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Wirtschaft im Norden 1967 – Premiere für den Geldautomaten
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20:51 22.06.2017
Massenandrang: Der erste Geldautomat wurde am 27. Juni 1967 vor einer Filiale der Barclays Bank in Enfield (Großbritannien) aufgestellt – und wurde zum Grundstein für ein weltweit erfolgreiches Geschäftsmodell. Quelle: Fotos: Barclays/dpa
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London/Frankfurt

. Für viele Verbraucher ist er heute der alleinige Kontakt zu ihrer Bank: der Geldautomat. Im Grunde sei die Maschine die einzige nützliche Innovation, die die Finanzbranche über Jahrzehnte zustande gebracht habe, urteilte 2009 der ehemalige Chef der US-Notenbank-Fed, Paul Volcker. Gerade hatten Banken die Welt mit hochriskanten Produkten an den Rand des Abgrunds gezockt.

Der Schauspieler Reg Varney war der erste Kunde.

Der Geldautomat indes ist aus dem Alltag von Millionen Menschen nicht mehr wegzudenken. Allein in Deutschland können sich Verbraucher an etwa 60000 solcher Maschinen rund um die Uhr in Sekundenschnelle mit Bargeld versorgen. Die Erfindung ist gerade einmal 50 Jahre alt: Den ersten Geldautomaten nahm die britische Großbank Barclays am 27. Juni 1967 in ihrer Filiale in Enfield nördlich von London in Betrieb.

Die Idee dazu kam dem Schotten John Shepherd-Barron (1925- 2010) an einem Sonnabend im Frühjahr 1965 in der Badewanne, wie er 2007 dem Sender BBC schilderte. An dem Tag war ihm das Bargeld ausgegangen. Der Manager in einer Firma, die auch Banknoten druckte, kam ins Grübeln: Warum gibt es eigentlich Automaten, aus denen man Schokoriegel ziehen kann, aber kein Gerät, das Bargeld herausgibt?

Shepherd-Barron erdachte einen Automaten, der Schecks prüfen und entwerten konnte und im Gegenzug Bargeld ausspuckte. Er stellte seine Idee der Großbank Barclays vor – die sofort zugriff.

Der Schotte entwickelte sechs ATM- Bankautomaten (Automated Teller Machine), der erste wurde im Juni 1967 in Enfield in Betrieb genommen. Als Erster durfte dort der Schauspieler Reg Varney zehn Pfund ziehen – mehr gab der Automat nicht heraus. „Aber das reichte damals für ein wildes Wochenende“, erklärte Shepherd-Barron.

Schon zuvor hatte es erfolglose Versuche mit Bankautomaten in anderen Ländern gegeben. Staunend beobachtete nun der schottische Erfinder bei einem Urlaub in Nordthailand, wie ein Mann mit einem Ochsenkarren vor einem ATM-Automaten vorfuhr: „Das war der erste Beweis für mich, dass wir die Welt verändert hatten.“

Ein Massenphänomen waren die ungewohnten Maschinen, die nun anstelle des Kassierers am Bankschalter Geld auszahlten, zunächst freilich nicht. Als in Deutschland die Kreissparkasse Tübingen am 27. Mai 1968 den bundesweit ersten Geldautomaten aufstellte, konnten diesen nur 1000 ausgewählte Kunden nutzen. Sie durften bis zu 400 D-Mark abheben, brauchten dafür aber ein ganzes Bündel an Ausrüstung:

einen Spezialschlüssel für den Tresor, eine Identifikationskarte aus Plastik und Auszahlungsbelege in Form von Lochkarten.

EC-Karten mit Magnetstreifen gab es noch nicht. In Shepherd-Barrons Automaten mussten Kunden einen mit einer leicht radioaktiven Substanz imprägnierten Scheck schieben. War das nicht gefährlich?

Nein, meinte der Erfinder: Er habe berechnet, dass man 136 000 dieser Schecks essen müsse, bevor deren Radioaktivität krank mache.

Eigentlich sollten die Schecks eine sechsstellige Geheimnummer zur Identifizierung haben, erinnerte sich Shepherd-Barron: „Aber meine Frau sagte über den Küchentisch hinweg, sie könne sich nur vier Ziffern merken. Ihretwegen wurden also die vier Ziffern Weltstandard.“ Und sind es bis heute.

Shepherd-Barron, der sich auch mit Schneckenzucht und Walrufen beschäftigte, starb im Mai 2010 mit fast 85 Jahren. Sein erster Bankautomat in Enfield ist abgebaut, nur eine Plakette erinnert noch daran. Reich wurde der Schotte mit seiner Erfindung nicht – er hatte sie sich nie patentieren lassen.

So geht’s richtig

Wer Bargeld am Automaten holt, sollte ein paar Tipps beachten:

Die persönliche Geheimzahl (PIN) der Karten darf nie auf einem Zettel zusammen mit der Karte im Geldbeutel aufbewahrt werden – auch nicht getarnt. Wer diese Gedächtnisstütze trotzdem nutzt, handelt grob fahrlässig und haftet meist selbst.

Bei der Eingabe der PIN sollte die Hand über das Tastenfeld gehalten werden, damit die Zahlen nicht ausgespäht werden können.

Geht die Karte verloren oder wird gestohlen, sollten Verbraucher sie schnell sperren lassen. Denn erst ab dem Moment der Sperrung kommt die Bank oder Sparkasse für mögliche finanzielle Schäden auf. Die zentralen Sperrnotrufnummern: 116 116 beziehungsweise 01805 021 021.

LN

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