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Aktionäre üben viel Kritik an der Entwicklung von Dräger

Lübeck Aktionäre üben viel Kritik an der Entwicklung von Dräger

Für das Lübecker Unternehmen ist es ein enttäuschendes Geschäftsjahr 2015: Der Gewinn ist eingebrochen und 200 Stellen werden abgebaut. Entsprechend turbulent verlief die Hauptversammlung in Lübeck. So viel Kritik musste Dräger von seinen Aktionären lange nicht mehr einstecken.

Dräger musste sich bei der Hauptversammlung am Mittwoch viel Kritik der Aktionäre anhören.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Der Wert der Aktie ist stark gesunken, der Gewinn eingebrochen, und in Lübeck werden 200 Stellen abgebaut: Die Folge von negativen Nachrichten aus dem Hause Drägerwerk AG zeigt Wirkung. So viele Fragen und so viel Kritik der Aktionäre wie dieses Mal musste Dräger auf einer Hauptversammlung lange nicht mehr einstecken.

Unternehmenschef Stefan Dräger und seine Vorstandskollegen legten den knapp 400 versammelten Aktionären im abgedunkelten Foyer der Lübecker MuK ihren Bericht über das enttäuschende Geschäftsjahr 2015 (die LN berichteten) vor. Im Rahmen des Freiwilligenprogramms sind bisher 140 Aufhebungsverträge unterschrieben worden, sagte Personalvorstand Reiner Piske. Vom geplanten Abbauziel fehlt noch ein großer Teil.

Danach ging es in der Aussprache zur Sache. „Ich bin fast sprachlos“ sagte Dirk Unrau von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), „Sie haben im Vergleich zum Vorjahr fast 110 Millionen Euro verloren, das ist wirklich bitter.“ Im Wesentlichen seien das hausgemachte Probleme. „Es wäre angebracht, dass der Aufsichtsrat dem Vorstand den Kopf wäscht“, sagte Unrau. „Wir haben die Vorschläge des Vorstandes sehr kritisch hinterfragt — nicht alle Vorschläge sind durchgekommen“, antwortete später Aufsichtsratschef Nikolaus Schweickart.

Das Ergebnis für das erste Quartal zeige, dass Dräger viel größere Probleme habe, als der Vorstand erkannt habe, fuhr der DSW-Vertreter fort. „Was uns ganz besonders ärgert, ist ihre Dividendenpolitik. Warum sollte ein Aktionär diese Aktie halten oder kaufen?“, fragte Unrau. „Man kann nur von einem Ausfall der Dividende sprechen“, pflichtete Peter Tschirner von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) bei. Und hakte nach: „Wie schlecht geht es dem Unternehmen wirklich? Reichen die getroffenen Maßnahmen wirklich aus? Haben wir die richtige Mischung zwischen dem Goldstandard und preiswerteren Einstiegsprodukten?“

Im Rückblick auf die zehn Jahre, die Stefan Dräger das Unternehmen leite, sei die Entwicklung des Aktienkurses „ernüchternd“, sagte Thomas Zours von der Deutschen Balaton AG, die zehn Prozent der Genussscheine hält und eine drastische Erhöhung der Dividende beantragt hatte. „Sie bestimmen die Höhe der Dividende nach Gutsherrenart“, sagte Zours. Noch deutlicher wurde Christoph Schäfers von der Sparta AG: „Das Unternehmen scheint an einer signifikanten Führungsschwäche zu leiden“, sagte er. Wenn Vorstandsposten Schleudersitze seien, fördere das Duckmäusertum. „Prüfen Sie selbstkritisch ihre Rolle im Unternehmen“, forderte er den Firmenchef auf.

Stefan Dräger konterte alle Vorwürfe. Man lebe seit 127 Jahren nach den Werten eines Familienunternehmens. „Auf jedem Produkt steht mein Name, alle können sich darauf verlassen, dass ich auch bei Problemen nicht weglaufe. Wir müssen die Lasten auf allen Schultern, auch auf denen der Aktionäre und der Familie, verteilen.“ Weil die Familie die deutliche Mehrheit der stimmberechtigten Stammaktien hält, ging der Dividendenvorschlag des Vorstands durch, wie immer. Es wird 13 Cent je Stammaktie und 19 Cent je Vorzugsaktie geben.

Beifall — auch von den Kritikern — bekam Stefan Dräger für seine Entscheidung, auf 700000 Euro — die Hälfte seiner variablen Vergütung für 2015 — zu verzichten. „Das ist löblich und ein gutes Signal“, sagte Unrau. Zum neuen Sparkurs passt auch, dass es für die Aktionäre nur trockene Brezeln zu essen gab.

Metaller verhandeln heute in Lübeck

Heute um 11 Uhr beginnt in den Lübecker Media Docks die dritte Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt für die 140000 Beschäftigten der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie. Der Arbeitgeberverband Nordmetall hat 0,9 Prozent mehr Lohn angeboten, die Gewerkschaft IG Metall fordert fünf Prozent mehr. „Wenn die Arbeitgeber härtere Arbeitskampfmaßnahmen vermeiden wollen, dann brauchen wir in Lübeck klare Signale. Das heißt: Sie müssen kräftig drauflegen, sonst ist ein verschärfter Konflikt unausweichlich“, sagte gestern Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

Gibt es heute keine Einigung, könnte es schon morgen Warnstreiks der Metaller geben, auch in Lübecker Unternehmen wie Dräger.

Von Christian Risch

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