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Wirtschaft im Norden Air Berlin: Verkauf schon in der kommenden Woche?
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Air Berlin: Verkauf schon in der kommenden Woche?
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20:14 17.08.2017
Die Marke Air Berlin könnte bald verschwinden, das Unternehmen unter der Konkurrenz aufgeteilt werden. Quelle: Foto: Bernd Settnik/dpa
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Berlin

. Nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin sind für Freitag Verkaufsverhandlungen geplant. Marktführer Lufthansa will sich aus der Insolvenzmasse einen großen Teil der Flugzeuge sichern. Es könne um rund 90 der 144 Maschinen gehen. Weitere Gespräche soll es mit Easyjet und Tuifly geben.

Lufthansa sieht sich unter großem Zeitdruck, so dass die bereits weit gediehenen und seit Monaten vorangetriebenen Verhandlungen schon in der kommenden Woche abgeschlossen werden könnten, wie die „Süddeutsche Zeitung“ erfuhr. Mit dem Air-Berlin-Vorstand und dem Sachwalter Lucas Flöther solle auch über das Wochenende verhandelt werden.

Die Kunden von Air Berlin konnten unterdessen gestern keine Bonusmeilen einlösen. Dieser Dienst des Vielflieger-Programms Topbonus sei vorübergehend nicht verfügbar, sagte eine Sprecherin des Großaktionärs Etihad, dem Topbonus gehört. Man warte auf zusätzliche Informationen von Air Berlin. Ob ein technisches Problem vorliegt oder ob es andere Gründe gibt, war den Angaben nicht zu entnehmen. Unklar blieb auch, wie lange die Störung dauert.

Air Berlin hatte am Dienstag Insolvenz beantragt, nachdem Etihad ihr die finanzielle Unterstützung entzogen hatte. Der Flugbetrieb ist durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro noch für etwa drei Monate gesichert. Nach Angaben von Vorstandschef Thomas Winkelmann steht die Airline schon seit Wochen mit den Kaufinteressenten in Kontakt. Alle seien „in finanzieller Hinsicht seriös, vom Volumen her ausreichend groß, um Air Berlin eine sichere Zukunft zu bieten, und hätten zudem das Interesse, weiterhin vom Standort Deutschland aus zu operieren“, sagte Winkelmann der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Er nannte keine Namen außer den der Lufthansa. Winkelmann sagte im Gespräch mit „Bild“ und „B.Z.“: „Aus heutiger Sicht ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Marke Air Berlin verschwindet.“

Auch Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl plant nach Informationen des Wirtschaftsmagazins „Capital“, ein Übernahme-Angebot für Air Berlin abzugeben. Der erfahrene Airline-Investor, der vor Jahren unter anderem bereits die Deutsche BA und LTU übernommen hatte, plant nach Angaben aus gut informierten Kreisen, gemeinsam mit einigen Investoren bei Air Berlin einzusteigen. Ryanair hatte die geplante Übernahme großer Flottenteile durch die Lufthansa kritisiert und Klage bei den Kartellbehörden eingereicht.

Die Gewerkschaft Verdi fürchtet, dass die Interessenten nur die Flugzeuge kaufen wollen und die mehr als 8000 Beschäftigten von Air Berlin sich neu bewerben müssen. „Dann wären Lohnverluste von bis zu 50 Prozent zu befürchten“, sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle nach einem Gespräch mit Air-Berlin-Personalchefin Martina Niemann. „Diese Perspektive hat uns geschockt.“ Verdi fordert von den Übernehmern, die Beschäftigten zu fairen Konditionen zu übernehmen.

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo kritisierte: „Die Bieter wollen nur das Blech, und die Leute können sehen, wo sie bleiben.“ Tarifvorstand Nicoley Baublies appellierte an die Politik, die Arbeitsplätze zu aktuellen Bedingungen zu sichern. „Mit dem 150-Millionen-Kredit sollten schließlich die Jobs gerettet werden.“

Lindner warnt vor Monopol

Vor einer Konzentration im deutschen Luftverkehr hat der FDP-Vorsitzende Christian Lindner gewarnt. „Im Interesse der Kunden sollte der Staat sich nicht in den Wettbewerb zu Gunsten der Lufthansa einschalten“, sagte Lindner dem RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), „wir brauchen kein Monopol im Luftverkehr.“ Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, gibt der Politik eine Mitschuld an der Insolvenz von Air Berlin. „Die Fluglinie hat strategisch auf eine frühe Eröffnung des Hauptstadtflughafens Berlin/Brandenburg gesetzt.“

LN

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