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Hochwasser erreicht Städte nördlich des Harzes

Entspannung in Sicht Hochwasser erreicht Städte nördlich des Harzes

In Wolfenbüttel stehen Straßen und Keller unter Wasser. In Hannover werden Sandsäcke geschleppt. Noch ist die Gefahr weiterer schwerer Hochwasserschäden nicht gebannt. Mit dem verheerenden Dauerregen zumindest ist erst mal Schluss.

Häuser spiegeln sich in Harsleben (Sachsen-Anhalt) im Wasser der überfluteten Straßen.

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert

Wolfenbüttel. Das Hochwasser aus dem Harz hat weiter nördlich liegende Städte erreicht. In Wolfenbüttel standen Innenstadtbereiche unter Wasser, die Oker trat an einigen Stellen über die Ufer. In alten Häusern drücke zudem Grundwasser von unten in die Keller, sagte Bürgermeister Thomas Pink.

In Hannover bereiteten sich die Einsatzkräfte auf die anrollenden Wassermassen vor, Hochwassertore wurden geschlossen und Gebäude mit Sandsäcken gesichert. Die kommenden Tage lassen auf Entspannung hoffen: Vom Deutschen Wetterdienst (DWD) werden kurze Schauer und Gewitter statt Dauerregen prognostiziert.

Wolfenbüttel hatte in der Nacht zu Freitag Katastrophenalarm ausgerufen. Häuser wurden evakuiert, 20 Bewohner eines Seniorenwohnheims in Sicherheit gebracht. Für einige Häuserzeilen wurde vorsichtshalber der Strom abgeschaltet. Die Hochwasserwelle soll sich nun in den kommenden Tagen vor allem in die Unterläufe von Leine und Oker verlagern. Für den Bereich der Leine in Hannover wurde der Höchststand ab Freitagabend erwartet.

Von der Feuerwehr in Braunschweig hieß es am Nachmittag: „Wir sind glimpflich davongekommen“. Der Wasserstand werde zwar über das Wochenende hinweg hoch bleiben, größere Probleme würden aber nicht erwartet. Auch Hildesheim gab Entwarnung. Der Wasserstand der Innerste falle weiter, meldete die Stadt am Nachmittag.

Im Harz entspannte sich die Lage ebenfalls. Von einer seit Dienstag vermissten 69-Jährigen aus Wernigerode fehlte allerdings weiter jede Spur. Die Polizei schließt nicht aus, dass die Frau in den Hochwasser-Fluss Holtemme gestürzt ist. Vielerorts liefen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. „Es ist Ruhe eingekehrt“, sagte Stadtsprecher Tobias Kascha in Wernigerode. An Straßen und Brücken seien Schäden entstanden, die nun in den nächsten Wochen repariert werden müssten. In Harsleben stand am Freitag immer noch das Wasser. „Aber es fällt“, sagte der Leiter der Einsatzzentrale, Kai-Uwe Lohse.

Noch lange hinziehen werden sich die Arbeiten unter anderem an der Universität Hildesheim, wo das Hochwasser einen Millionenschaden anrichtete. Die Folgen würden den Lehrbetrieb wohl noch im Wintersemester schwer belasten, sagte eine Hochschulsprecherin. Betroffen ist demnach der Kulturcampus in einer denkmalgeschützten Burganlage. „Die Institute stehen im Wasser.“

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sicherte Betroffenen „unbürokratische Soforthilfe“ zu. Ein konkreter Finanzrahmen wurde nicht genannt. „Wir sind da guten Willens, aber wir können natürlich auch keine Blankoschecks ausstellen. Das heißt, wir müssen darüber reden: wie viel, zu welchen Bedingungen, wofür“, sagte Weil am Freitag in Hannover.

Nach Analysen der deutschen Versicherungswirtschaft treten Schadensjahre mit Wetterextremen wie Starkregen oder Hagelstürme in immer kürzeren Abständen auf, wie Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sagte. Wegen nicht abziehender Tiefdruckgebiete mit heftigen Regenfällen würden zudem zunehmend auch Regionen überschwemmt, die eigentlich kein Hochwasser kennen.

Nicht zu nass, sondern zu heiß ist es derzeit im Süden Europas: Für den Mittelmeerraum sagen die DWD-Experten eine andauernde extreme Hitzewelle voraus. „Beginnend im westlichen Mittelmeerraum, kommende Woche dann auch weiter östlich, steigen die Temperaturen im Binnenland immer öfter Richtung 40 Grad, teils auch bis 45 Grad“, hieß es am Freitag.

In Rom, das wie viele Teile Italiens unter wochenlanger Hitze und Trockenheit leidet, gibt es bereits eine Wasserkrise: Der Versorger Acea hat mit Rationierung gedroht, falls wie von den Behörden angeordnet kein Wasser mehr aus dem naheliegenden Bracciano-See gepumpt werden darf. Dessen Wasserstand ist inzwischen so stark gesunken, dass eine Umweltkatastrophe droht. Rom bezieht acht Prozent seines Wassers aus dem nördlich gelegenen See.

dpa

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