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15 Eisenbahnbrücken im Norden sind abrissreif

Berlin/Kiel 15 Eisenbahnbrücken im Norden sind abrissreif

15 Eisenbahnbrücken in Schleswig-Holstein sind derart so marode, dass eine Reparatur nicht mehr lohnt. Das teilten die Grünen im Bundestag am Donnerstag mit. Mehrere Abgeordnete, darunter Valerie Wilms (Wedel), forderten die nächste Bundesregierung auf, die „Flickschusterei“ zu beenden und mehr zu investieren. 

Blick auf die Bahnhofsbrücke an der Fackenburger Allee in Lübeck. Sowieso sind zahlreiche der 210 Brücken der Hansestadt marode und müssen repariert werden.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Berlin/Kiel. Der Bundesrechnungshof hatte im Dezember 2016 scharfe Kritik am Zustand der sich verschlechternden Infrastruktur geübt. Die Deutsche Bahn (DB) reagierte mit dem Hinweis, die Brücken stellten akut keine Gefahr dar. Sie würden schließlich alle drei Jahren in Augenschein genommen. Größere Investitionen aber seien tatsächlich vonnöten.

"Bundesverkehrsminister Dobrindt macht zu wenig, damit die bröckelnden Bahnbrücken endlich der Vergangenheit angehören“, kritisierten Grünen-Vorsitzender Cem Özdemir und Fraktionsvize Oliver Krischer in einer gemeinsamen Erklärung. „Damit schadet er unserer Volkswirtschaft.“ Es müsse endlich deutlich mehr Geld in die Schieneninfrastruktur investiert werden. Nur mit einem gut erhaltenen Netz könne die Bahn neue Fahrgäste und Güter für sich gewinnen. Erst kürzlich waren Gleise der Rheintalbahn abgesunken. Die vielbefahrene Strecke musste gesperrt werden.

395 Eisenbahnbrücken gibt es in Schleswig-Holstein, 15 sind nach Angaben der Bundesregierung „aktuell dringend sanierungsbedürftig“, allein elf davon kamen erst in den vergangenen drei Jahren in die schlechteste Zustandskategorie. Das bedeutet: Abriss. Mit der Mängelquote von rund vier Prozent rangiert der Norden im Bundesvergleich im Mittelfeld. Die beanstandeten Bauwerke sind in der Regel altersschwach. 134 Brücken in Schleswig-Holstein haben mehr als 80 Jahre auf dem Buckel, das Durchschnittsalter der Eisenbahnquerungen liegt bei 57 Jahren.

In der Region Lübeck sind angeblich sechs Brücken nicht mehr zu sanieren: eine Wakenitz-Brücke, eine Straßenüberführung am Lübecker Hauptbahnhof sowie Bauwerke bei Ottendorf nahe Süsel, Ratekau, Bad Oldesloe und Wakendorf I. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis sieht keinen Anlass zur Sorge für Fahrgäste: Die Sicherheit jeder einzelnen Brücke sei jederzeit gewährleistet. Er räumte aber einen Investitionsstau ein. Bei 89 Brücken im Land müsse dringend etwas getan werden, eine Instandsetzung sei nur bedingt oder gar nicht mehr wirtschaftlich.

Die gute Nachricht: Für die beiden bemängelten Überführungen im Kreis Segeberg liefen bereits die Planungen für eine Brückenerneuerung. Die 1957 erbaute Wakenitz-Querung rechnet die Bahn aus der Statistik heraus. Der irreparable Teil von drei Einzelbrücken existiere inzwischen nicht mehr.

Sanierungsstau

Bei 1200 Brücken bundesweit muss laut Bahn „dringend etwas getan werden“. Wenn man davon ausgehe, dass Brücken nach durchschnittlich 100 Jahren erneuert werden müssen, stünden jedes Jahr 250 Bauwerke zur Sanierung an. Eine Vereinbarung zwischen Bund und Bahn gibt als Ziel vor, bis 2019 mindestens 875 Bahnbrücken vollständig oder in Teilen zu erneuern. „Wir schaffen das“, sagte ein Bahnsprecher. Im vergangenen Jahr schaffte das Unternehmen nicht einmal 80 Brücken.

Von Curd Tönnemann

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