Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Norden 100 Knauf-Mitarbeiter sehen ihre Jobs bedroht
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden 100 Knauf-Mitarbeiter sehen ihre Jobs bedroht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:30 14.01.2017
Eisstiele aus Buchenholz sind das Markenzeichen von Knauf in Stockelsdorf. Possehl hatte die Firma 2010 gekauft und will sie jetzt veräußern. Quelle: Foto: Possehl
Anzeige
Lübeck

Die etwa 100 Mitarbeiter des Stockelsdorfer Unternehmens Knauf sind in großer Sorge um ihre Arbeitsplätze. Die Lübecker Unternehmensgruppe L. Possehl & Co will den renommierten Hersteller von Eisstielen an den französischen Marktführer Eurosticks verkaufen. Am Donnerstag fand bereits eine Betriebsversammlung im Stockelsdorfer Werk statt. „Es herrscht Unsicherheit und Existenzangst. Was der neue Besitzer will, steht in den Sternen“, erklärt der Knauf-Betriebsrat.

„Alle Arbeitsplätze bleiben unverändert bestehen, die Betriebsvereinbarungen und Tarifvereinbarungen gelten nach der Übernahme genauso wie heute“, versichert dagegen Possehl-Vorstand Mario Schreiber.

Ein Kaufvertrag mit Eurosticks sei in dieser Woche „unter aufschiebenden Bedingungen“ unterschrieben worden. „Der Verkauf wird gültig, wenn die Gremienzustimmungen vorliegen, voraussichtlich noch im Januar 2017“, fügt Schreiber hinzu.

Der Knauf-Betriebsrat schickte gestern im Namen der Belegschaft einen Brief an die Possehl-Geschäftsführung, in dem er seinen Unmut ausdrückt. „Wir finden es unmöglich, dass Sie die Firma Knauf ohne eine Standort- und Beschäftigungssicherung für die Arbeitnehmer verkaufen wollen. Das spiegelt nicht die Philosophie wider, die bei Possehl immer nach außen angepriesen wird“, heißt es in dem Brief.

„Es kann doch nicht sein, dass ein Konzern wie Possehl, der immer nach außen sozial eingestellt ist, eine Firma verkauft, ohne an seine Mitarbeiter zu denken“, schreibt der Betriebsrat.

Die Aktion sei für die Belegschaft völlig unverständlich, so der Betriebsrat. Der Verkauf an den Konkurrenten berge die Gefahr, dass Eurosticks seine Werke in Rumänien, Tschechien und in der Türkei wegen der geringeren Lohnkosten mehr auslaste und die Firma Knauf kontinuierlich herunterfahre. „Es hilft auch nichts, wenn der neue mögliche Eigentümer in einem Brief mitteilt, dass er an Stockelsdorf festhält und investieren möchte. Wenn das so ist, dann kann uns auch eine schriftliche Garantie gegeben werden“, schreibt der Betriebsrat und fordert den Possehl-Vorstand auf, eine Standort- und Beschäftigungssicherung über fünf Jahre auszuhandeln.

„Der familiengeführte Erwerber, den wir schon lange kennen und dem wir vertrauen, hat uns versichert, dass er in den Standort in Stockelsdorf weiter investieren wird und die Arbeitsplätze sichern und fortführen wird“, entgegnet Possehl-Vorstand Mario Schreiber der Kritik. Knauf sei in einer sehr guten Verfassung. Possehl habe im Mai 2010 das Unternehmen und damit alle Arbeitsplätze gerettet, sagt Schreiber. „Bei unserer Übernahme bestand ein erheblicher Investitionsstau. In den vergangenen Jahren haben wir beträchtlich in das Unternehmen und dessen Produktionsanlagen investiert. Knauf hat sich dann kontinuierlich und bis heute gut entwickelt.“ Weiterentwicklungsmöglichkeiten seien für Knauf alleine in der Possehl-Gruppe nicht möglich. Eurosticks, ein traditionsreiches französisches Familienunternehmen mit mehreren Werken in Europa, sei mit Abstand Marktführer bei Eisstielen. Die Zukunft von Knauf sei in einem Unternehmensverbund, der dringend Produktionskapazitäten benötigt, „noch viel besser als alleine in der Possehl-Gruppe“, so Schreiber.

Firma mit langer Tradition

Karl Otto Knauf hatte das Unternehmen 1951 gegründet. In der Nachkriegszeit fertigte die Firma nach eigenen Angaben Produkte des täglichen Bedarfs aus Holz, zum Beispiel Wäscheklammern. Später wurden Eisstiele und Mundspatel für den medizinischen Bedarf hergestellt. 1975 entstand das Werk in Stockelsdorf.

Im Mai 2010 übernahm der Mischkonzern L. Possehl & Co. die Firma Knauf. Unter dem Dach von Possehl befinden sich knapp 160 Firmen im In- und Ausland mit insgesamt etwa 12 000 Mitarbeitern.

Christian Risch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Lübecker Drägerwerk AG hat im Jahr 2016 weniger Umsatz gemacht als erwartet: Er sank um rund 3,3 Prozent von 2,61 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 2,52 Milliarden Euro.

13.01.2017

Chef von Fiat-Chrysler weist Abgas-Betrugsvorwürfe zurück – In Florida verhafteter Volkswagen-Manager bleibt im Gefängnis.

13.01.2017

Nintendo setzt im März nach jahrelanger Durststrecke zum Comeback mit seiner neuen Spielekonsole Switch an.

13.01.2017
Anzeige