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Adieu, Seefahrt: Dr. Oetker steigt bei Hamburg Süd aus

Hamburg/Bielefeld Adieu, Seefahrt: Dr. Oetker steigt bei Hamburg Süd aus

Mischkonzern verkauft seine Reederei an dänischen Konkurrenten Maersk.

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Das Containerschiff „Cap San Raphael“ der Reederei Hamburg Süd an einem Containerterminal in Hamburg-Waltershof. FOTO: AXEL HEIMKEN/DPA

Hamburg/Bielefeld. Großer Befreiungsschlag, Strategie-Wechsel oder Strukturwandel im Hause Dr. Oetker? Alles trifft zu – und dennoch:

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Mischkonzern verkauft seine Reederei an dänischen Konkurrenten Maersk.

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Welche Folgen der Verkauf der Schifffahrtssparte für das Familienunternehmen haben wird, ist offen. Denn der Streit zwischen den Gesellschaftern ist noch nicht gelöst. Wer den Konzern nach dem Ausscheiden von Richard Oetker führen soll, beschäftigt den Beirat von Dr. Oetker. Das Aufsichtsgremium, bestückt mit familienfremden Managern, hat zwar mit der Trennung von der Reederei Hamburg Süd ein Sorgenkind weniger. Die Personal-Fragen aber stehen noch auf der Tagesordnung.

Beim Treffen Ende November ging es um das Reederei-Geschäft. Nach mehr als 80 Jahren trennt sich Dr. Oetker von einer Sparte, die zuletzt zwar an Umsatz zulegte, unterm Strich bei der weltweiten Krise der Container-Schifffahrt aber zu viele Ressourcen und finanzielle Mittel gebunden hat. Experten sprechen von einer „mörderischen Konsolidierung“ der Branche. Hamburg Süd, das kommuniziert Dr. Oetker in der Pressemitteilung zum Verkauf an den dänischen Konkurrenten Maersk offen, hätte zu viel Kapital bedurft. „Dies würde zudem den Risikoausgleich innerhalb der Oetker-Gruppe empfindlich stören“, heißt es. Auf Deutsch: Ein weiteres Festhalten an Hamburg Süd hätte den ganzen Konzern in Schieflage bringen können. Also weg mit dem Klotz am Bein und mit dem Erlös die streitbare nächste Generation auszahlen und damit loswerden? Falsch, sagen Unternehmenskreise. Bei dem Streit um die Nachfolge geht es nicht ums Geld. „Sonst würden die sich nicht so erbittert um die Posten streiten“, heißt es im Umfeld.

Das, was jetzt vom dänischen Käufer an Dr. Oetker überwiesen wird, soll wieder investiert werden. Die dänische Jyske Bank spekuliert über einen Kaufpreis von 3 Milliarden Dollar (2,82 M illiarden Euro). Die Verkaufs- Entscheidung sei gemeinsam im Kreis der Gesellschafter getroffen worden – einstimmig. Dabei ist der Schritt besonders August Oetker sicher nicht leicht gefallen. Der heutige Beirats-Vorsitzende, bis 2010 Konzernchef, hat das Kaufmanns-Handwerk in der Reederei gelernt.

Jetzt zu verkaufen, sei aber richtig, sagen Beobachter. Oetker- Sprecher Jörg Schillinger verweist auf die ökonomischen Gründe, warum die Bielefelder in den 1930er- Jahren als Investor in Hamburg Süd investiert haben. Nach 1945 sei das Geschäft richtig durchgestartet, sagt Schillinger. Von diesen Erfolgen sei die Branche aber heute meilenweit entfernt. Ottmar Gast, Sprecher der Geschäftsführung bei Hamburg Süd und Mitglied der Konzernleitung bei Dr. Oetker, scheidet Ende 2017 aus Altersgründen mit 65 Jahren aus. Wenn die Kartellbehörden mitspielen, kann er Hamburg Süd dann an seinen Nachfolger übergeben.

Hier sind die Personalien somit klar. Offen ist, wie es im Beirat und an der Konzernspitze weitergeht. Rudolf-August Oetker, der Enkel des Firmengründers, hinterließ bei seinem Tod 2007 acht Erben aus drei Ehen. Seine Kinder erblickten von 1940 bis 1979 das Licht der Welt. Ende 2016 muss Richard Oetker, das vierte Kind aus zweiter Ehe, die Konzernleitung laut Statut mit 65 Jahren aufgeben.

Bereits 2010, als er das Ruder übernahm, waren sich die Familienstämme nicht einig. Im September vermeldete Dr. Oetker, dass Richard Oetker länger als gedacht in neuer Konstellation im Unternehmen bleibt. In der Sparte Nahrungsmittel behält er den Vorsitz der Geschäftsführung – unbefristet. Beobachter sehen darin eine Stärkung der Lebensmittelsparte und einen Schachzug im Generationenstreit. Für eine mögliche Neuausrichtung des Konzerns könnte Richard Oetker die Milliarden aus dem Verkauf der Reederei gut gebrauchen.

Am Anfang war das Backpulver

Dr. Oetker zählt mit seinen Backmischungen, Puddings und Tiefkühlpizzen zu den bekanntesten Marken Deutschlands. 2015 erzielte der Konzern mit 31 000 Mitarbeitern und 417 einzelnen Unternehmen einen Umsatz von 12,2 Milliarden Euro. Mit der Radeberger Gruppe ist Oetker Marktführer auf dem deutschen Biermarkt. Die Tochter Henkell stellt Sekt und Spirituosen her. Das Bankhaus Lampe, Luxushotels und eine Chemiefabrik gehören ebenfalls zur Oetker-Gruppe. Gegründet wurde das Familienunternehmen vor 125 Jahren in Bielefeld. Der Apotheker Dr.

August Oetker experimentierte damals mit Backpulver und brachte es 1893 küchenfertig portioniert auf den Markt.

Carsten Linnhoff

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