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Wirtschaft im Norden 9,4 Millionen Euro für 26 Sparkassen-Vorstände
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden 9,4 Millionen Euro für 26 Sparkassen-Vorstände
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21:16 17.06.2016

Die Vorstände der öffentlich- rechtlichen Sparkassen in Schleswig-Holstein haben erstmals ihre Bezüge offengelegt. Demnach bekommen 26 Vorstandsmitglieder von zehn Instituten zusammen über 9,4 Millionen Euro Gehalt pro Jahr. Außerdem wurden ihnen Pensionszusagen von zusammen 27,4 Millionen Euro gemacht.

Es ist das neue Vergütungsoffenlegungsgesetz, das die SPD-Grünen-SSW-Landesregierung 2015 beschlossen hat, das die Vorstände aller öffentlicher Unternehmen zu dieser neuen Transparenz zwingt. Die Sparkassen würden dieses Gesetz aber als Erste im Land umsetzen, sagte der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, Reinhard Boll, bei der Vorlage der Zahlen. Nur die privaten Sparkassen Lübeck, Bordesholm und Mittelholstein sind nicht dabei, sie werden von dem Gesetz nicht erfasst. Und auch zwei Vorstandsmitglieder öffentlich-rechtlicher Sparkassen hätten ihre Bezüge noch nicht gemeldet.

Darunter ist der Vorstandschef der Sparkasse Holstein.

Auch Boll lehnte den Vorstoß der Kieler Koalition ursprünglich ab. Es verzerre den Wettbewerb um Personal, eben weil Sparkassen in anderer Trägerform, Volksbanken oder regionale Privatbanken ihre Vorstandsgehälter nicht preisgeben müssten.

Der bestbezahlte Sparkassen-Mitarbeiter ist der Vorstandschef der Kieler Förde-Sparkasse, Götz Bormann. Er erhält einschließlich erfolgsabhängiger Zulagen 531000 Euro pro Jahr. Seine Pensionszusage: gut drei Millionen Euro. Insgesamt zahlt die Förde-Sparkasse ihren Vorständen 1,859 Millionen Euro Jahresgehalt. Bei der Sparkasse Südholstein sind es gut eine Million Euro, bei der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg 1,288 Millionen und bei der Sparkasse Holstein in Bad Oldesloe und Eutin – ohne den Vorstandschef – 757900 Euro. Die jährlichen Grundgehälter reichen bei den 26 Vorständen von 133000 bis 390000 Euro, je nach Höhe der Bilanzsumme der jeweiligen Sparkasse. Dazu kommen erfolgsabhängige Leistungen von 2800 bis zu 117000 Euro. Unter den 26 Sparkassenvorständen ist nur eine Frau – und diese verdient am wenigsten.

Er könne verstehen, wenn manche die Höhe der Bezüge und Pensionen kritisierten, sagte Boll. Aber im Kampf um die besten Kräfte müssten die Sparkassen marktübliche Gehälter zahlen. „Sonst laufen uns Spitzenkräfte einfach davon.“ Das sei ein Frage des Marktes und nicht der Moral. Im übrigen bewegten sich sämtliche Leistungen im Marktrahmen sowie innerhalb der Bandbreite der Empfehlungen des Landes-Giroverbandes. Dies habe eine im März 2015 in Auftrag gegebene Studie ergeben. „Ich stehe hinter jeder Zahl in der Tabelle“, sagte Boll.

Laut Vergütungsoffenlegungsgesetz müssen die Träger der öffentlich-rechtlichen Sparkassen darauf hinwirken, dass die Bezüge und sonstigen Leistungen jedes Mitglieds von Vorstand und Verwaltungsrat unter Namensnennung auf der Homepage des Finanzministeriums sowie im Anhang zum Jahresabschluss veröffentlicht werden. Außer Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen kenne er keine Bundesländer mit einer solchen Regelung, so Boll. In Mecklenburg-Vorpommern werde ein entsprechendes Gesetz vorbereitet.

Ein Dach für 13 Häuser

Der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein ist der Dachverband der 13 schleswig-holsteinischen Sparkassen. Er hält für sie zum Beispiel auch die Beteiligungen an der LBS Bausparkasse, den Provinzial-Versicherungen und der HSH Nordbank. Der Verband ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Er ist Mitglied im Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Präsident des schleswig-holsteinischen Verbandes ist Reinhard Boll. Der legte sein Gehalt gestern ebenfalls offen: 358600 Euro pro Jahr. Barwert der Pensionsansprüche: 2,5 Millionen Euro.

Wolfram Hammer

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