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Adidas und Nike: Verkauf als Heimspiel

Herzogenaurach/Beaverton Adidas und Nike: Verkauf als Heimspiel

Die Sportartikel- Hersteller bieten ihre Produkte verstärkt in eigenen Läden an.

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Noch stehen Fußballschuhe von Adidas und Nike bei Intersport im Regal, doch in Zukunft könnten Kunden vergeblich danach suchen.

Quelle: Ebener/dpa

Herzogenaurach/Beaverton. Die großen Sportartikel-Hersteller setzen zunehmend auf sich selbst. Um die Kult-Badelatsche „Adilette“ zu besorgen, reichte früher ein Gang ins Kaufhaus oder zum Sportfachhändler. Künftig aber werden die Plastiksandalen von Adidas nur noch in ausgewählten Läden im Regal stehen — bevorzugt in den eigenen. Die Sporthändler bekommen die Treter voraussichtlich von 2017 an gar nicht mehr geliefert. Hintergrund: Europas größter Sportartikelhersteller hat die „Adilette“ der Sportmodelinie „Adidas Originals“ zugeschlagen, die nur noch über ausgewählte Kanäle vertrieben werden soll.

„Viele Innovationen und ,heiße‘ Produkte

gibt es für uns

nicht mehr.“ Intersport-Chef Kim Roether

„Adilette“ steht dabei exemplarisch für viele Produkte. Ähnlich künstlich limitiert wird etwa der Verkauf angesagter Nike-Sneaker. Und immer höher angesetzte Mindestbestellmengen machen speziell den kleineren und freien Händlern zu schaffen. „Viele Innovationen und ,heiße‘ Produkte gibt es für uns nicht mehr oder sie werden nur noch ausgewählten Geschäften zur Verfügung gestellt“, sagt Intersport-Chef Kim Roether. Dabei seien es vor allem die gehypten Produkte, die der Händlerverbund brauche, um die junge Zielgruppe in die Läden zu locken. „Dass Adidas da bis zu 40 Prozent ohne den Fachhandel verkauft, das ärgert uns. Wenn man gemeinsam groß geworden ist, sollte man auch daran arbeiten, dass alle Erfolgsbeteiligten weiter ihren Anteil bekommen“, urteilt er.

Bei Adidas und dem Weltmarktführer Nike entwickelt sich das Geschäft mit eigenen Läden und Online-Shops gut. Mehr über weniger Partner zu verkaufen, lautet das Ziel. „Bis zum Jahr 2020 möchten wir mehr als 60 Prozent des Gesamtumsatzes über selbst kontrollierte Verkaufsflächen erzielen“, kündigte Adidas-Chef Herbert Hainer vor einem Jahr an.

Selbst kontrollierte Verkaufsflächen können zwar auch in Läden der Partner stehen. Sie bieten Adidas und Nike so aber dennoch die Möglichkeit, die Produkte voll und ganz entsprechend eigener Vorstellungen zu präsentieren.

Abseits des klassischen Handels schaffen sich die Sportartikler mit komplett eigenen Läden und ihren Online-Shops einen zusätzlichen Absatzkanal — und die große Bühne zur Selbstdarstellung. In die eigenen Läden kommen die Star-Designer zur Vorstellung eines neuen Schuhs, das Store-Design ist bei Nike komplett auf sein Logo, den „Swoosh“, bei Adidas ganz auf die Drei-Streifen-Optik ausgelegt:

Kleiderstangen sehen aus wie Langhanteln, anstatt in Schuhregalen werden die Schuhe auf Startblöcken präsentiert. Mega-Stores in den großen Metropolen sind Start- und Zielpunkt für Trainingsläufe und kleine Wettkämpfe zur Kundenbindung.

Wegen der Extrem-Mieten in den großen Städten können sich kleinere Händler dort schon lange nicht mehr behaupten. Adidas eröffnet dagegen pünktlich zur anstehenden Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Sommerspielen an der Fifth Avenue in New York City einen 4000-Quadratmeter-Laden. Diese Geschäfte bringen nicht nur Umsatz. „Sie werden die Standards anderer Geschäfte im Land anheben und dazu beitragen, dass unsere Konsumenten unsere Marken in einem durchgängigen, einheitlichen Umfeld erleben“, sagt Adidas-Vertriebschef Roland Auschel.

Doch der direkte Draht zum Kunden birgt auch Risiken: Die Sportartikler müssen darauf achten, es sich durch die künstliche Verknappung ihrer Produkte nicht mit den Großabnehmern im klassischen Handel zu verscherzen. „Der stationäre Handel war ja nicht unerfolgreich all die Jahre“, sagt Roether.

LN

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