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Rom vertrocknet: Trinken nur in Schichten?

Auf dem Trockenen Rom vertrocknet: Trinken nur in Schichten?

Was würden die Römer für ein bisschen Regen aus Deutschland geben. Denn in Italiens Hauptstadt droht das Trinkwasser auszugehen. Auch Touristen sind besorgt, selbst der Papst wird aktiv. Schuld an der Misere ist nicht nur das Wetter.

Wasser ist ein kostbares Gut. In Rom wird es langsam knapp.

Quelle: Andrew Medichini

Rom (dpa) - Einst wurden hier die beeindruckendsten Wasserleitungen der Welt gebaut. Überall in Rom stehen sie noch, die Überreste der gigantischen Aquädukte. Doch die ruhmreichen Zeiten sind längst vorbei. Ausgerechnet hier, wo die alten Römer die Trinkwasserversorgung vor mehr als 2000 Jahren perfektionierten, sitzt man mittlerweile auf dem Trockenen.

Wochenlange Hitze und keine einzige Regenwolke haben zu einer besorgniserregenden Lage geführt. Römern und Touristen droht sogar eine Rationierung des Trinkwassers.

Viele Brunnen der Ewigen Stadt sind schon versiegt, so zum Beispiel das prächtige Wasserbecken an der Piazza del Popolo oder an der Piazza Repubblica im Zentrum. Auch die sogenannten Nasoni - die typischen Nasenbrunnen - sollen nach und nach abgestellt werden. Die laufen normalerweise Tag und Nacht und spenden Römern und Touristen Trinkwasser und Abkühlung in der glühenden Hitze. „Es ist schade, wenn die Brunnen leer sind, wegen denen man als Tourist auch nach Rom kommt“, sagt eine Urlauberin aus München. „Aber wenn Wasser gespart werden muss, kann man das verstehen.“

Selbst Papst Franziskus ist aktiv geworden und hat sämtliche Brunnen im Vatikan trocken gelegt, auf dem Petersplatz ist das typische Plätschern verstummt. „Wassersparen im Sinn von Brunnen abschalten hat es meines Wissens im Vatikan noch nie gegeben“, sagt Gudrun Sailer von Radio Vatikan. „Das Abschalten ist natürlich in erster Line eine symbolische Geste. In Rom einschließlich des Vatikans wird niemand verdursten, auch wenn alle Brunnen des Papstes weiterhin sprudeln würden.“

Gestritten wird vor allem um eines: Rom bezieht acht Prozent seines Wassers aus dem nördlich gelegenen Bracciano-See. Dessen Wasserstand ist allerdings wegen der Hitze und dem fehlenden Regen so stark abgesunken, dass eine Umweltkatastrophe droht, wie die Behörden warnten. Deshalb hat die Region Latium dem Versorger Acea untersagt, von Freitagabend an weiter Wasser aus dem See zu pumpen. Der wiederum drohte mit der Rationierung für die rund drei Millionen Einwohner von Rom und Umgebung. Einen Einspruch von Acea gegen das Entnahmeverbot lehnte ein Gericht diese Woche ab.

Acea ist ein privates Unternehmen, das aber auch aus öffentlichen Geldern finanziert wird. Jahrelang wurde dort verschlafen, die maroden römischen Wasserleitungen zu sanieren. Umweltminister Gian Luca Galletti sagte, die Situation in Rom bereite ihm besonders Sorgen. Die Region, die Stadt und der Versorger würden hart daran arbeiten, dass Millionen Menschen nicht ohne Wasser dastünden. Wegen alter Leitungen gingen 40 Prozent des Wassers in Rom verloren, monierte er.

In diesem Jahr hat es bisher nur an 26 Tagen geregnet, im Vorjahreszeitraum waren es 88 Tage, rechnen Medien vor. Hinzu kommt die politische Dimension: Die Region Latium, in der der Bracciano-See liegt, wird von der sozialdemokratischen Partei geführt, Rom von der Fünf-Sterne-Bewegung. Politisches Gerangel sei einer der Gründe für die Notlage, schrieb die Zeitung „La Repubblica“.

Wie genau eine Rationierung nun aussehen soll, ist noch nicht entschieden. Die Rede ist davon, dass Leitungen in verschiedenen Schichten nur für acht Stunden geöffnet werden.

Da der Wassernotstand in Rom weltweit Schlagzeilen gemacht hat, sind schon Touristen in Sorge. „Der Imageschaden für Rom ist bereits geschehen“, sagte der Präsident des römischen Hotelverbandes, Giuseppe Roscioli, der „Repubblica“. „Wer gebucht hat, ruft beim Hotel an und fragt wie die Lage ist: Gibt es Wasser oder nicht?“ Die großen Hotels könnten mit Zisternen versorgt werden - aber was sei mit den kleinen? Der Chef des Hassler-Luxushotels an der Spanischen Treppe fasst zusammen: „Es ist wie immer in der Hauptstadt: Es gibt keine Vorsorge, und dann schreit man Hilfe, Hilfe.“ Der Blick in den Himmel verspricht jedenfalls keine Hilfe: Nächste Woche soll es bis zu 40 Grad heiß werden.

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