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Abschaffung des 500ers? Deutsche ziehen nicht mit

Frankfurt am Main Abschaffung des 500ers? Deutsche ziehen nicht mit

Umfrage: Nur jeder Fünfte kann sich ein bargeldloses Leben vorstellen — Elektronische Alternativen legen allerdings seit Jahren zu.

Frankfurt am Main. Mitten in der Debatte um das Für und Wider von Bargeld bekennt sich die große Mehrheit der Deutschen zu Schein und Münze. 79 Prozent wollen nicht auf Bargeld verzichten, wie eine repräsentative TNS-Emnid-Umfrage für den „Focus“ ergab, die gestern vorab veröffentlicht wurde. Nur jeder Fünfte (21 Prozent) der gut 1000 Befragten könnte sich ein bargeldloses Leben vorstellen.

Die Bundesregierung erwägt wie andere europäische Länder eine Obergrenze für Zahlungen mit Bargeld einzuführen. Im Gespräch ist ein Limit von 5000 Euro. Zudem prüft die Europäische Zentralbank (EZB), ob es weiterhin große Scheine wie die 500-Euro-Note geben soll. Befürworter solcher Maßnahmen erhoffen sich, auf diese Weise Geldwäsche, Schwarzarbeit und Terrorfinanzierung einzudämmen.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist in diesem Punkt skeptisch. „Glauben Sie, dass kriminelle Handlungen deshalb unterbleiben, weil es den 500-Euro-Schein nicht mehr gibt?“, sagte er vor wenigen Tagen. Inwieweit ein Verbot von größeren Bargeld-Transaktionen illegale Aktivitäten unterbinde, sei ebenfalls eine offene Frage. In der „Bild“-Zeitung warnte Deutschlands oberster Währungshüter nun: „Es wäre fatal, wenn die Bürger den Eindruck bekämen, dass ihnen das Bargeld nach und nach entzogen wird.“ Er bekräftigte: „Der Bürger soll selbst entscheiden können, ob er lieber Bargeld nutzen oder bargeldlos bezahlen möchte.“

Gerade in Deutschland ist Bargeld beliebt, wenngleich elektronische Alternativen seit Jahren tendenziell zulegen. „Bargeld wird verschwinden, klar. Aber ich glaube nicht, dass ich hier noch sitzen werde, wenn es passiert“, sagte der Chef von Europas größter Direktbank ING-Diba, Roland Boekhout. „Ich halte die Diskussion für etwas populistisch. Den 500-Euro-Schein können wir abschaffen, und es wird nichts passieren.“ Auch Boekhout warnte: Schaffe man Bargeld zu schnell ab, könnte das zur Folge haben, „dass Bürger das Vertrauen in eine Währung verlieren“.

LN

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