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Ab auf die Ostsee: Sailaway schließt niemanden aus

Großenbrode Ab auf die Ostsee: Sailaway schließt niemanden aus

LN-Preisträger führt Wassersportschule für Menschen mit und ohne Behinderung.

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Tobias Michelsen (53) hat die Wassersportschule „Sailaway Watersports“ vor einem Jahr gegründet.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Großenbrode. Tobias Michelsen blickt auf seinen Laptop, ein Lächeln im Gesicht. „Das ist Sina“, sagt er und deutet auf ein junges Mädchen. Die Lübeckerin sitzt normalerweise im Rollstuhl, doch in seinem Video gleitet sie auf einem Surfbrett über die Ostsee. Dabei jauchzt sie vor Freude. „Ist das nicht großartig?“, fragt Michelsen. Vor einem Jahr hat er in Großenbrode eine Wassersportschule eröffnet, an der auch Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistigen oder körperlichen Behinderungen lernen können. Am Mittwoch erhielt der 53-Jährige dafür den LN-Innovations- und Mutpreis.

LN-Bild

LN-Preisträger führt Wassersportschule für Menschen mit und ohne Behinderung.

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Die Idee zu seinem Unternehmen kam ihm bereits vor 30 Jahren, bei einem nächtlichen Surfausflug in Florida. „Ich habe damals gemerkt, dass ich am erfolgreichsten bin, wenn ich meine Augen beim Surfen zumache“, sagt er. Daraufhin bot er an der Uni Blinden an, ihnen den Sport beizubringen. „Sie haben es schneller gelernt als Menschen ohne Behinderung, weil sie sich auf ihr Gefühl verlassen.“

Dennoch schlug Tobias Michelsen zunächst eine andere berufliche Laufbahn ein, wurde Kameramann. Die Idee schwirrte aber weiter in seinem Hinterkopf herum, vor allem seit 1989. Damals zertrümmerte er sich bei einem schweren Surfunfall auf Fuerteventura seinen sechsten und siebten Halswirbel und musste notoperiert werden. „Durch ein Wunder der modernen Medizin kann ich noch auf zwei Beinen laufen und sogar Wassersport machen“, sagt er. Seitdem habe er den starken Wunsch verspürt, etwas von dem Glück zurückzugeben, das er hatte.

„Und jetzt sitze ich hier und mache es“, sagt Michelsen und blickt sich in seiner Wassersportschule „Sailaway Watersports“ um. Mit seinen Helfern Andrew Turner und Doris Böer ist er gerade dabei, die Anlage für die Sommersaison startklar zu machen. Heute um 11 Uhr gibt es eine Eröffnungsfeier mit einem Benefiz-Wassersport-Flohmarkt. Das Geld kommt dem Verein „Sail United“ zugute, der Michelsens Arbeit unterstützt.

Denn die Betreuung der Behinderten ist aufwendig. „Um jemanden mit einer Querschnittslähmung in einen Neoprenanzug zu bekommen, sind vier Leute nötig“, erzählt er. Auch im Wasser werden viele Helfer gebraucht. „Wenn die Behinderten ins Wasser fallen, müssen sie die Sicherheit haben, dass ihnen sofort jemand hilft.“ Michelsen bekommt eine Menge Unterstützung von Menschen aus der Region, aber auch Ehrenamtler aus Ägypten, Australien, England, Kanada, Spanien und Frankreich kamen im vergangenen Jahr nach Großenbrode, um ihm zu helfen. „Ich bin ganz stark darauf angewiesen, ansonsten würde das alles gar nicht funktionieren“, sagt er.

Michelsen bietet alle Wassersportarten an, vom Surfen über Segeln bis hin zum Kajak fahren — und das am liebsten in gemischten Gruppen von Menschen mit und ohne Handicap. Am schönsten sei es, ihre Begeisterung zu sehen, wenn sie etwas schaffen, das sie vorher nicht für möglich gehalten hätten. „Da sind bei mir schon ganz viele Tränen der Ergriffenheit geflossen“, berichtet er. Der 53-Jährige hofft, auch andere Wassersportschulen dazu animieren zu können, mehr für Behinderte anzubieten. „Ich will ihnen zeigen, dass es ganz einfach ist“, sagt er.

Auch für sein eigenes Unternehmen hat er noch viele Ideen, möchte zum Beispiel Fallschirmsprünge anbieten. „Die Wunschliste ist riesengroß, aber es hängt alles vom Budget ab.“ Dabei sei er auf Spenden, Sponsoren und Fördergelder angewiesen. Etwas Unterstützung bieten die 3000 Euro, die er für den Gewinn des Innovations- und Mutpreises bekommen hat. Das Geld ist bereits verplant: Er will davon Winter-Neoprenanzüge für Kinder und Lenkdrachen kaufen.

Unterstützer gesucht

Für die Sommersaison braucht Tobias Michelsen noch Ehrenamtler, die ihm bei seiner Arbeit mit den Behinderten helfen. Interessierte können sich unter Telefon 04367/65799

66 melden. Infos gibt es auch im Internet unter www.sailaway-watersports.de.

Der Verein „Sail United“ arbeitet eng mit der Wassersportschule zusammen und fördert die Angebote für Menschen mit Handicap — finanziert über Spenden und Sponsoren. Weiteres dazu unter www.sail-united.eu.

Von Janina Dietrich

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