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Air Berlin steht vor Aufteilung

Berlin Air Berlin steht vor Aufteilung

Lufthansa will sich möglichst rasch einen Teil an der Flotte sichern.

Berlin. . Nur drei Tage nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin haben konkrete Verhandlungen über die Aufteilung der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft begonnen. Gestern wurden Gespräche zwischen dem Marktführer Lufthansa und Air Berlin aufgenommen.

Lufthansa will sich einen großen Teil der Flugzeuge von Air Berlin sichern. Die Bundesregierung nimmt nach eigenen Angaben keinen Einfluss auf die Verhandlungen. Der Übernahmekandidat wollte gestern keine Stellung zum aktuellen Stand der Dinge nehmen. Die Gewerkschaft Verdi forderte, einen Sozialtarifvertrag zu vereinbaren, um den Übergang für die mehr als 8000 betroffenen Mitarbeiter abzufedern. „Die Bundesregierung ist da nicht mit am Tisch und steuert das auch nicht“, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Es gebe auch keine Zeitvorgabe für die Verhandlungen.

Außer Lufthansa sind Easyjet und Tuifly als Interessenten bekannt. Beide sind aber in die ersten Verhandlungen nicht eingebunden. Auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl gab ein formelles Angebot ab. Ziel seiner Offerte sei es, die Air-Berlin-Gruppe als Ganzes zu erhalten und als unabhängige Airline fortzuführen, teilte sein Unternehmen mit.

Bei den Gesprächen mit Lufthansa könne es um rund 90 der 144 von Air Berlin geleasten Flugzeuge gehen, hieß es in Unternehmenskreisen. Im Eigentum von Air Berlin ist keine Maschine ihrer Flotte mehr. Dementsprechend müssen auch die Leasingfirmen in eine Vereinbarung eingebunden werden.

Eine Komplettübernahme von Air Berlin, die derzeit aber nicht zur Debatte steht, würde der Lufthansa vor allem auf innerdeutschen Strecken zu einer starken Stellung verhelfen. Der Marktanteil an innerdeutschen Flügen würde von jetzt knapp 72 Prozent auf 96 Prozent steigen. Das geht aus einer Flugplan-Auswertung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervor.

Bei den Europaflügen von deutschen Flughäfen würde sich der Anteil von 36 auf 41 Prozent erhöhen.

Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle äußerte die Befürchtung, dass es den Kaufinteressenten „in erster Linie ums ganz große Geschäft, nicht aber um die Verantwortung für die Beschäftigten“ gehe.

Ein Sozialtarifvertrag zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft soll die Interessen der Beschäftigten bei einer Übernahme wahren und zum Beispiel künftige Arbeitsbedingungen und Gehälter regeln.

Das Unternehmen Air Berlin hatte am Dienstag Insolvenz beantragt, nachdem der Großaktionär und Partner Etihad der Fluggesellschaft die finanzielle Unterstützung entzogen hatte. Der Flugbetrieb ist durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro noch für etwa drei Monate gesichert. Der  Betriebsrat der Technik-Tochter von Air Berlin forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem offenen Brief auf, sich für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze einzusetzen. Der Konzern verschob gestern die für diesen Tag angekündigte Vorlage seiner Halbjahresbilanz auf unbestimmte Zeit.

LN

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