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US-Behörden: „Harvey“-Flut droht noch tagelang

Hurrikan weiter gefährlich US-Behörden: „Harvey“-Flut droht noch tagelang

In den USA ist Hurrikan „Harvey“ herabgestuft worden, doch jetzt drohen tagelange Rekordregenfälle und Überschwemmungen. Behörden warnen weiter vor lebensgefährlichen Bedrohungen.

Ein Generator kippt vor dem CHRISTUS Spohn Krankenhaus in Corpus Christi (Texas, USA) um.

Quelle: Courtney Sacco

Houston. Der Hurrikan „Harvey“ hat an vielen Küstenorten im US-Bundesstaat Texas das Stromnetz stark beschädigt. Rund 293 000 Menschen seien derzeit ohne Strom, berichtete der Netzbetreiber Ercot am Samstagmorgen (Ortszeit) auf seiner Webseite.

Zu Beginn der ersten Aufräumarbeiten gab es noch keine bestätigten Zahlen zu Toten oder Verletzten. In der Nacht zuvor hatte „Harvey“ das Festland erreicht. Als erster Hurrikan seit zwölf Jahren war er der schweren Kategorie 4 zugeordnet worden. Bis Samstagvormittag wurde er auf Kategorie 1 herabgestuft, aber der Nationale Wetterdienst der USA warnte weiter vor verheerenden Springfluten, Regenfällen und Überschwemmungen, die im Südwesten des Bundesstaates noch bis in die Mitte der nächsten Woche andauern können.

Charles Wax, Bürgermeister der besonders stark betroffenen Küstenstadt Rockport, riet den Bürgern, sich ihre Sozialversicherungsnummer auf den Arm zu schreiben, um im Katastrophenfall identifiziert werden zu können. Der Sturm hatte die Stadt mit fast 240 Kilometern pro Stunde getroffen. Nun gehe eine noch größere Gefahr von Überflutungen aus, sagte ein Reporter beim Nachrichtensender CNN. Rund 50 Prozent der Bewohner hätten sich vor dem Sturm trotz anderslautender Empfehlungen entschlossen, in der Gefahrenzone zu bleiben. Es würden Todesopfer befürchtet.

Es sei damit zu rechnen, dass einige Gebiete „für Wochen oder Monate unbewohnbar“ sein würden, zitierte CNN Meteorologen. Auch der oberste US-Katastrophenschützer rief die Texaner am Samstag auf, Hurrikan „Harvey“ weiter äußerst ernst zu nehmen. Der Sturm entwickle sich zu einem „tödlichen Inland-Ereignis“, twitterte Brock Long, Chef der US-Behörde für Katastrophenhilfe (FEMA), am Morgen.

CNN zeigte am Samstag Videos von Überschwemmungen, Schäden an vielen Gebäuden, umgestürzte Bäume und Strommasten. Erste Notfallteams seien ausgerückt, um in ihren Häusern eingeschlossene Bürger zu versorgen, berichtete ein Reporter. In der Stadt Port Lavaca stieg der Meeresspiegel um rund zwei Metern in sieben Stunden.

US-Präsident Donald Trump lobte den Einsatz des Top-Katastrophenmanagers und die Zusammenarbeit zwischen örtlichen und Bundesbehörden. „Wir überlassen nichts dem Zufall“, twitterte Trump, der das Wochenende auf dem Präsidenten-Landsitz Camp David (Maryland) verbringt. Er habe auf Anfrage des Gouverneurs von Texas, Greg Abbott, den Notstand ausgerufen. In den USA passiert das in vielen Notsituationen, denn dann wird Regierungsgeld für Hilfsmaßnahmen in vollem Umfang verfügbar.

An der Küste hatte der Hurrikan noch Windgeschwindigkeiten von mehr als 130 Meilen (mehr als 210 Kilometer) pro Stunde erreicht. Das Hurrikanzentrum stufte ihn aber bald auf die Kategorie 3 und schließlich auf die zweitniedrigste Stufe herab, nachdem die maximale Windgeschwindigkeit auf 110 Meilen pro Stunde (177 Kilometer pro Stunde) gesunken war.

Für die Einwohner von sieben Bezirken an der Küste war eine Evakuierung angeordnet worden, sie mussten dieser aber nicht folgen. Es wurde erwartet, dass „Harvey“ in den kommenden Tagen über den Südosten von Texas zieht. Potenziell betroffen ist ein von 16 Millionen Menschen bewohntes Gebiet zwischen der Stadt Brownsville und Houston mit einem Küstenstreifen von etwa 560 Kilometern Länge.

Texas gehört zu den größten und bevölkerungsreichsten Bundesstaaten der Vereinigten Staaten. Zwischen dem Tal des Rio Grande im Süden und Amarillo im Nordwesten leben rund 28 Millionen Menschen. Wichtigste Städte sind das Ölzentrum Houston im Süden, Dallas und die Staatshauptstadt Austin. Neben der Energiewirtschaft ist die Landwirtschaft in Texas noch immer prägend. Sinnbildlich sind die großen Rinderherden. Die Cowboy-Tradition wird in vielen Orten von Texas noch immer hochgehalten. Fort Worth bei Dallas gilt etwa als Hauptstadt der Rodeoszene. Einst zu Mexiko gehörig, erklärte sich Texas nach kriegerischen Auseinandersetzungen 1836 für unabhängig. Neun Jahre später wurde es in die Vereinigten Staaten von Amerika eingegliedert. Texas ist einer der Staaten, in dem noch die Todesstrafe angewendet wird. Traditionell wird es von den konservativen Republikanern regiert. In der Bevölkerung gewinnen Zuwanderer aus Lateinamerika immer stärkeren Einfluss.

dpa

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