt, schwenken Fahnen und halten Plakate hoch.

Auf einem Pappschild steht: „Steh auf! Gemeinsam gegen Homo*hass und Rassismus.“ Mit einer Fahne setzt sich eine Gruppe für die Integration homosexueller Flüchtlinge ein und ein Wagen rollt als „Regenbogenfamilien-Express“ über die Straße - seine Besatzung fordert gleiche Chancen von lesbischen, schwulen und heterosexuellen Paaren bei der Adoption von Kindern.

Bereits vor dem Christopher Street Day hatte Nils Schmidt vom Kölner Lesben- und Schwulentag angekündigt: „Wir wollen mit dem diesjährigen CSD ein Zeichen setzen, um noch politischer zu werden.“ Zwar habe man seit 1991, als die CSD-Parade erstmals in Köln stattfand, viel erreicht, doch noch immer würden Schwule und Lesben diskriminiert, sagte Schmidt. „Wir sehen, dass wir in Deutschland schon sehr weit sind, aber immer noch nicht da, wo wir hinwollen“, resümierte er und forderte „die komplette Akzeptanz der vielfältigen Lebensweisen“.

Dazu gehört nach Ansicht vieler CSD-Besucher auch die „Ehe für alle“. Gleichgeschlechtliche Paare können derzeit in Deutschland keine Ehe, sondern nur eine „eingetragene Lebenspartnerschaft“ eingehen. Aber Demo-Leiter Kalitowitsch fürchtet, dass jemand, der sich „nur verpartnern“ dürfe, als Mensch zweiter Klasse angesehen wird. Daher sei es wichtig zu signalisieren: „Wir möchten genau so heiraten wie ein Heteropaar auch.“

dpa

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